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16.03.2012

07:09 Uhr

Weltwirtschaft

Der Motor des Wachstums stottert

VonDirk Heilmann, Oliver Bilger, Alexander Busch, Finn Mayer-Kuckuk, Stefan Mauer

China, Indien, Brasilien und Russland waren die Wirtschaftswunder des vergangenen Jahrzehnts. Doch der Zauber der BRIC-Staaten versiegt. Steigende Rohstoffpreise und Löhne dämpfen ihr Wachstum - und damit das der Welt.

Schanghai bei Nacht: Chinas Regierung bremst das Wachstum des Landes. AFP

Schanghai bei Nacht: Chinas Regierung bremst das Wachstum des Landes.

Zehn Jahre ist es her, dass Jim O’Neill, damals Chefvolkswirt von Goldman Sachs, eine Vierergruppe aufstrebender Wirtschaftsmächte unter dem Kürzel „BRIC“ zusammenfasste. Dass dieses Kürzel so populär wurde, lag daran, dass die Milliardenvölker China und Indien und die rohstoffreichen Regionalmächte Russland und Brasilien das lieferten, was die Weltwirtschaft dringend brauchte: Wachstum.

Jene Länder schrieben Wirtschaftswundergeschichte. Angeführt von China, wirbelten die BRICs die Spitzengruppe der Industriestaaten durcheinander. 37 Prozent des weltweiten Wachstums entstanden in den vergangenen fünf Jahren in den BRIC-Ländern, nur noch 30 Prozent in den alten Industriestaaten.

Doch das Wachstumsmärchen nähert sich dem Ende. Die Exportmaschine China schockierte die Märkte – zum ersten Mal seit 20 Jahren – mit Handelsdefiziten, und auch die anderen BRICs zeigen Schwächen. Die chinesische Regierung hat ihr Wachstumsziel für 2012 auf 7,5 Prozent gesenkt, für Indien rechnen Ökonomen mit rund sieben Prozent.

Das sind nach wie vor enorme Zuwächse, aber in ihren besten Zeiten lieferten China 14 und Indien noch 2010 zehn Prozent. Auch Brasilien erreichte 2010 sein Rekordwachstum von 7,5 Prozent. In diesem Jahr werden es nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds nur noch drei Prozent sein. Und in Russland wird sich das Wachstumstempo wohl von gut zehn Prozent im Spitzenjahr 2000 auf nur noch gut drei Prozent verlangsamen.

Verantwortlich für den Dämpfer sind in Indien und China vor allem steigende Rohstoffpreise: Beide Länder importieren gewaltige Rohstoffmengen, jeder Preisanstieg trifft sie empfindlich. Zudem vermindern rasch steigende Lohnkosten die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, etwa in Brasilien. Dort stieg der Monatslohn im vergangenen Jahrzehnt um 154 Prozent.

Kommentare (5)

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16.03.2012, 08:22 Uhr

Hat sich einer von diesen Wachstumsbefürworten irgendwann einmal Gedanken darüber gemacht, wo das hinführen soll?
Schon heute haben wir eine starke Überproduktion. In Westeuropa werden beispielsweise mehr Autos produziert als verkauft werden! Um solche Überproduktionen abzubauen, arbeiten die Anbieter mit Krediten. Da bedeutet aber nichts weiter, als daß die Zahlung in die Zukunft geschoben wird - in der Hoffnung, daß man durch das "Wachstum" seine Schulden bezahlen kann.
Wir müssen lernen, unser Wachstum zurückzuschrauben - ganz bewußt und auch ganz gewollt. Andernfalls werden die Überangebote mit Gewalt, z.B. durch Krieg oder extreme Rezession zwangsweise abgebaut. Nur werden dann einige daran extrem verdienen, wie es auch in den Dreißigern des letzten Jahrhunderts geschehen ist (z.B. J.P. Morgan).

Das Schlimme ist, daß wir diese Wachstumsmantra ständig eingebleut bekommen. Nur wenige hinterfragen diese ständige Steigerung. Aber wer ein wenige Mathematik beherrscht, der weiß, daß wir es hier mit Exponentialfunktionen zu tun haben, die krebsartig wachsen.

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16.03.2012, 09:11 Uhr

Bei dem Wachtum ist es doch nur so wie im Energieerhaltungssatz. Die Summe ist am Ende immer Null, da das Wachtum des Einen zu lasten des Anderen (Negativwachstum) geht. Wo der Eine oder Andere wohnt, welcher Nationalität der Eine oder Andere angehört ist gleich. Jeder will für sich allein nur sogut es geht leben.

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16.03.2012, 11:11 Uhr

Nein, neben dem quantitativen Wachstum gibt es auch ein qualitatives Wachstum. Natürlich bringt es keinen Sinn immer mehr Autos und Wohnungen zu bauen wenn keine entsprechende Nachfrage da ist. Wozu braucht zum Beispiel ein Spanier zwei Wohnungen, wenn er arbeitslos ist? Welchen Sinn bringt das Wachstum in München, wenn dafür woanders ganze Landstriche veröden und von Bayern subventioniert werden müssen? Die Zuwanderung nach München macht den Wohnraum knapp und teuer. Die überdehnte Infrastruktur muss aus Steuermitteln angepasst werden und die Energie aus der Nordsee muss natürlich auch nach Bayern. Das sind die Grundlagen für höhere Löhne in München als in Rostock. Wir können uns das nicht leisten und die BRIC-Staaten erst recht nicht. Sie setzen dann auf Eigenproduktionen und würgen unsere Wirtschaft ab.
Nachhaltige Stadtentwicklung ist nichts weiter als ein sinnentleerter Modebegriff. Wir machen da auf der Grundlage des Autonarrs Le Corbusier etwas vor und es wird weltweit nachgemacht. Dieses Nullsummenspiel wird einen weltweiten Dominoeffekt auslösen. Beider nächsten Immobilienkrise werden wir nicht auf die BRIC-Staatenzählen können.
Man soll sich nur näher die leeren Kassen in NRW ansehen und was dort als Vorzeigemodell gebaut wurde. Da ist nichts nachhaltig. Als Staat wäre NRW mit GR vergleichbar.
Mobilität ist wichtig, darf aber nicht zur Plage werden. Wir brauchen qualitatives Wachstum, das der Nachhaltigkeit Sinn bringt.

http://www.bps-niedenstein.de/

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