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05.01.2011

14:53 Uhr

Währungsstreit

Die neue Sehnsucht nach der guten alten Mark

VonMarietta Kurm-Engels

Deutschland ist gespalten: Zwölf Jahre nach der Einführung des Euros trauern einer repräsentativen Umfrage zufolge 56 Prozent der Deutschen der D-Mark nach. 43 Prozent hingegen sehen im Euro die bessere Währung. Einige Experten halten eine Spaltung der Euro-Zone für möglich.

D-Mark: Nach Meinung vieler Volkswirte wird eine Rückkehr zur alten Währung Wunschdenken bleiben. Quelle: dpa

D-Mark: Nach Meinung vieler Volkswirte wird eine Rückkehr zur alten Währung Wunschdenken bleiben.

FRANKFURT. Die Deutschen haben sich auch physisch noch nicht vollständig von ihrer D-Mark getrennt. Zum Jahresende 2010 befanden sich nach Angaben der Bundesbank noch DM-Banknoten und-Münzen im Wert von 6,93 Milliarden DM im Umlauf. Dieser Betrag zeigt, wie schwer es vielen Deutschen fällt, ihre alte Währung endgültig loszulassen.

Einige Länder sollen ausscheiden

Stefan Homburg, Wirtschaftsprofessor an der Leibniz Universität Hannover und Direktor des Instituts für Öffentliche Finanzen, traf den Nerv breiter Bevölkerungsschichten, als er jüngst dafür plädierte, zur D-Mark zurückzukehren. "Die politischen Spannungen in Europa nehmen zu, und die Deutschen werden als Zuchtmeister wahrgenommen", sagte er. "Deshalb wäre es besser, einen Schlussstrich zu ziehen und zur D-Mark zurückzukehren."

Nach Meinung vieler Volkswirte wird eine Rückkehr zur D-Mark aber Wunschdenken bleiben. Ob die Europäer allerdings mit dem Übergang zum Euro einen guten Tausch gemacht haben, ist zu Jahresbeginn alles andere als sicher.

"Dass die D-Mark zurückkommt, ist Unsinn", sagt Manfred J.M. Neumann, Wirtschaftsprofessor in Bonn und Experte für Notenbank- und Währungsfragen. "Die D-Mark wird jetzt noch stärker überhöht als bisher, weil man Angst hat, mit den Schulden anderer Länder belastet zu werden." Die Frage der Zukunft werde vielmehr sein, ob einige Länder vorübergehend aus der Währungsunion ausscheiden müssten. "Die Frage wird sein, ob man durch Stützung aller schwachen Länder den Euro in seiner jetzigen Form erhalten kann, oder ob man den Euro konsolidieren, das heißt, auf seine starken Mitglieder beschränken muss", sagt Neumann.

Für Joachim Starbatty, emeritierter Wirtschaftsprofessor in Tübingen, liegt die Antwort auf der Hand und hat auch schon einen Namen: "Karolingische Währungsunion". Wie schon 1871 sollen sich Deutschland und Frankreich so zusammenschließen. "Dann gibt es einen starken Euro, eine Währungsunion, bestehend aus Ländern, die Leistungsbilanzüberschüsse haben", sagt Starbatty. Er gehört zu der "Viererbande", die 1998 versuchte, mit einer Klage beim Bundesverfassungsgericht den Euro zu verhindern.

Die anderen Länder könnten dann einen Schwach-Währungsblock bilden, rät Starbatty. Dann gebe es zwar einige Unruhen, insgesamt sei das aber machbar. Von einer Transferunion, wie die Politik sie jetzt beabsichtige, hält der Wirtschaftsprofessor gar nichts. "Das wird scheitern", sagt er.

Kommentare (72)

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Xavi

05.01.2011, 11:38 Uhr

Wenn ich die Formulierung "gute alte Mark" schon lese, weiß ich, dass nur noch Unsinn folgt. So auch hier. Die Überschrift verrät sehr viel über den Geisteszustand vieler Deutscher. Je mehr ich von diesem Unsinn lese, umso sicherer werde ich in meiner Einschätzung, dass der Euro ein riesengroßer Erfolg für Deutschland ist. Die "gute alte Mark" werden wir nie wieder sehen und das ist gut und richtig.

Mich ärgert lediglich, dass von den vielen Klugscheißern kein Wort der Entschuldigung zu erwarten ist. Heute schreiben sie dummes Zeug und morgen will es niemand gewesen sein. Dann freut man sich darüber, dass UK und die Schweiz der Eurozone beitreten werden, der Dollar nur noch wenige Eurocents kostet und Japan zahlungsunfähig ist. Dabei ist es doch so leicht, diese Entwicklung schon heute abzusehen.

ich danke den Erfindern des Euro für diese herausragende Jahrhundertleistung!

Martin K.

05.01.2011, 15:58 Uhr

Hallo Xavi
Werden sie für dies dümmlich Euro Propaganda bezahlt ?
So naiv und dumm kann man doch garnicht sein um sowas zu schreiben....

Ondoron

05.01.2011, 16:02 Uhr

Die Politiker haben viel in bezug auf den Euro versprochen. Allerdings sind alle Prognosen der Euroskeptiker wie Prof. Dr. Hankel eingetreten - ausnahmslos alle. Das politsche Projekt Euro wird zum Staatsbankrott führen. Das ist die Jahrhunderleistung, auf die der hochwertige und überragend tief informierte Kommentator Xavi schwadroniert!
Für Europa ist der Euo der Katalysator für den Zusammenbruch des FiAT-Money-Systems.

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