Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.03.2011

16:25 Uhr

Wachstumsprognose

OECD senkt den Daumen für Großbritannien

VonOlaf Storbeck

Nach Meinung der OECD wird Großbritanniens Wirtschaft sich dieses Jahr nur langsam erholen. Dennoch stärkt sie Premierminister Cameron den Rücken: An seinem eisernen Sparprogramm solle er festhalten.

David Cameron vor der Downing Street: Die OECD befürwortet trotz gesenkter Wachstumsprognose sein Sparprogramm. Quelle: dpa

David Cameron vor der Downing Street: Die OECD befürwortet trotz gesenkter Wachstumsprognose sein Sparprogramm.

Die OECD hat ihre Wachstumsprognose für Großbritannien gesenkt. 2011 werde die Wirtschaftsleistung nur um 1,5 Prozent zulegen, erklärte die OECD am Mittwoch in London. Vor vier Monaten hatte sie noch ein Plus von 1,7 Prozent vorhergesagt. Auch im kommenden Jahr werde sich die Wirtschaft nur langsam erholen. Dennoch sollte Premierminister David Cameron an seinem harten Sparkurs festhalten, betonte die OECD.

Kurzfristig würden die Sparprogramme der Regierung die Konjunktur belasten, weil sie öffentlichen Investitionen wie auch die Konsumausgaben der privaten Hausehalte bremsen würden. „Langfristig bringen sie aber Nutzen“, schreibt die OECD. Die Reformen würden die dauerhafte Tragfähigkeit der Staatsfinanzen sicherstellen.

Nach seinem Wahlsieg im Mai 2010 hat der neue konservative britische Premierminister Cameron hat dem Land das härteste Sparprogramm seit Jahrzehnten verordnet. In den nächsten vier Jahren sollen die Staatsausgaben um 81 Milliarden Pfund sinken. Unter anderem sollen  490.000 öffentliche Jobs wegfallen und die Studiengebühren auf 9.000 Pfund pro Jahr steigen. Seit November hat es mehrfach gewaltsame Proteste gegen diese Pläne gegeben.

Ende 2010 war das Wirtschaftswachstum unerwartet eingebrochen – im vierten Quartal schrumpfte es um 0,6 Prozent. Dies hatte bei Volkswirten die Sorgen um die Stabilität der britischen Konjunktur genährt. Die Finanzkrise hatte das Land besonders stark getroffen. Die Wirtschaft hat sich bislang nur langsam erholt, das Bruttoinlandsprodukt liegt noch deutlich unter dem Niveau von vor Ausbruch der Krise.

Neben den Sparpaketen der Regierung seien fallende Immobilienpreise und die unsichere Weltkonjunktur weitere Gefahren für die britische Wirtschaft, erklärte die OECD.

Zahlreiche Volkswirte im Land halten Camerons Sparkurs für überzogen. „Eine Konsolidierung der Staatsfinanzen mitten in einer Rezession macht die Dinge nur noch schlimmer“, warnte zum Beispiel jüngst Jonathan Portes, Direktor der renommierten Londoner Denkfabrik NIESR. Großbritannien sei meilenweit von einer Schuldenkrise wie in Griechenland entfernt. „Die Argumente, eine schnelle Konsolidierung sei nötig, um nicht das Vertrauen der Märkte zu verlieren, ist reine politische Rhetorik“, sagte Portes.

OECD Secretary General  Angel Gurría dagegen stellte sich hinter den Kurs von Cameron: “Großbritannien trifft jetzt schwere, aber notwendige Entscheidungen”, sagte  Gurría am Mittwoch Mittag in London. „Damit stellt die Regierung sicher, dass sie auch in Zukunft die britischen Bürger mit staatlichen Leistungen versorgen kann.“ Um die negativen Folgen der Sparprogramme abzumildern, solle die Notenbank ihren expansiven Kurs beibehalten. Dass die Inflation derzeit deutlich über der angepeilten Zielgröße liegt, solle die  Bank of England ignorieren.

Die Arbeitslosigkeit bleibe bis 2012 überdurchschnittlich hoch, so die OECD. Im Januar waren 2,5 Millionen Briten offiziell ohne Job – so viele wie seit 17 Jahren nicht mehr. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Punkte auf  8,0 Prozent.

 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×