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01.12.2011

12:27 Uhr

Wegen Schuldenkrise

Chinas Industrieproduktion schrumpft

Die Industrieproduktion Chinas ist erstmals seit 33 Monaten geschrumpft. Wegen der Schuldenkrise in Europa haben die Exporteure zunehmend Probleme, ihre Waren loszuwerden.

Die chinesische Industrieproduktion ist geschrumpft. AFP

Die chinesische Industrieproduktion ist geschrumpft.

PekingDer weltweite Abschwung macht auch vor China nicht halt: Die Industrie schrumpfte im November nach fast drei Jahren stetigen Wachstums erstmals wieder. Dem Exportweltmeister macht nicht nur die Flaute bei wichtigen Handelspartnern wie den mit einer ausufernden Schuldenkrise kämpfenden Euro-Ländern und den USA zu schaffen, sondern auch die nachlassende Nachfrage aus dem Inland. Experten rechnen deshalb damit, dass die Zentralbank erneut eingreift und ihre Geldpolitik weiter lockert. Die Regierung befürchtet eine schlimmere Weltwirtschaftskrise als 2008, wenn die Staatengemeinschaft nicht entschlossen reagiert.

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel um 1,4 auf 49,0 Punkte, teilte der Logistikverband CFLP am Donnerstag zu seiner Umfrage mit. Damit sank das Barometer zum ersten Mal seit der weltweiten Finanzkrise wieder unter die Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird. Bestätigt wird der Abwärtstrend von dem separat ermittelten HSBC-Einkaufsmanagerindex, der um 3,3 auf 47,7 Punkte einbrach und auf ein 32-Monats-Tief abrutschte. „Das Wirtschaftswachstum wird sich weiter abschwächen“, sagte Zhang Liqun vom Forschungszentrum des Staatsrates. Die Weltbank geht davon aus, dass die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft 2012 um 8,4 Prozent wachsen wird, nach 9,1 Prozent im zu Ende gehende Jahr.

Die Regierung sorgt sich darum, dass die Schuldenkrise in Europa noch stärkere Bremsspuren hinterlassen wird. „Die aktuelle Krise ist in gewisser Weise ernster und herausfordernder als die internationale Finanzkrise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers“, sagte Finanzstaatssekretär Zhu Guangyao. Damals hätten die Regierungen und die Geldpolitik noch schlimmeres verhindern können. „Doch jetzt, um ehrlich zu sein, befinden sich einige Staaten in einer sehr ernsten Haushaltslage und es gibt nur einen begrenzten Spielraum für die Anpassung der Geldpolitik.“

Chinas Zentralbank hat ihn allerdings noch. Erst am Mittwoch lockerte sie überraschend die Mindestreserve-Anforderungen der Banken - zum ersten Mal seit drei Jahren. Die Notenbank senkte die Mindestreserve-Quote für die größten Institute auf 21 Prozent von 21,5 Prozent. Sie ermöglicht den Banken damit eine Ausweitung der Kreditvergabe, weil sie weniger Geld bei der Zentralbank parken müssen. Experten rechnen damit, dass sie weitere Maßnahmen einleiten wird - darunter auch Zinssenkungen.

Möglich macht dies der nachlassende Preisdruck. Die Inflationsrate hatte im Juli mit 6,5 Prozent den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht. Seither ist sie kontinuierlich zurückgegangen. Im Kampf gegen steigende Preise hatte die Zentralbank ihren Leitzins von Oktober bis Juli fünfmal angehoben.

Von

rtr

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