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08.01.2015

19:08 Uhr

Währungshüter

EZB nimmt Ölpreisentwicklung besonders ins Visier

EZB-Chef Mario Draghi will hinsichtlich der Beurteilung der Inflationsaussichten bei der Ölpreisentwicklung besonders wachsam sein. Ein Aufkauf von Staatsbonds könnte ein möglicher nächster Schritt sein.

Hat den fallenden Ölpreis im Auge: EZB-Chef Mario Draghi. dpa

Hat den fallenden Ölpreis im Auge: EZB-Chef Mario Draghi.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) nimmt bei der Beurteilung der Inflationsaussichten den jüngsten Ölpreis-Verfall besonders ins Kalkül. Der EZB-Rat habe Anfang Dezember auf die Prognosen hingewiesen, die von einer geringeren Inflation als bisher erwartet ausgehen, schrieb EZB-Chef Mario Draghi in einem Brief an EU-Parlamentarier. „Er wird besonders wachsam sein hinsichtlich des breiteren Einflusses der jüngsten Ölpreis-Entwicklung auf die mittelfristigen Inflationstrends in der Eurozone“, hieß es in dem Brief, der auf der EZB-Webseite veröffentlicht wurde.

Seit der EZB-Sitzung Anfang Dezember hat der Ölpreis seine Talfahrt noch beschleunigt. Am Donnerstag notierte die richtungsweisende Rohölsorte Brent bei 51 Dollar - im Sommer kostete das Fass noch mehr als doppelt so viel.

Zwar freut ein fallender Ölpreise die Verbraucher – doch die EZB sieht durch das billigere Öl Probleme heraufziehen. Sie will insbesondere die Gefahr bannen, die mit einem Preisverfall auf breiter Front einhergeht. Denn wenn Verbraucher weiter sinkende Preise erwarten und Kaufentscheidungen zurückstellen, droht der Wirtschaft eine Spirale aus fallenden Investitionen und weiter sinkenden Preisen, die nur schwer zu stoppen ist.

EZB steht vor weiteren historischen Schritten

EZB-Rat

Das Führungsgremium der Notenbank entscheidet ab Januar 2015 nur noch alle sechs Wochen über die Geldpolitik im Euroraum, erster Termin dafür ist der 22. Januar. Bisher gab es in der Regel am ersten Donnerstag jedes Monats eine Zinsentscheidung der EZB. Draghi begründete den neuen Turnus mit überzogenen Erwartungen der Märkte: Würden diese enttäuscht, komme es zu Konsequenzen – ohne dass es dafür einen ökonomischen Grund gebe. „Die EZB sollte aber nicht jeden Monat handeln. Deshalb haben wir uns entschieden, dass der Sitzungskalender mit monatlichen Treffen zu eng ist“, erklärte der Italiener Anfang Juli.

Neubau

Ihre neue Zentrale im Frankfurter Ostend hat die EZB bereits im November bezogen, am 18. März 2015 soll sie feierlich eröffnet werden. Das Ensemble aus zwei gläsernen Türmen - 165 und 185 Meter hoch - sowie der denkmalgeschützten ehemaligen Großmarkthalle bietet Platz für 2900 Mitarbeiter. Die Kosten für den Neubau am Mainufer waren mehrfach nach oben korrigiert worden, jüngste Schätzung: 1,3 Milliarden Euro. Die Endabrechnung soll Ende 2015 vorliegen.

Protokolle

Ein weiteres Novum: Die Notenbank wird ab 2015 regelmäßig Zusammenfassungen der Beratungen des EZB-Rates veröffentlichen – und zwar jeweils vor der folgenden Sitzung. Bislang lagen die Mitschriften für 30 Jahre unter Verschluss. Die neue Transparenz sei „ein weiterer Weg, um unsere Maßnahmen und die ihnen zugrundeliegenden Erörterungen zu erläutern“, erklärte Draghi. Schließlich sei das Vertrauen der Bevölkerung in die Geldpolitik immens wichtig.

Stimmrechte

Im EZB-Rat galt bisher das Prinzip: ein Land, eine Stimme. Mit dem Euro-Beitritt Litauens ändert sich das. Ab 2015 wird rotiert. Im Mai darf Bundesbank-Präsident Jens Weidmann deshalb erstmals keine Stimme bei den geldpolitischen Entscheidungen abgeben. Hintergrund ist ein EU-Beschluss von 2003, wonach das Stimmrecht in dem Gremium rotiert, sobald die Eurogruppe mehr als 18 Mitglieder hat. Das soll sicherstellen, dass auch dann rasch und effizient entschieden werden kann, wenn die Währungsunion größer wird. Das System tritt mit dem Eurobeitritt Litauens zum 1. Januar in Kraft.

