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22.11.2011

06:49 Uhr

Weltbank warnt

Asiens Volkswirtschaften schwächeln

VonFinn Mayer-Kuckuk

Während Europa und die USA immer tiefer in der Krise versinken, haben immerhin noch die fernöstlichen Schwellenländer die Konjunktur gestützt. Doch nun warnt die Weltbank: Auch sie sind nicht immun.

Containerhafen in Singapur: Auch in Asien droht eine Abschwächung der Konjunktur. dpa

Containerhafen in Singapur: Auch in Asien droht eine Abschwächung der Konjunktur.

PekingDie Weltbank erwartet für die Schwellenländer in Ostasien eine Abschwächung der Konjunktur. „Die Wachstumsaussichten sind von globalen Unsicherheiten belastet“, sagt Bert Hofmann, Chefökonom für Asien-Pazifik bei der internationalen Organisation, in einer Telefonkonferenz aus Singapur.

Europäische Banken und Investoren könnten weiteres Kapital aus Fernost abziehen, da sie eigenen Finanzlöcher zu stopfen haben. Auch Bestellungen aus den USA für die Ausfuhrwirtschaft werden vermutlich in nächster Zeit nicht nennenswert zurückkommen. „Das Wachstum ist derzeit immer noch stark, aber wir erwarten eine Abschwächung“, fasst Hofmann zusammen.

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

Zugleich gibt es auch reichlich Hoffnungszeichen. Die Staaten in Fernost haben längst vorgesorgt und sich Finanzpolster in Form großer Währungsreserven angelegt – auch ein noch so großer Kapitalabfluss wird sie voraussichtlich nicht ins Wanken bringen.

Außerdem steigt vor allem in China die Binnennachfrage: Die wachsende Mittelklasse leistet sich immer mehr schöne Sachen wie Autos oder eine schöne Ausstattung der Wohnung. „Chinas Anteil an den weltweiten Importen ist gewachsen“, sagt Weltbank-Ökonom Hofmann. „Es wird zu einer immer wichtigeren Quelle für die globale Nachfrage.“

Chinas leere Werkbank

Video: Chinas leere Werkbank

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Eine große Sorge bleibt jedoch die Lage in Europa – ein wichtiger Handelspartner und Finanzier der asiatischen Staaten. In Asien verlieren die Aktienmärkte an Wert, da immer mehr Anleger ihr Geld abziehen. Schwellenländer-Investments gelten ohnehin als riskant. In unsicheren Zeiten schichten die Anleger lieber in sicherere Alternativen zum.

Für da laufende Jahr erwartet die Weltbank für die Schwellenländer Ostasiens ein Wachstum von 8,2 Prozent, das hauptsächlich von China getragen wird. Im kommenden Jahr wird der Wert der internationalen Finanzeinrichtung zufolge auf 7,8 Prozent abnehmen.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

22.11.2011, 08:19 Uhr

Die "amerikanische" Weltbank warnt - statt 8,2 % nur noch 7,8% Wachstum - dann muessen die Chinesen weniger intervenieren um das Wachstum zu bremsen - China waechst immer noch mit ueber 9% - selbst die Autoindustrie wird auch 2012 um 10-12% wachsen, wie heute frueh in Asiatischen Medien berichtet. Zudem haben die Schwellenlaender mehr als eine "Bazooka" verfugbar um einer Abschwaechung entgegen zu wirken

Account gelöscht!

22.11.2011, 09:48 Uhr

Klar, Jammern auf hohem Niveau. Aber mal abwarten ob die chinesische Bazooka wirklich sinnvoll gegen die eigene Immobilienblase angewendet werden kann.

Um langsam Luft aus einer Blase zu lassen braucht man doch filigranere Instrumente ;)

keeper

22.11.2011, 09:54 Uhr

"Außerdem steigt vor allem in China die Binnennachfrage: Die wachsende Mittelklasse leistet sich immer mehr schöne Sachen wie Autos"

Stimmt doch überhaupt nicht. Der Autoabsatz in China stagniert.
Blick auf den Chart:

http://www.querschuesse.de/solide-pkw-verkaufe-in-china-im-oktober/

die Wachstumsjahre sind demnach vorbei.
... und der Exportrückgang ist dort noch gar nicht angekommen - die großen Sparpakete des Westens noch nicht in Fahrt ...

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