Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.01.2005

19:57 Uhr

Weiter niedrige Zinsen in Sicht

Wachstum kann Arbeitslosigkeit nicht abbauen

Die Wirtschaft im Euro-Raum wird nach Worten von EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing in diesem Jahr nicht stark genug für einen Abbau der Arbeitslosigkeit wachsen.

HB FRANKFURT. Das Wachstum könne die Potenzialrate erreichen, sagte Issing am Mittwochabend in der Hochschule für Bankwirtschaft in Frankfurt. Die EZB erwartet damit ein Wachstum um zwei Prozent. „Das ist nicht schlecht, aber es ist bei weitem zu wenig, um die Arbeitslosigkeit spürbar abzubauen.“ Angesprochen auf jüngste Äußerungen von Bundesbankpräsident Axel Weber, der von einer Normalisierung der historisch niedrigen Leitzinsen gesprochen hatte, sagte Issing, die Zentralbank wünsche sich nichts mehr als ein Wachstum, das stark genug dafür wäre.

Der Leitzins liegt in der Euro-Zone seit Juni 2003 mit 2,0 Prozent auf dem niedrigsten Niveau der Nachkriegszeit. Angesichts eines begrenzten Preisauftriebs wird die EZB nach Erwartung von Analysten auch noch länger in diesem Jahr die Zinsen niedrig halten.

Mit Blick auf die Aussichten für die Preisstabilität sagte Issing: „Wir sind nicht besorgt.“ Zuletzt habe die EZB aber einige kurzfristige Entwicklungen beobachtet, die in eine nicht erwünschte Richtung gingen. So hätten die Inflationserwartungen über einen Horizont von fünf Jahren zuletzt bei 2,2 Prozent gelegen. „Das muss sich ändern und wird sich ändern“, sagte Issing.

Zentralbanken sollen für Orientierung sorgen

Zentralbanken müssen nach Auffassung Issings mit einer transparenten Geldpolitik die Erwartungen an den Finanzmärkten zu steuern versuchen. Die Marktteilnehmer bildeten ihre Erwartungen über die künftigen Zinsen nicht zuletzt auf der Annahme eines bestimmten Verhaltens der Notenbank. Bei einer transparenten und glaubwürdigen Geldpolitik könnten die Finanzmärkte künftige Zinsentscheidungen ziemlich genau ableiten. Indem sie die Geldpolitik richtig vorhersähen und auf sie reagierten, trügen sie zu deren Erfolg entscheidend bei. „So wichtig die Interaktion mit den Märkten ist, so muss die Notenbank doch darauf achten, am Ende nicht in das Schlepptau der Markterwartungen zu geraten“, sagte Issing.

Für eine klare Orientierung müssten die Zentralbanken vor allem sorgen, wenn es an Finanzmärkten zu Kursübertreibungen komme. Deshalb sei es auch wichtig, die Entwicklung der Geldmenge zu analysieren, wie es in der Strategie der EZB vorgesehen sei. „Es dürfte kaum eine längere Phase eines starken Anstiegs der Vermögenspreise gegeben haben, die nicht von einer erheblichen Ausweitung der Geldmenge und/oder der Kreditvergabe begleitet war.“ Der EZB sei es bisher gelungen, ein „Leuchtturm“ für die Finanzmärkte zu sein.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×