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23.12.2014

10:26 Uhr

Weiter hoher Schuldenstand

Frankreichs Wirtschaft kommt nicht auf die Beine

Die Daten bessern sich zwar, doch von einem Aufschwung kann in Frankreich nicht die Rede sein. Deshalb kommt der Staat nicht dazu, sein Ziel des Schuldenabbaus zu forcieren. Zumindest die Feiertage bringen frischen Wind.

Sie haben wenig zu lachen, zumindest wenn es um die Ökonomie ihres Landes geht: Frankreichs Präsident Francois Hollande mit Premierminister Manuel Valls. Reuters

Sie haben wenig zu lachen, zumindest wenn es um die Ökonomie ihres Landes geht: Frankreichs Präsident Francois Hollande mit Premierminister Manuel Valls.

ParisHohe Schulden wenig Wachstum: Frankreich findet nicht aus der Krise. Die Verbindlichkeiten des Staates wuchsen bis 30. September um 7,8 Milliarden auf 2,0315 Billionen Euro, wie das Statistikamt am Dienstag in Paris mitteilte. Das entspricht 95,2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die EU-Regeln sehen hier eigentlich eine Höchstgrenze von 60 Prozent vor, die aber von den wenigsten Staaten eingehalten wird. Auch Deutschland liegt mit rund 78 Prozent deutlich über diesen Wert, doch zeigt die Tendenz deutlich nach unten. In Frankreich dürfte der Schuldenstand nach Prognose der EU-Kommission dagegen bis 2016 auf 99,8 Prozent wachsen.

Ein Grund dafür ist die maue Konjunktur. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im dritten Quartal um 0,3 Prozent, nachdem es im Frühjahr noch geschrumpft war. Nach Prognose der Notenbank hat die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone aber am Jahresende wieder an Schwung verloren: Im zu Ende gehenden vierten Quartal dürfte es nur zu einem Plus von 0,1 Prozent reichen. Die EU-Kommission erwartet im Gesamtjahr 2014 nur ein Wachstum von 0,3 Prozent, das 2015 nur leicht auf 0,7 Prozent steigen soll.

Die deutsche und französische Wirtschaft im Vergleich

Wachstum

Frankreich: Die Industriestaaten-Organisation OECD hat die Wachstumsprognose erst vorige Woche mehr als halbiert. 2014 wird das Bruttoinlandsprodukt demnach nur um 0,4 Prozent zulegen, nachdem im Frühjahr noch 0,9 Prozent vorausgesagt worden waren. Für kommendes Jahr wurde die Prognose von 1,5 auf 1,0 Prozent zurückgenommen.

Deutschland: Auch bei Europas Nummer eins hat die OECD den Daumen gesenkt. Für das laufende Jahr wurde die Prognose von 1,9 auf 1,5 Prozent zurückgenommen, für 2015 von 2,1 auf ebenfalls 1,5 Prozent.

Arbeitslosigkeit

Frankreich: Wegen der Konjunkturflaute leidet der Nachbar unter einer Rekordarbeitslosigkeit. Die EU-Kommission sagt für dieses Jahr einen Anstieg auf 10,4 Prozent voraus, 2015 soll es leicht nach unten gehen auf 10,2 Prozent. Das entspricht etwa dem Durchschnitt aller 28 EU-Staaten.

Deutschland: Hier ist die Arbeitslosenquote nur halb so hoch. Nach der Prognose der EU-Kommission wird sie in diesem Jahr auf 5,1 Prozent fallen und 2015 auf diesem Niveau verharren. Mit Österreich weist die Bundesrepublik damit die niedrigste Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone auf.

Staatsschulden

Frankreich: Erst 2017 will die Regierung die jährliche Neuverschuldung unter die in den EU-Verträgen erlaubte Höchstgrenze von drei Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftskraft drücken. Eigentlich sollte das schon 2015 der Fall sein, doch sieht sich die Regierung in Paris wegen der schwachen Konjunktur dazu nicht in der Lage. Der Schuldenberg wird nach Prognose der EU-Kommission bis 2015 auf 96,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt wachsen. Die EU erlaubt eigentlich nur 60 Prozent.

Deutschland: Der Staat könnte 2014 bereits das dritte Jahr in Folge einen leichten Überschuss aufweisen. Zum Halbjahr wurden 16 Milliarden Euro mehr eingenommen als ausgegeben. Alle übrigen Euro-Staaten dürften hingegen rote Zahlen schreiben. Allerdings ist der Schuldenstand mit rund 76 Prozent immer noch höher als erlaubt.

Wettbewerbsfähigkeit

Frankreich: Ein Grund für die Misere ist die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit. Eine Arbeitsstunde kostet private Arbeitgeber durchschnittlich 35,00 Euro. In der besonders stark dem internationalen Wettbewerb ausgesetzten Industrie sind es sogar 36,70 Euro - in der EU sind die Kosten nur in Schweden, Belgien und Dänemark höher. Das ist auch einer der Gründe dafür, warum Frankreich im weltweiten Standortranking des World Economic Forum (WEF) nur Platz 23 belegt.

Deutschland: Die Arbeitskosten liegen niedriger als in Frankreich. In der Privatwirtschaft sind es 31,70 Euro, in der Industrie 36,20 Euro. Im Standortvergleich des WEF belegt Deutschland den fünften Rang, wobei besonders die gut ausgebildeten Fachkräfte und innovative Unternehmen gelobt werden.

Industrie

Frankreich: Zwar kann das Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder dem Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise in der Euro-Zone durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Sie trägt nur noch 10,25 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, der EU-Schnitt liegt bei 15,3 Prozent.

Deutschland: Hierzulande haben viele "hidden champions" ihre Heimat - also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. "Nur Deutschland hat es geschafft, zwischen 2007 und 2012 Jobs in der Industrie aufzubauen", stellte die EU-Kommission in ihrem europaweiten Vergleich fest. Der Industrie-Anteil an der Wirtschaftsleistung liegt mit 22 Prozent klar über dem EU-Schnitt.

Die französischen Verbraucher zeigten sich zu Beginn des Weihnachtsgeschäftes wieder spendierfreudiger. Ihre Konsumausgaben legten um 0,4 Prozent zu. Ökonomen hatten allerdings ein etwas größeres Plus erwartet. Im Oktober waren die Ausgaben noch um 0,8 Prozent gesunken.

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