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16.02.2011

16:29 Uhr

Weidmann/Lautenschläger

Bundesbank bekommt ein jüngeres Gesicht

Neues Spitzenduo für die Bundesbank: Der erst 42-jährige Merkel-Berater Weidmann wird Notenbank-Chef in Frankfurt. An seine Seite stellt Schwarz-Gelb die 46-jährige Bankenaufseherin Lautenschläger.

Jens Weidmann: Aus dem Kanzleramt an die Spitze der Bundesbank. Quelle: Reuters

Jens Weidmann: Aus dem Kanzleramt an die Spitze der Bundesbank.

BerlinEs ist ein aus der Not geborenes Personalpaket mit viel Charme: Jens Weidmann als jüngster Präsident in der über 53-jährigen Geschichte der Bundesbank, Sabine Lautenschläger als erste Frau im Vorstand. Kanzlerin Angela Merkel hat zusammen mit FDP-Chef Guido
Westerwelle in wenigen Tagen eine Lösung gefunden, die der altehrwürdigen, aber nicht mehr ganz so wichtigen Bundesbank dauerhaft ein neues Image geben könnte. Zwar wird die Opposition den Blitztransfer Weidmanns aus der politischen Machtzentrale an der Spree in die heiligen Hallen der Währungshüter am Main attackieren. Sie fürchtet um die Unabhängigkeit der Bundesbank.

Allerdings gelten die beiden Neuen als ausgewiesene Finanzprofis. Weidmann war bei der Bundesbank schon einmal Abteilungsleiter für Geldpolitik. Lautenschläger bringt 15 Jahre Erfahrung aus der Bankenkontrolle mit. In Koalitionskreisen heißt es, die 46-Jährige sei absolut keine Quotenfrau. „Sie ist ein unabhängiger Geist. Hart in der Sache, aber angenehm im Umgang“, sagte ein FDP-Politiker. Im Untersuchungsausschuss zur Skandalbank HRE habe die bisherige Vize-Chefin der Bankenaufsicht Bafin eine starke Figur gemacht.
Die neue Doppelspitze wird keine Einarbeitungszeit brauchen - ein wichtiges Argument in der andauernden Euro-Schuldenkrise.

Selbst wenn bis Ende März das Gesamtpaket der EU-Spitzen zur Stabilisierung der Währung steht, könnte es 2011 an den Märkten noch hochhergehen. So könnte die Bankenkrise zurückkehren. Eine Umschuldung Griechenlands ist denkbar, die Brandherde Portugal, Spanien & Co. könnten außer Kontrolle geraten. Und für viele Bürger am bedrohlichsten ist die schleichende Inflationsgefahr, weil global einfach zu viel billiges Geld unterwegs ist. Viele Fachleute trauen dem stillen Profi Weidmann die anstehenden
Aufgaben zu. Zu Beginn wird der Spitzenbeamte wohl den Makel tragen, ein Kandidat von Merkels Gnaden zu sein. Doch viele seiner Vorgänger haben in unterschiedlichen Ämtern gezeigt, wie schnell die Emanzipation vom jeweiligen Kanzler möglich ist.

Die wirklich wichtigen Entscheidungen fallen ohnehin im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Dort muss der Bundesbank-Präsident der größten Volkswirtschaft des Kontinents für die seit D-Mark-Zeiten bewundete deutsche Anti-Inflations-Kultur kämpfen. Weidmann ist qua Amt und Verhaltenskodex künftig dem Euro verpflichtet, nicht mehr der Kanzlerin.

Ironie der Geschichte: Ausgerechnet Axel Weber, der Merkel den Präsidenten-Job und die deutsche Kandidatur für die EZB-Spitze in der vergangenen Woche aus Frust vor die Füße warf, hat Merkel indirekt seinen Zögling Weidmann aufgedrückt. Die CDU-Chefin kam an Weidmann, der einst bei Weber studierte und von diesem geprägt wurde, nicht vorbei, weil auf die Schnelle einfach kein anderer Aspirant seines Kalibers zur Verfügung stand. Interessant wird sein, wie Weidmann mit dem für ihn ungewohnten öffentlichen Druck umgeht. Bisher wirkte er im Hintergrund, lotste die Kanzlerin durch die Finanzkrise, schnürte die Rettungspakete für Banken und Unternehmen. Ein Bundesbank-Boss aber wird immer von Journalisten umringt, jedes Wort kann den Euro-Kurs und die Märkte
weltweit beeinflussen.

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