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28.01.2010

21:04 Uhr

Weitere Annäherung

Euro-Volkswirtschaften wachsen zusammen

VonDorit Marschall

Selten haben sich die Wachstumsraten der Euro-Länder so sehr einander angenähert wie derzeit. Führende Ökonomen betrachten Europa inzwischen als einen Wirtschaftsraum. Für diese Einschätzung gibt es gute Argumente: Die Schwachen werden stärker, die Starken werden schwächer. Doch es gibt auch Risiken.

Führende Ökonomen betrachten Europa inzwischen als einen Wirtschaftsraum. ap

Führende Ökonomen betrachten Europa inzwischen als einen Wirtschaftsraum.

FRANKFURT. „Ermutigend“ nennt der Deutschland-Chefvolkswirt von Unicredit, Andreas Rees, diesen konjunkturellen Konvergenzprozess. Von einer „zunehmenden wirtschaftlichen Homogenität“ spricht der Europa-Experte der Dekabank, Andreas Scheuerle.

Verblüffende Äußerungen – für die es aber gute Argumente gibt. Verblüffend, weil die täglichen Meldungen eher eine Divergenz vermuten lassen und die Zinskosten für die Anleihen der Länder im Euro-Raum massiv auseinander driften. Griechenland steht mit dem Rücken zur Wand, Spanien und Portugal dicht daneben. Dagegen machen Länder wie die Bundesrepublik von sich reden, weil die Industrie dicke Orderzuwächse in ihren Büchern notieren und in ihren Werkshallen abarbeiten kann.

Die Schwachen werden stärker, die Starken werden schwächer

Auch Daten legen zunächst eine Divergenz nah. So legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal im Schnitt in Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Niederlande, Österreich und Finnland um rund 0,5 Prozent im Vergleich zum Frühjahr zu, hat Rees ausgerechnet. Diese Länder machen knapp 80 Prozent des BIP im Währungsgebiet aus. Irland, Griechenland, Spanien und Portugal schrumpften dagegen weiter. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit.

Der andere Teil: Der Abstand der Wachstumsraten lag im dritten Quartal bei knapp 0,7 Prozentpunkten – und fiel damit kleiner aus als in vielen Vorjahren. „Zwischen 2000 und 2005 waren etliche Male höhere Diskrepanzen zu beobachten, wenngleich mit umgekehrten Vorzeichen“, sagt Rees.

Ausschlaggebend für den aktuellen Konvergenzprozess der Konjunktur ist das Erstarken der zuletzt schwachen Länder und das Schwächeln der zuvor starken Länder. Beispiel Spanien: Legte das BIP 2003 noch um 3,1 Prozent zu, schrumpfte es 2009 um wohl 3,7 Prozent und wird, so die Vorhersagen, in diesem Jahr erneut sinken.

Beispiel Deutschland: Trug das größte Land des Euro-Raums vor einigen Jahren noch die rote Laterne und zählte zu den am wenigsten wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsräumen, mausert sich die Bundesrepublik inzwischen zu einem – wenn auch stotternden – Wachstumsmotor, dem viele Nachbarländer seine Konkurrenzfähigkeit neiden.

Eine für alle passgenaue Geldpolitik erfordert Homogenität

Eine möglichst homogene wirtschaftliche Entwicklung im Währungsgebiet halten Volkswirte vor allem deshalb für wichtig, weil die Europäische Zentralbank eine für alle Länder angemessene und möglichst passgenaue Geldpolitik stemmen muss. „Wir müssen Geldpolitik für die gesamte Währungsunion machen, wir können dabei nicht Entwicklungen in einzelnen Teilen einfließen lassen“, sagt Bundesbankchef Axel Weber mit Blick auf die Schuldenkrise Griechenlands.

Kommentare (1)

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Lutz Jansen

29.01.2010, 05:48 Uhr

So war das aber nicht gedacht. Die grundsätzliche idee lag darin, dass die ursprünglich Schwachen stärker würden, ohne dass es die Starken deutlich schwächt. Wenn alles nur auf ein Nullsummenspiel hinaus läuft, dann machen wir irgend etwas falsch.

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