Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.05.2015

13:41 Uhr

Warnung der Bundesbank

„Die Lage in Griechenland ist besorgniserregend“

Seit Monaten verhandeln Griechenland und seine Geldgeber über Reformen und neue Hilfen. Bisher ergebnislos. Damit steigt die Gefahr, dass Athen in die Pleite rutscht. Die Bundesbank schlägt Alarm.

Für die Bundesbank und ihren Chef Jens Weidmann bilden die angedachten griechischen Reformen noch keine Basis für tragfähige Staatsfinanzen. dpa

Für die Bundesbank und ihren Chef Jens Weidmann bilden die angedachten griechischen Reformen noch keine Basis für tragfähige Staatsfinanzen.

FrankfurtGriechenland ist aus Sicht der Deutschen Bundesbank massiv von einer Staatspleite bedroht. „Die Lage in Griechenland ist weiter besorgniserregend“, betonte die Notenbank in ihrem am Montag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht. Aktuell seien Athen und griechische Banken nur deshalb zahlungsfähig, weil die Banken mit ELA-Notkrediten („Emergency Liquidity Assistance“) der griechischen Zentralbank versorgt werden. Griechenland müsse deshalb rasch durch wirtschafts- und finanzpolitische Reformen die Basis für tragfähige Staatsfinanzen schaffen und brauche zumindest vorübergehend weitere Hilfszahlungen, warnt die Bundesbank.

Auch EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Pierre Moscovici sagte am Montag, es gebe zwar Fortschritte in den Gesprächen mit Athen, doch das Tempo müsse erhöht werden. „Es ist möglich, eine Einigung zu erreichen. Aber noch sind wir nicht da.“ Vor allem fehlten noch Verabredungen zur Reform des Arbeitsmarktes und des Rentensystems. Griechenland ringt seit Monaten mit dem IWF und der Euro-Zone um die Reformauflagen für die Auszahlung weiterer Finanzhilfen, die eine Staatspleite abwenden soll.

Die Regierung des linken Ministerpräsidenten Alexis Tsipras ringt seit drei Monaten um die Auszahlung weiterer Finanzhilfen. Die europäischen Geldgeber und der Internationale Währungsfonds (IWF) koppeln die Freigabe von 7,2 Milliarden Euro aus dem aktuellen Hilfsprogramm an ein umfassendes Reformpaket.

Griechenland-Krise: Weckruf aus Frankfurt

Griechenland-Krise

Premium Weckruf aus Frankfurt

Im Griechenland-Drama mahnt Bundesbank-Chef Jens Weidmann Europas Politik. Er und viele seiner Notenbank-Kollegen wollen sich nicht länger als Retter instrumentalisieren lassen.

Griechische Banken bekommen auf normalem Weg kein frisches Geld mehr von der Europäischen Zentralbank (EZB) und sind daher auf teurere so genannte Ela-Notkredite angewiesen. Finanzkreisen zufolge wurde der Ela-Rahmen zuletzt auf 80 Milliarden Euro ausgeweitet. Damit stopft die Notenbank die Löcher, die Finanzinstituten durch Mittelabflüsse in Milliardenhöhe entstehen. Denn Bürger und Unternehmen räumen wegen der ungewissen Zukunft ihre Konten leer.

Wann Griechenland die nächsten Milliarden überweisen muss

Die griechische Regierung...

... steht mit dem Rücken zur Wand. In den kommenden drei Monaten müssen erhebliche Summen an die internationalen Geldgeber überwiesen werden. Es ist unklar, ob Athen den Verpflichtungen nachkommen und eine Staatspleite noch abwenden kann. Das sind die wichtigsten Termine…

Im Mai...

… hatte die Regierung in Athen zur Rückzahlung von 750 Millionen Euro an den internationalen Währungsfonds auch auf 650 Millionen von einem eigenen IWF-Konto zurückgegriffen. Unklar ist, wann sie dieses Geld wieder auf das Konto einzahlen muss. In der Regierung war damals von "einigen Wochen" die Rede.

