Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.07.2011

22:19 Uhr

Weltwirtschaft

Deutschland als Investor immer wichtiger

Während andere unter der Finanzkrise leiden, befindet sich Deutschland als globaler Investor auf dem Vormarsch. Die Deutschen liegen im weltweiten Vergleich weit vorne. Das Geld fließt vor allem in die Schwellenländer.

Weltweit wächst die Bedeutung deutscher Direktinvestitionen. Quelle: Reuters

Weltweit wächst die Bedeutung deutscher Direktinvestitionen.

Berlin/GenfMit 105 Milliarden Dollar Direktinvestitionen im Ausland und damit 27 Milliarden Dollar mehr als im Jahr zuvor rückte Deutschland 2010 unter den weltweit größten Investoren um einen auf Rang Zwei hinter den USA vor, wie der neue Welt-Investitionsbericht der UN-Handelsorganisation Unctad vom Dienstag auswies. Hauptgrund ist, wie Joachim Karl von der Unctad sagte, dass Deutschland erheblich besser als viele andere Industriestaaten durch die jüngste Wirtschafts- und Finanzkrise gekommen ist. 

2010 zogen die Direktinvestitionen im Ausland weltweit um fünf Prozent auf 1,24 Billionen Dollar an - das ist aber noch 37 Prozent unter dem Rekord des Vorkrisenjahres 2007. Erst 2013 sollte dieses Vorkrisenniveau von knapp zwei Billionen Dollar der Unctad zufolge wieder erreicht werden. 

Mit 52 Prozent kamen nach Karls Worten die Entwicklungs- und Schwellenländer - zusammen mit den Transformationsländern Osteuropas - als Zielland für Investitionen aus dem Ausland erstmals auf einen höheren Anteil als die Industrieländer. Treiber seien dabei die aufstrebenden Länder wie China, Indien und Brasilien gewesen. Dagegen fallen die ärmsten Länder, insbesondere aus Afrika, beständig immer weiter zurück. 

Als bemerkenswerten Trend hielt die Unctad die anhaltende Zunahme restriktiver Maßnahmen weltweit fest. Noch im Jahr 2000 seien 98 Prozent der wirtschaftspolitischen Maßnahmen in Richtung Liberalisierung und nur zwei Prozent in Richtung Regulierung gegangen. Zehn Jahre später entfielen fast ein Drittel auf regulierende, beschränkende Maßnahmen. Nach Karls Worten ist dieser Trend zwar durch die Finanzkrise verstärkt worden, läuft aber schon über viele Jahre. 

Deutschlands Position im globalen Investitionsgeschehen hat sich auch gegenüber den größten europäischen Konkurrenten stark verbessert. Lagen Frankreich, vor allem aber Großbritannien, vor zwei Jahren noch weit vor Deutschland, so hat Deutschland die Nachbarländer inzwischen weit überflügelt. Der deutsche Bestand an Auslandsinvestitionen lag 2010 bei 1,4 Billionen Dollar. Als Zielland von Auslandsinvestitionen sieht die Lage allerdings nicht ganz so gut aus. In der Unctad-Rangliste liegt das Land hier wie schon 2009 auf Rang sechs, konnte aber einen Anstieg um acht Milliarden Dollar auf 46 Milliarden Dollar verbuchen. 

Die Investitionsentwicklung unter den Industrieländern fiel trotz einer generellen Erholung im vergangenen Jahr auseinander. So sackte der Zufluss an Auslandsinvestitionen in ganz Europa um 19 Prozent auf 313 Milliarden Dollar ab. Hier wirkte sich laut Unctad unter anderem die Schuldenkrise in einigen Euro-Ländern dämpfend aus. Japan erlebte sogar per Saldo einen Abfluss von Auslandsinvestitionen. Dagegen verzeichneten die USA einen Anstieg um 44 Prozent auf 252 Milliarden Dollar. Bei den eigenen Investitionen im Ausland legten die Europäer dagegen um 37 Milliarden Dollar auf 407 Milliarden Dollar zu. Ähnlich stark legten auch die USA zu. 

Immer bedeutsamer für die Weltwirtschaft werden dem Bericht zufolge die großen transnationalen Unternehmen. Im Jahre 2010 entfiel rund ein Viertel der weltweiten Wirtschaftsleistung auf diese privaten Mega-Unternehmen. Beispiele für solche transnational tätige Unternehmen sind in Deutschland Siemens, Bosch oder auch die Deutsche Telekom sowie die Allianz, die Deutsche Bank und auch die Münchener Rück. Die staatseigenen global tätigen Großkonzerne erreichen immerhin elf Prozent der Welt-Wirtschaftsleistung.

Von

rtr

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Paulus

27.07.2011, 04:16 Uhr

Die " Erfolgsmeldungen" von Deutschlands Stärke, gehen mir auf die Nerven. Das kleine Deutschland ist wohl nie und nimmer in der Lage, die 1. Stelle weltweiter Investitionen zu übernehmen. Ich frage mich, warum seit einiger Zeit auch in den nüchternen Medien, Erfolge im Stile von " Paulus haut uns raus" geliefert werden. Und wer das bezahlt

Aladin

20.08.2011, 12:44 Uhr

...für Pessimismus ist Deutschland weltweit bekannt - wie auch der erste Kommentar zeigt!
Wenn es nach den Deutschen geht, dann gabs ab 1949 nur Abschwünge!
Dabei zeigt sich gerade jetzt eine starke Aufwärtsbewegung und damit einhergehend eine Stärkung der Stellung Deutschlands in der Welt. Hier ist eindeutig die Exportmacht und die genutzte Globalisierung daran "schuld".
Nun geht es darum, diese neue, selbst hart erarbeitete "Macht" auch zu nutzen und nicht sinnlos und umsonst abzugeben! Die Erfolge müssen den Unternehmen und anschließend auch der arbeitenden Bevölkerung zu Gute kommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×