Anleihenkäufe

Die Inflation ist gefährlich niedrig, das viele billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) bringt die Wirtschaft bislang nicht wie von den Währungshütern gewünscht in Schwung. Viele Ökonomen rechnen deshalb damit, dass die Notenbank Anfang 2015 den Weg für Anleihenkäufe in großem Stil freimachen wird („Quantitative Easing“, QE). Befürworter hoffen, dass der Erwerb von Unternehmens- und Staatsanleihen durch die Notenbank die Wirtschaft ankurbelt – und zugleich die Inflation wieder in Richtung des EZB-Zieles befördert. EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass die Vorbereitungen für neue Eingriffe weit fortgeschritten seien. Ausdrücklich nannte er dabei QE, wobei auch Staatsanleihenkäufe im Rahmen des Mandats der EZB möglich seien.

Zinsen

„Die Zinsen werden niedrig, niedrig, niedrig bleiben. Die Geldflut der Zentralbanken wird anhalten“, prognostizierte Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau im Dezember. Europas Währungshüter selbst haben immer wieder bekräftigt, dass sie die Zinsen auf absehbare Zeit nahe Null halten werden. Dass der Leitzins im Euroraum noch unter das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt wird, gilt allgemein als unwahrscheinlich. Draghi selbst hatte eingeräumt, beim Leitzins sei „der untere Rand erreicht“.

EZB-Präsident Draghi zufolge ist der EZB-Rat einhellig der Auffassung, zusätzliche „unkonventionelle Instrumente“ zu nutzen, sollte es notwendig sein, auf die Risiken einer zu lang anhaltenden niedrigen Inflation zu reagieren. Solche Schritte könnten den Kauf verschiedener Vermögenswerte beinhalten – einer davon sei der Erwerb von Staatsanleihen, so der EZB-Chef in seinem Brief.

Die Währungshüter haben die Tür für groß angelegte Wertpapieraufkäufe nach dem Vorbild der USA bereits aufgestoßen – schon auf ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung am 22. Januar in Frankfurt könnte sie nun weitere Maßnahmen beschließen. Mit einem massenhaften Ankauf von Staatsanleihen würde sie einen Anreiz bieten, dass Geldinstitute die Papiere abstoßen und im Gegenzug mehr Geld zur Kreditvergabe zur Verfügung haben. Das könnte die Konjunktur anschieben – und damit auch die Preise stützen.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

08.01.2015, 19:45 Uhr

EZB-Chef Mario Draghi will hinsichtlich der Beurteilung der Inflationsaussichten bei der Ölpreisentwicklung besonders wachsam sein. Ein Aufkauf von Staatsbonds könnte ein möglicher nächster Schritt sein.

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Sollen die Menschen jetzt Weltweit pro Kopf ...

einen Liter Benzin kaufen damit der Ölpreis steigt " EU " ???

Dann es sinnlos verbrennen und den CO 2 Weltweit unnötig erhöhen...nur damit der Preis steigt ?

ARBEITSPLÄTZE SIND IN DER " EU " NOTWENDIG !!!

Zu Zeiten wo der Ölpreis überteuert war...

wurde am teuren Ölpreis die schuld gegeben für Mangel an

Investitionen für Neue Arbeitsplätzen...

UND JETZT " EU ", was ist jetzt schuld an der Misere der EU ?






Herr Rudolf Riedl

08.01.2015, 20:34 Uhr

Dann soll Drucker Draghi halt einige Millionen Fass Öl
kaufen und sich in Brüssel auf Lager legen, dann steigt der preis und die EU bringt endlich mal einen Mehrwert als Öllager.

Account gelöscht!

09.01.2015, 08:41 Uhr

Bestimmt wird die Grün-Sozialistische EU den USA jetzt das Fracking verbieten wollen, damit der Oelpreis wieder steigt.
Es ist doch immer wieder erfrischend zu sehen, wie sich eine Ideologie Politik (Grün-Sozialisten) in den Markt einmischen wollen. In Deutschland scheitert diese Grüne Energiewendepolitik gerade massiv an der Marktrealität und dies hat für das EU-Deutsche Volk massiv NEGATIVE Folgen.
Energiewende/EEG = erst kommt die Lüge, dann der Betrug/Selbstbestrug danach folgt der Mangel und dann die Armut für das Volk und das Scheitern einer Grün-Sozialistischen Ideologiepolitik

Erst kam der Sozialismus "Braun" daher, dann "Rot" und jetzt eben "Grün".

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