Dem IWF...

… muss Griechenland besonders im Juni viel überweisen. In dem Monat werden insgesamt gut 1,5 Milliarden Euro fällig.

Auf vier Tranchen...

…verteilt sich laut IWF die Summe auf vier Tranchen.

5. Juni

298 Millionen Euro

12. Juni

335,2 Millionen Euro

16. Juni

558,8 Millionen Euro

19. Juni

335,2 Millionen Euro

Im Juli...

… am 13., ist eine weitere Zahlung an den IWF in Höhe von 447 Millionen Euro fällig.

Härtemonat Juli

In dem Monat werden außerdem Zinsen und Tilgung für Staatsanleihen fällig, die im Bestand der Europäischen Zentralbank (EZB) sind. Die Summe beläuft sich auf rund 3,5 Milliarden Euro. Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis hat gefordert, die Rückzahlungstermine dieser Papiere zu verschieben. Die genauen Daten sind bisher nicht bekannt.

Auch im August...

… steht Griechenland vor enormen Herausforderungen, weil weitere 3,2 Milliarden Euro für die EZB fällig werden.

Zinsen

Dem IWF stehen zudem Zinsen in Höhe von rund 165 Millionen Euro zu. Dafür ist jedoch kein Datum festgelegt.

Mit den Notkrediten kaufen die griechischen Banken immer wieder neue kurzfristige Staatstitel (T-Bills) nach, wenn die Vorgängerpapiere fällig werden. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht diese Praxis kritisch: „Dass Banken ohne Marktzugang Kredite gewährt werden, die damit Anleihen des eigenen Staates finanzieren, der selbst ohne Marktzugang ist, finde ich mit Blick auf das Verbot der monetären Staatsfinanzierung nicht in Ordnung.“ Aus Sicht der Bundesbank muss die Entscheidung über die Bereitstellung weiterer Finanzmittel aber von nationalen Regierungen und Parlamenten getroffen werden - und nicht von den Notenbanken.

Kommentare (23)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Manfred Zimmer

18.05.2015, 13:20 Uhr

"Seit Monaten verhandeln Griechenland und seine Geldgeber über Reformen und neue Hilfen. Bisher ergebnislos."

So kann das aber auch nicht stimmen!

Wären die Verhandlungen ergebnislos geblieben, wären die deutschen Bürger "daraus" nicht ärmer geworden. Tatsache ist aber, dass die Haftung der Deutschen seit dem "Krisenmanagement" unserer Regierung zwar keine Lösung, nicht einmal ansatzweise eine Lösung gebracht hätte, nicht so teuer für uns Bürger geworden.

Sollten die Zahlen stimmen, dann hat Griechenland trotz Schuldenschnitt wiederum einen Schuldenturm aufgeschichtet, der den bisher bekannt weit übersteigt. Weshalb sollten die Bürger den jetzigen Volksvertretern noch vertrauen. Wir Bürger sind näher an den Bürgern Griechenlands als unsere Politiker an einer Lösung.

Herr Ragin Allraun

18.05.2015, 14:07 Uhr

Gääääähhhhn.......

Nichts neues in Absurdistan - nur die Gewissheit, alles bleibt wie es wahr und Deutschland alimentiert jeden und alles was zu doof ist sich selbst zu organisieren und zu managen.

Erbärmlich, - wie gehabt !

Herr Teito Klein

18.05.2015, 14:49 Uhr

Reformen - weiche von mir Satan!
------------------
... tönt es unisono von Tsipras und Varoufakis.

Griechenland ist schon seit 3.000 Jahren pleite. Es überlebte nur durch Raub und Plünderung.
Das kann man in der Ilias und Odsyssee nachlesen.

Wir schreiben das Jahr 2050. Griechenland erhält "alternativlos" das 50. "Rettungspaket" und den 10. Schuldenschnitt.
-----
Alle Griechen werden mit ihrer Geburt "verbeamtet" und gehen in Pension.
Natürlich mit 14 Pensionen pro Jahr.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×