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12.07.2016

11:08 Uhr

Wegen Brexit-Votum

Institute erwarten leichten Konjunkturdämpfer in der Euro-Zone

0,4 Prozent im laufenden Quartal, 0,3 Prozent im nächsten: Für die kommenden Monate rechnen führende Wirtschaftsforscher in der Euro-Zone mit mauen Wachstumsraten. Mittelfristig herrsche Unsicherheit.

Ende Juni votierten die Briten für einen Austritt aus der EU. Kurzfristig schätzen Forschungsinstitute den Effekt auf das Wirtschaftswachstum als gering an. AFP; Files; Francois Guillot

EU-Austritt der Briten

Ende Juni votierten die Briten für einen Austritt aus der EU. Kurzfristig schätzen Forschungsinstitute den Effekt auf das Wirtschaftswachstum als gering an.

BerlinFührende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen mit einem kleinen Dämpfer für das Wachstum in der Euro-Zone durch das Brexit-Votum der Briten. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im laufenden Quartal um 0,4 Prozent und im Schlussvierteljahr um 0,3 Prozent zulegen, prognostizieren Ifo aus München, Insee aus Paris und Istat aus Rom. „Im letzten Quartal hätten wir ohne das Referendum etwa 0,4 Prozent erwartet“, sagte Ifo-Experte Atanas Hristov am Dienstag. „Das Referendum hat die Unsicherheit deutlich erhöht. Der kurzfristige negative Einfluss dürfte aber begrenzt sein, während der mittelfristige Effekt sehr stark von neuen Vereinbarungen zwischen Großbritannien und der EU abhängt.“

Für 2016 rechnen die drei Institute insgesamt mit einem Wachstum von 1,6 Prozent. Der private Konsum bleibt demnach wichtigster Konjunkturtreiber, vor allem wegen der geringen Inflation und der allmählich sinkenden Arbeitslosigkeit. Die Investitionen der Unternehmen dürften durch die niedrigen Zinsen an Schwung gewinnen.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Von

rtr

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