Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.03.2011

08:53 Uhr

Weltwirtschaft

Keine Panik vor hohem Ölpreis

VonDirk Heilmann

Gleitet die Welt in eine Rezession ab, wenn der Ölpreis wegen der Arabien-Aufstände über 100 Dollar bleibt? Keineswegs. Solange die Produktionsausfälle zunehmen, droht keine neue Ölkrise. Ein Kommentar von Dirk Heilmann

In jeder Generation gibt es Ereignisse, die sich tief ins kollektive Gedächtnis einbrennen. Eines dieser Ereignisse war die Ölkrise von 1973. Das Ölkartell Opec senkte damals die Produktionsmenge um fünf Prozent, um den Westen für die Unterstützung Israels im Jom-Kippur-Krieg zu bestrafen. Das Fass Öl verteuerte sich von drei auf fünf Dollar. Das wirkt aus heutiger Sicht lächerlich, reichte aber, um die westlichen Industriestaaten in eine Rezession zu stürzen. Seither blickt die Welt gebannt auf den Ölpreis und reagiert panisch, wenn er wie jetzt abrupt steigt.

Ist es also ausgemacht, dass die Welt bald in eine Rezession abgleitet, wenn der Ölpreis aufgrund der Aufstände im Nahen Osten oberhalb von 100 Dollar bleibt? Keineswegs. Zunächst muss man festhalten, dass der Ölpreis schon vor Ausbruch der Unruhen allein wegen der starken Nachfrage bei 90 Dollar lag und dass die Weltwirtschaft damit ganz gut zurechtgekommen ist.

Ein von wachsender Nachfrage ausgelöster Ölpreisanstieg ist verkraftbar, weil die höhere Ölnachfrage mit einer höheren Güternachfrage einhergeht. Die deutschen Exporteure etwa können die höheren Kosten tragen, da sie gleichzeitig mehr Waren in die Schwellenländer und die Ölförderstaaten verkaufen und auch Preisanhebungen durchsetzen können.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

w.schwachtel

01.03.2011, 09:41 Uhr

Wiederaufflammen der Schuldenkrise ?

Die Schuldenkrise ist immernoch da, und wird solange bleiben bis das Geldsystem komplett kaputt ist, weil es nicht anders SEIN kann. Zinseszinswachstum ist unendlich, Wirtschaftswachstum begrenzt.

sleichner

01.03.2011, 11:01 Uhr

Es fällt auf, Herr Heilmann, dass Sie den Einfluss von Banken und Spekulanten auf den Ölpreis nicht in Ihre Rechnung einbezogen haben. In hohem Maße werden von Finanzmarktakteure Produkte und Wetten auf Rohstoffe betrieben. Die Notenbanken haben die Märkte mit Geld geflutet, das nun spekulativen Zwecken und weniger realwirtschaftlichen Investitionen zugeführt wird.

Das und nicht die realwirtschaftliche Nachfrage ist der Hauptgrund für die drastisch steigenden Rohstoffpreise! Und es kann als erwiesen gelten, dass wir 2008 eine Ölpreisblase hatten, die dann platzte. Die Zinserhöhung der EZB war seinerzeit nicht der Grund für den Absturz. Ich finde es abenteuerlich, wenn Sie nun vor einer Leitzinserhöhung warnen, weil sie damit implizit den Erhalt des Finanzmarktcasinos fordern.

Ich setzte Ihrer Interpretation eine andere entgegen: Wir haben nur zwei Möglichkeiten: Entweder es läuft an den Finanzmärkten so lange weiter, bis die neu aufgepumpten Blasen platzen oder wir ziehen dem Finanzmarktcasino vorher den Stecker raus, was selbstverständlich ebenfalls ein in sich Zusammenfallen des Casinos zur Folge hätte.

Dass es zu Problemen kommt, ist so oder so nicht zu vermeiden. Es geht hier um Schadensbegrenzung! Es kann nicht angehen, dass das Finanzmarktcasino zu Lasten bzw. fortlaufend steigender Lasten der Realwirtschaft erhalten wird.

Gruß
Stefan L. Eichner

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×