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02.01.2015

07:56 Uhr

Wegen Fachkräftemangels

BA-Chef plädiert für freiwillige Rente mit 70

Dem deutschen Arbeitsmarkt fehlen zahlreiche Fachkräfte. Angesichts dieser Entwicklung hat sich der Chef der Bundesagentur für Arbeit für eine freiwillige Rente mit 70 ausgesprochen. Das würde dem Arbeitsmarkt helfen.

Teilnehmer einer Jobmesse lesen Inserate. Frank-Jürgen Weise sieht in der freiwilligen Rente mit 70 ein gutes Modell für den Arbeitsmarkt. ap

Teilnehmer einer Jobmesse lesen Inserate. Frank-Jürgen Weise sieht in der freiwilligen Rente mit 70 ein gutes Modell für den Arbeitsmarkt.

BerlinAngesichts des Fachkräftemangels in Deutschland hat sich der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, für Modelle einer freiwilligen Rente mit 70 ausgesprochen. Flexible Ausstiege aus dem Erwerbsleben seien „grundsätzlich ein gutes Modell“, sagte Weise der Zeitung „Die Welt“ vom Freitag. Nach dem Einsatz für die Rente mit 63 müssten nun auch Anreize dafür gesetzt werden, „dass Arbeitnehmer, die fit sind, freiwillig bis 70 arbeiten können“. Das wäre gut für den Arbeitsmarkt.

Die abschlagsfreie Rente mit 63 war im Sommer eingeführt worden. Danach können Beschäftigte, die 45 Beitragsjahre zur gesetzlichen Rentenversicherung vorweisen, mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Bis Ende November gingen bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) rund 186.000 entsprechende Anträge ein.

Fakten zum neuen Armuts- und Reichtumsbericht

Schere geht auseinander

Der Graben zwischen Arm und Reich ist tiefer geworden. Auf die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte entfielen 53 Prozent (Stand: 2008, neuere Zahlen liegen nicht vor) des gesamten Nettovermögens. 1998 lag die Quote bei 45 Prozent. Die untere Hälfte der Haushalte besaß zuletzt lediglich gut ein Prozent des Nettovermögens. 2003 waren es drei Prozent. Von 2007 bis 2012 hat sich das Gesamtvermögen der Haushalte trotz der Finanzkrise um weitere 1,4 Billionen Euro erhöht.

Der Staat ist ärmer geworden

Sein Nettovermögen schrumpfte zwischen Anfang 1992 und Anfang 2012 um über 800 Milliarden Euro, während es sich bei den privaten Haushalten um gut fünf Billionen Euro mehr als verdoppelte. Zu dieser Entwicklung trug die Privatisierungspolitik aller Regierungen in diesem Zeitraum bei. Die Erlöse aus dem Verkauf öffentlichen Tafelsilbers versickerten in den Haushalten.

Hauptgrund für Armut ist Arbeitslosigkeit

Die „Armutsgefährdungsschwelle“ liegt nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes bei 952 Euro im Monat. Je nach Datengrundlage gilt dies für 14 bis 16 Prozent der Bevölkerung. Hauptgrund für Armut ist Arbeitslosigkeit. Auch für Alleinerziehende ist das Risiko hoch.

Niedriglohngrenze liegt bei 9,15 Euro

Der Anteil der Beschäftigten im Niedriglohnsektor stieg und lag zuletzt zwischen 21 und 24 Prozent. Im Jahr 2010 waren 7,9 Millionen Arbeitnehmer betroffen. Die Niedriglohngrenze liegt bei 9,15 Euro pro Stunde.

Grundsicherung im Alter

Nur 2,6 Prozent der über 65-Jährigen sind derzeit auf Grundsicherung im Alter angewiesen.

Niedrigste Jugendarbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit sank im Berichtszeitraum auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen reduzierte sich zwischen 2007 und 2012 von 1,73 Millionen auf 1,03 Millionen oder um mehr als 40 Prozent. In der EU weist Deutschland aktuell die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit aus - begünstigt von der Hartz-IV-Gesetzgebung: Seit 2005 müssen Langzeitarbeitslose auch schlecht bezahlte Jobs annehmen. Die Ausweitung von Niedriglohnsektor und atypischer Beschäftigung (Zeitarbeit, Teilzeitarbeit, Minijobs) ging laut Bericht nicht zulasten von Normalarbeitsverhältnissen.

