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29.01.2009

19:05 Uhr

Weltwirtschaftsforum

Trichet gegen überhöhte Kapitalforderungen an Banken

VonHermann-Josef Knipper

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean Claude Trichet, hält nichts von den Forderungen der Finanzmärkte, die Eigenkapitalquoten der Banken drastisch zu erhöhen. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mahnte er die Märkte, Übertreibungen zu vermeiden.

Jean Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank: "Wir müssen zu normalem Verhalten zurückkehren." Foto dpa dpa

Jean Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank: "Wir müssen zu normalem Verhalten zurückkehren." Foto dpa

DAVOS. Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann, der das Panel mit Trichet moderierte, hatte den EZB-Chef um seine Einschätzung gebeten. Viele Banken haben in den letzten Monaten ihre Eigenkapitalquote von früher sieben bis acht Prozent auf zehn Prozent oder mehr erhöht, was die Kreditvergabekapazität deutlich einschränkt, gleichzeitig aber auch die Risiken minimiert.

Trichet sagte, aus Sicht der Bankenaufseher seien die Forderungen der Finanzmärkte übertrieben. Es bestehe trotz der anhaltenden Schwierigkeiten auf dem Interbankenmarkt kein Grund, an der Zahlungsfähigkeit der Banken zu zweifeln, weil die EZB die Banken im Euroraum mit vielen neuen Instrumenten ausreichend mit Liquidität versorge. Trichet deutete an, dass er die Märkte nicht für unfehlbar hält, indem er daran erinnerte, dass die Finanzmarktakteure vor zwei Jahren die Risiken in der Finanzindustrie nicht erkannt hätten. Wörtlich: "Ich bin nicht einverstanden mit der Reaktion der Märkte. Wir müssen die Übertreibungen vermeiden und zu normalem Verhalten zurückkehren."

Auf die Ackermann-Frage, ob Trichet in Europa eine Kreditklemme sehe, antwortete der EZB-Chefr ausweisend: Dies sei von Land zu Land unterschiedlich. Die von Ackermann geführte Deutsche Bank hat in den letzten Monaten immer wieder betont, dass sie keine Anzeichen für eine Kreditklemme sehe, was aber von Teilen der Indistrie heftig bestritten wird.

Thema der Diskussion war die Frage, wie die EU der Krise begegnet ist . Die Panellisten, angeführt von EU-Kommissionspräsident José Manuel Dur~ao Baroso, waren voll des Lobes über sich selbst. Barroso erinnerte daran, dass die EU im Herbst letzten Jahres die internationale Koordination zur Bekämpfung der Krise angeführt habe. Die EU-Institutionen hätten sich als stark und handlungsfähig erwiesen. Baroso räumte ein, dass die immer noch auf die nationalen Märkte konzentrierte Bankenaufsicht auf europäischer Ebene besser organisiert werden muss. Barroso: "Über den Weg, wie wir das schaffen, sind wir uns aber noch nicht im Klaren."

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