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18.04.2017

15:37 Uhr

Weltwirtschaft

IWF korrigiert Prognose leicht nach oben

Mit der Weltwirtschaft geht es noch etwas stärker bergauf, sagt der Internationale Währungsfonds voraus. Doch die Experten warnen: Die Risiken durch Protektionisten wie Donald Trump werden eher größer.

Container auf dem Gelände des Logistikunternehmens Eurokombi im Hafen von Hamburg. Der Internationale Währungsfonds sieht trotz kurzfristig verbesserter Wachstumsaussichten massive Gefahren für die Weltwirtschaft. dpa

Containerverkehr in Hamburg

Container auf dem Gelände des Logistikunternehmens Eurokombi im Hafen von Hamburg. Der Internationale Währungsfonds sieht trotz kurzfristig verbesserter Wachstumsaussichten massive Gefahren für die Weltwirtschaft.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft leicht angehoben. Demnach soll die globale Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um 3,5 Prozent zulegen. Im zurückliegenden Ausblick im Januar hatte der IWF noch mit 3,4 Prozent gerechnet. Im vergangenen Jahr war die Weltwirtschaft um 3,1 Prozent gewachsen. Der Welthandel zieht laut der am Dienstag in Washington vorgestellten Prognose im laufenden und im kommenden Jahr im Vergleich zu 2016 zwar an, jedoch nicht ganz so schnell wie erhofft.

Trotz der kurzfristig verbesserten Wachstumsaussichten sieht der IWF massive Gefahren für die Weltwirtschaft. Er beobachtet insbesondere zunehmende protektionistische Tendenzen mit dem Risiko von Handelskriegen. „Die Selbstbezogenheit der Politik vielerorts bedroht die weltweite wirtschaftliche Integration und damit die auf Zusammenarbeit fußende wirtschaftliche Ordnung, die der Weltwirtschaft und insbesondere den Schwellen- und den Entwicklungsländern so geholfen hat“, erklärte der IWF in seinem am Dienstag veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick. Darin warnt er Fonds zudem vor einer Verwässerung der Finanzregulierung der vergangenen Jahre. Dadurch würde das Risiko neuer Krisen erhöht.

„Auch wenn die Weltwirtschaft etwas Fahrt aufnehmen sollte, können wir uns nicht sicher sein, dass wir das Gröbste hinter uns haben“, betonte IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld. In den vergangenen Monaten hatten vor allem protektionistische Töne von US-Präsident Donald Trump für Verunsicherung gesorgt. Sein Name wird in dem IWF-Bericht allerdings nicht genannt.

Neben einer protektionistischen Handelspolitik könnte demnach auch ein schneller Zinsanstieg in den USA zu einem Problem werden. Denn dadurch könnten sich die Finanzierungsbedingungen andernorts verschlechtern und der Dollar-Kurs nach oben getrieben werden. Das würde Länder mit hoher Dollar-Abhängigkeit treffen. Ferner fürchtet der IWF eine Deregulierungswelle im Finanzsektor, die zwar kurzfristig die globale Konjunktur anheizen, zugleich aber die Gefahr von Krisen vergrößern könnte.

Für Deutschland sehen die Konjunkturexperten des IWF ebenfalls eine leicht erhöhte Wachstumsperspektive und gehen von einem Plus von 1,6 Prozent im laufenden Jahr aus. 2018 werde die bundesdeutsche Wirtschaftsleistung nur noch um 1,5 Prozent wachsen, hieß es. Damit bewegt sich Deutschland in etwa im Schnitt der Länder der Eurozone.

Für die USA rechnet der IWF auch nach Trumps Amtsantritt weiterhin mit 2,3 Prozent 2017 und 2,5 Prozent 2018. Ihre Prognose für das vor einem EU-Austritt stehende Großbritannien korrigierten die Experten um einen halben Prozentpunkt nach oben auf 2,0 Prozent im laufenden Jahr. 2018 soll das Wachstum mit 1,5 Prozent ebenfalls stärker ausfallen als zuletzt vorausgesagt, allerdings ist dies nur eine geringfügige Anhebung. Hochgeschraubt wurden auch die Prognosen für China (auf 6,6 Prozent für 2017 und 6,2 Prozent für 2018) und für Russland (auf jeweils 1,4 Prozent).

Auf mittlere Sicht überwiegen nach IWF-Darstellung jedoch die Wachstumsrisiken. Obstfeld warnte insbesondere vor einer Welle protektionistischen Handelspolitik und einem Wettlauf um die laxeste Finanzaufsicht. Die Folge wäre „ein Kampf von jedem gegen jeden, bei dem am Ende alle Länder schlechter dastünden“. Als weiteres Problem betrachtet der Fonds die Gefahr eines schnellen Zinsanstiegs in den USA. Denn dadurch könnten sich die Finanzierungsbedingungen andernorts verschlechtern und der Dollar-Kurs nach oben getrieben werden. Das würde Länder mit hoher Dollar-Abhängigkeit treffen, etwa in Form einer steigenden Schuldenlast. Ein zusätzliches Risiko bestehe darin, dass Chinas Wirtschaftswachstum in starkem Maße von heimischen Krediten abhängig sei.

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