Anteil der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger schrumpft

Der Anteil der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger an der erwerbsfähigen Gesamtbevölkerung schrumpfte von 9,7 auf 8,2 Prozent. Gab es im Jahresdurchschnitt 2007 noch rund 5,3 Millionen Leistungsbezieher, waren es im Jahr 2012 (Januar bis September) nur rund 4,5 Millionen. Die Zahl der Hartz-IV-Kinder unter 15 Jahren sank von 1,89 auf 1,63 Millionen.

Fortschritte beim Bildungsniveau

Beim Bildungsniveau, das für die Chancen im Arbeitsleben mitentscheidet, gab es ebenfalls Fortschritte: Zwischen 2006 und 2010 sank die Zahl der Schüler ohne Abschluss von 8 auf 6,5 Prozent.

Die Arbeitgeber zeigten sich über diese Entwicklung besorgt. „Die neuen Zahlen lassen darauf schließen, dass die abschlagsfreie Rente mit 63 noch häufiger in Anspruch genommen wird als erwartet“, sagte Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) der „Welt“. Er sprach von „falschen Anreizen zur Frührente“. Die abschlagsfreie Rente mit 63 werfe die Wirtschaft beim nötigen Ausbau der Beschäftigung Älterer „spürbar zurück“, sagte er.

Von

afp

Kommentare (8)

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Herr Woifi Fischer

02.01.2015, 08:14 Uhr

Wegen Fachkräftemangels BA-Chef plädiert für freiwillige Rente mit 70.

Sie dürfen gerne bis sie das Zeitliche segnen arbeiten, wir Menschen sind nicht dazu da, zu Arbeiten bis wir Tod sind, geht dies nicht in ihren Schädel?

Haben sie schon ihre Rationalisierung Geschrei schon vergessen?
Deshalb das Unwort Willkommenskultur???
das heißt doch ganzeinfach, sie wollen nur noch billige gutausgebildete Arbeitnehmer haben, oder anders formuliert billige Arbeitssklaven, dies war alles schon da, es ist noch gar nicht so lange her!
Bin gegen Arbeiten bis 70 Jahre, es reicht wenn wir in dieser Tretmühle bis 60 Jahre aushalten können.

Herr Peter Noack

02.01.2015, 08:24 Uhr

Was meint denn Herr Weise, wie viele Arbeitsplätze geschaffen werden müssten, wenn viele oder alle bis 70, 75 oder länger arbeiten wollten.

Wer müsste dann noch fürs Alter sparen? Könnte man die Beiträge zur Rentenversicherung halbieren, wenn alle bis 73 arbeiten? Der Staat könnte 40 Milliarden Euro jährlich an Steuerzuschuss für die Rente sparen? Jeweils 40 Milliarden könnten Unternehmen und sozialversicherungspflichtig Beschäftigte weniger in die Rentenkasse einzahlen. Würde dadurch mehr investiert und konsumiert, oder würde alles gespart und im Ausland angelegt?
Umgekehrt stellt sich die Frage: Falls man mit 66 keine Arbeit mehr findet ist man dann mit 67 in Hartz IV? Wie viel mehr Steuergeld kostet das?

Herr Günther Schemutat

02.01.2015, 08:39 Uhr

Als Nachfolger einer Affenart , die sich erstaunlich in 100 000Tausend Jahren bis zu Raumfahrern entwickelt hat, sind wir auch die einzige Lebensform auf diesen Planeten, die heute in Rente gehen muss weil viele kaputt sind

Warum?weil wir fast alle gegen die Naturregeln verstossen, mit der Energie des Körpers zu haushalten. Nach der Arbeit geht es noch in den Fitness.Raum für 1-2 Stunden oder man macht andere Anstrengende Sachen.

Wie würde Frau Steinzeit reagieren, wenn ihr Mann nach der Jagt
noch ein zwei Runden um den Berg joggen würde?

Daher sollte die Rente tatsächlich nicht so starr gehandelt werden. Arbeiten so lange wie es geht, für alle die in ihrer Arbeit eine Lebensaufgabe sehen und einen Teil der Rente schon steuerfrei ausgezahlt bekommen.

Die nicht können , dürfen in Rente gehen.

Die nicht arbeiten wollen und keine Leistung im Leben erbracht haben, die Rente verweigern und Lebensmittelgutscheine mit kleinen Taschengeld nur bezahlen und 1 Zimmerwohnungen zu Verfügung stellen.

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