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26.08.2011

09:48 Uhr

Weltkonjunktur

Notenbanker tappen in die Japan-Falle

VonNorbert Häring

Die wichtigsten Notenbanker schlagen sich heute in Jackson Hole mit einer harten Frage herum: Droht den Industrienationen eine ökonomische Eiszeit wie in Japan? Die Parallelen sind beängstigend.

Ein japanischer Geschäftsmann verfolgt eine Börsenanzeige in Tokio. dpa

Ein japanischer Geschäftsmann verfolgt eine Börsenanzeige in Tokio.

Der japanische Aktienindex Nikkei verdreifachte sich von 1985 bis 1989 von 13.000 auf 39.000 Punkte. Selbst wer am japanischen Aktienmarkt erst einstieg, als der Index sich auf 20.000 halbiert hatte, musste lernen, was möglich ist, wenn eine Aktien-, Immobilien- und Kreditblase platzt. Heute steht das japanische Aktienbarometer unter 9000 Punkten.

Die japanische Wirtschaft steckt seit 1990 in einer Wachstumsflaute, unterbrochen von wiederkehrenden Rezessionen und kurzen Wachstumsschüben. Das ist das Szenario, das die wichtigsten Notenbanker der Welt unter Führung von Fed-Chef Ben Bernanke im Kopf haben, wenn sie sich derzeit bei ihrem alljährlichen Treffen im amerikanischen Jackson Hole über grundlegende Strategiefragen austauschen. Droht Amerika, droht den westlichen Industrienationen insgesamt das Japan-Szenario?

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Die Parallelen sind beängstigend. Auch der amerikanische Dow-Jones-Aktienindex verdreifachte sich zehn Jahre später, von 1995 bis 1999. Dahinter stand wie in Japan eine Kreditblase, die sich in den USA ab Anfang der 1980er-Jahre aufblähte. Der mit immer höheren Raten wachsende Kredit putschte die Wirtschaft auf und trieb schließlich die Preise von Aktien nach oben. Es sind die Nachwirkungen dieser jahrzehntelangen Kreditexpansion und die Art, wie die folgende Krise bewältigt wurde, mit der die USA und die meisten westlichen Industrieländer heute zu kämpfen haben.

In den letzten zwei Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts stieg in den USA das Verhältnis von Schulden von Haushalten, Unternehmen, Staat und Finanzinstituten zum Bruttoinlandsprodukt um 100 Prozentpunkte auf etwa 270 Prozent, eine Kreditexpansion wie es sie seit den Jahren vor der Großen Depression nicht mehr gegeben hatte.

Als dann die Aktienblase platzte und die Kurse purzelten, kam die Stunde der Notenbanker. Sie waren sich sicher, aus der japanischen Erfahrung gelernt zu haben.

Wo die japanische Notenbank zögerlich gewesen war, senkte die amerikanische Notenbank schnell und entschlossen den Leitzins. Erklärtes Ziel des damaligen Notenbankchefs Alan Greenspan war es, die geplatzte Aktienblase durch eine Immobilienpreisblase zu ersetzen, so dass die Wirtschaft ihr kreditgetriebenes Wachstum fortsetzen konnte.

Das gelang. Anstatt zu sinken wie in Japan, machte das Verschuldungsniveau in den USA einen weiteren großen Satz nach oben und stieg bis unmittelbar vor Ausbruch der Subprime-Krise auf den Rekordwert des 3,7-Fachen einer Jahreswirtschaftsleistung. Europa machte die gleiche Entwicklung verzögert und abgeschwächt mit.

Kommentare (30)

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Schlaumeier

26.08.2011, 10:42 Uhr

Guter Artikel. Bringt die Sache richtig auf den Punkt. Es gibt kein Entrinnen, egal wie die Notenbanken reagieren.
Die Rechnung ist präsentiert. Es ist Zahltag. Kein Prolongation mehr. Wohlstandsverluste und Geldentwertung sind die Folge, vor denen sich Notenbaken + Politik fürchten.
Man kann nur jedem empfehlen sein Geld zusammen zu halten (in Sachwerte - keine Aktien(die gehen bei jedem Crash in die "Grütze")- zu tauschen)und nicht leichtfertig in den Konsum zu stecken. Die Zeiten werden schlecht werden.

62andi

26.08.2011, 10:51 Uhr

... das ist mal ein guter Beitrag. Herr Häring dafür Respekt. Hoffentlich versteht das auch der "deutsche Michl". .... obwohl, der wird es dann in den nächsten Monaten und Jahren am eigenen Lebensstandard zu spüren bekokmmen. Hoffen wir auf Ihr Szenario - im besten Falle eine Abschwächung der Wirtschaftsleistung.
Aber bereits daß wird für Murksel und Co. ein Desaster einleuten. Preise steigen sprunghaft, Arbeitslosenzahlen rauf usw. usw.

Account gelöscht!

26.08.2011, 10:53 Uhr

Die lachenden Dritten haben Schlitzaugen (Japan ausgenommen)!

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