Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2012

10:52 Uhr

Weltwirtschaft

Türkei stellt sich auf Konjunktur-Absturz ein

VonGerd Höhler

Lange glaubten sich die konjunkturverwöhnten Türken sicher vor den Folgen der Euro-Krise. Doch nun erreicht die Flaute auch den Bosporus. Manche Experten erwarten einen schweren Absturz.

Schon bald wird der Wind in der türkischen Wirtschaft nachlassen. ap

Schon bald wird der Wind in der türkischen Wirtschaft nachlassen.

AthenMit einem Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent lag die Türkei im vergangenen Jahr mit China an der Weltspitze. Aber 2012 wird sich die Konjunktur merklich abkühlen. Während die Regierung einen sanften Abschwung erwartet, fürchten manche Analysten eine harte Landung.

Noch zum Jahreswechsel gab sich Wirtschaftsminister Ali Babacan euphorisch: Vom 17. Platz in der Rangfolge der weltgrößten Wirtschaftsnationen werde sich die Türkei bis 2023 unter die ersten Zehn vorarbeiten. „Wir werden unsere Konkurrenten einen nach dem anderen übertreffen", verkündete Babacan. Für die von Schuldensorgen und Stagnation gebeutelten Europäer hatte Babacan nur Mitleid übrig: Wenn türkische Politiker am Steuer der EU säßen, „wären die Probleme in drei Monaten gelöst“.

Doch die Euro-Krise kann die Türkei nicht kalt lassen. Dazu ist die Wirtschaft des Landes, das seit 1996 zur Zollunion gehört, zu eng mit der EU verzahnt. Dort setzen die türkischen Exporteure fast die Hälfte ihrer Ausfuhren ab. Nicht nur ein Rückgang der Nachfrage in den EU-Staaten trifft die Türkei. Sie ist auch in besonderem Maße auf Kapitalzuflüsse aus dem Euro-Raum angewiesen. Das starke Wachstum der vergangenen Jahre hat die Türkei, die unter einer chronisch niedrigen Sparquote leidet, vor allem mit externen Kapitalzuflüssen finanziert. Dazu zählten Risikokapital, das in türkische Wertpapiere und Immobilien floss ebenso wie ausländische Direktinvestitionen.

Der Boom am Bosporus zog vor allem viele deutsche Unternehmen an. Die Zahl der Firmen mit deutscher Kapitalbeteiligung stieg seit 2010 von 4315 auf über 4600. Die Kapitalzuflüsse dürften allerdings angesichts der Schuldenkrise und des abgeschwächten Wachstums in der EU in diesem Jahr merklich zurückgehen.

Für die Türkei beschwört das umso größere Risiken herauf, da die Konjunktur in den vergangenen Quartalen zunehmende Anzeichen einer Überhitzung zeigte. Ein Alarmsignal ist nicht nur der Anstieg des Leistungsbilanzdefizits, das sich der Marke von zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nähert. Auch die Inflation lag im Dezember mit 10,4 Prozent fast doppelt so hoch, wie von der türkischen Zentralbank mit einer Zielmarke von 5,5 Prozent vorgegeben.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.01.2012, 11:54 Uhr

Es ist zu erwarten. Wovon aber alle Länder am Mittelmeer profitieren würden, wäre Frieden und Stabilität.

Account gelöscht!

13.01.2012, 12:18 Uhr

Die Asia Times hat den Absturz der Türkei schon letztes Jahr vorhergesagt:

http://ausserdem.info/2011/Wirtschaftskrise_in_der_Tuerkei_schlimmer_als_in_EU_oder_USA

Im Prinzip hat Erdogan einen kurzen Boom auf Pump gemacht, mehr nicht.

Hans

13.01.2012, 12:42 Uhr

Woanders stand, die Türkei braucht 2012 über 100 Mrd $ Nettokapitalzuflüsse, um ein geringes BIP Wachstum zu erzielen. Die müssen auch eins der größten Handelsdefizite in % der Welt finanzieren. Wenn jetzt mal zweistellige Mrd Summen aus der Türkei abgezogen werden, wird die Türkische richtig abschmieren. Die Währung wird noch heftiger abschmieren, als der Ungarische Forint. Von den € die man in der Türkei transferiert hat, wird da nicht viel übrig bleiben. Wenns hart kommt, braucht man auch nicht auf die Hilfe von Erdowahn zu hoffen. Das einzigste was der machen wird, seine Türkischen Kumpels, die vor allem in der Kreditlastigen Baugewerbe tätig sind, zu schützen.

Das wird ein Abenteuer für die Investoren!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×