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20.05.2015

21:01 Uhr

Warten auf die Zinswende

USA halten den Leitzins im Sommer niedrig

Wie von den Märkten erwartet plant die US-Notenbank Fed vorerst keine Erhöhung des Leitzinses. Im Juni sei ein solcher Schritt angesichts der wieder schwächelnden US-Wirtschaft „unwahrscheinlich“.

In den USA steht vorerst keine Erhöhung des Leitzinses an. ap

Warten auf die Zinswende

In den USA steht vorerst keine Erhöhung des Leitzinses an.

WashingtonEine Leitzinserhöhung in den USA bereits im Juni ist nicht zu erwarten. „Viele Mitglieder im geldpolitischen Ausschuss hielten es für „unwahrscheinlich“, dass die Wirtschaft stark genug sei, um eine Leitzinsanhebung dann zu rechtfertigen“, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll zur Sitzung der US-Notenbank Fed Ende April.

Lediglich „einige wenige“ Vertreter halten eine so frühe Zinserhöhung im nächsten Monat für gerechtfertigt. Auch an den Finanzmärkten wird frühestens im September mit der ersten Zinsstraffung sei Mitte 2006 gerechnet.

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Josef Schmidt

21.05.2015, 08:43 Uhr

Die Zinsen können nicht erhöht werden sonst ist die USA sofort Pleite. Die Negativzinsen sind die einzige Alternative zusammen mit Bargeldverbot kann die Party ein wenig länger dauern. Was das für Folgen hat kann nicht mal die EZB und FED einschätzen, aber die Rechnung bekommen sie noch bestimmt.

Herr Peter Noack

21.05.2015, 14:54 Uhr

Soll das etwa heißen, wenn die Wirtschaft der USA über den Sommer nicht stärker wächst, dann gibt es auch im Herbst keine Zinssteigerung? Nicht einmal eine symbolische Steigerung um 0,1 Prozent? Die Fed hat vor 12 Monaten eine Zinssteigerung angekündigt, um die "Märkte" langfristig darauf vorzubereiten. Dadurch stieg der Dollar im Kursverhältnis zum Euro um ca. 20 Prozent. Wurden die Märkte falsch informiert? Wie oft kann sich die Fed das erlauben?

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