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12.04.2016

20:30 Uhr

Weltwirtschaftswachstum

IWF warnt vor Risiken eines Brexit

Das Wirtschaftswachstum in aller Welt stagniert. Der Internationale Währungsfonds muss seine Prognose erneut nach unten korrigieren und warnt vor weiteren schweren Fehler in der Politik wie einem EU-Aus Großbritanniens.

Auch für Deutschland senkte der IWF seine noch im Januar erhöhten Erwartungen wieder. dpa

IWF-Chefin Christine Lagarde

Auch für Deutschland senkte der IWF seine noch im Januar erhöhten Erwartungen wieder.

Washington/BerlinEin möglicher Austritt Großbritanniens aus der EU stellt nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) eines der größten Risiken für die Weltwirtschaft dar. „Ein „Brexit“ kann zu erheblichen regionalen und weltweiten Schäden führen, indem er traditionelle Handelsbeziehungen unterbricht“, sagte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld am Dienstag in Washington. „Es ist schwer zu erkennen, wie das positiv werden könnte.“ Weltweit belasteten zudem politische Unsicherheiten das Wachstum, warnte Obstfeld, als er den Weltwirtschafts-Ausblick für die nächsten Jahre vorstellte.

Im Falle eines Austritts-Votums beim Referendum der Briten am 23. Juni würde sich ein zwei Jahre langer Neuverhandlungs-Marathon anschließen. Der seit Beginn der 1970er Jahre andauernde Trend, dass Großbritannien mehr und mehr mit den anderen europäischen Ländern kooperiere, würde gestoppt. Es wäre überraschend, wenn die Reduzierung europäischer Integration zu neuem Wachstum führen würde, sagte Obstfeld.

Das weltweite Wirtschaftswachstum sei zu lange zu schwach gewesen. „Schwächeres Wachstum heißt weniger Raum für Fehler“, sagte der IWF-Chefökonom und richtete einen eindringlichen Appell an Regierungen in aller Welt. „Wir sind nicht im Alarmzustand, aber im Stadium der Wachsamkeit“, betonte er.

Beim IWF steigt angesichts immer größerer Risiken die Sorge um das weltweite Wachstum. Am Dienstag nahm er zum zweiten Mal binnen weniger Monate seine Prognosen zurück. Die globale Wirtschaftsleistung soll in diesem Jahr statt um 3,4 nur noch um 3,2 Prozent zulegen, im nächsten statt um 3,6 um 3,5 Prozent.

Die Gewinner der Weltwirtschaft

Volkswirtschaft 2050

Welche Staaten werden in 35 Jahren noch zu den führenden Wirtschaftsnationen der Welt gehören? Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) veröffentliche in ihrer Studie „The World in 2050“ unter anderem eine Top Ten der Volkswirtschaften. Für die Prognose gehen die PwC-Volkswirtschaftler von einem durchschnittlichen Wachstum der Weltwirtschaft von rund drei Prozent pro Jahr aus. Die Gewinner der Volkswirtschaften:

Quellen: dpa/ots

Nigeria

2014: 1,058 ; 2030: 2,566; 2050: 7,345 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Erstaunlich optimistisch bewerten die Volkswirtschaftler die Aussichten unter anderem Krisenstaaten in Afrika. So werde Nigeria bis 2050 Deutschland überholen und auf Platz neun der stärksten Volkswirtschaften klettern. Nigeria, Vietnam und die Philippinen werden demnach mit durchschnittlich 4,5 bis 5 Prozent Wachstum die dynamischsten Wachstumsregionen der Welt sein.

Mexiko

2014: 2,143 ; 2030: 3,985 ; 2050: 8,014 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Mexikos Wirtschaft ist derzeit im Wandel. 2020 wird das Land auf Platz neun klettern und 2050 Frankreich aus der Spitzengruppe verdrängen.

Indonesien

2014: 2,554 ; 2030: 5,486 ; 2050: 12,210 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Indonesien dürfte bis 2050 von dauerhaft hohen Wachstumsraten und einer jungen Bevölkerung profitieren. 2030 wird die indonesische Wirtschaftsleistung doppelt so groß sein und schafft es 2050 laut der Studie auf Rang vier.

Brasilien

2014: 3,073 ; 2030: 4,996 ; 2050: 9,154 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Brasiliens Wirtschaft wächst in den kommenden Jahren noch mehr. 2030 klettert das Land auf Rang sechs und bleibt auch 2050 in der Top Ten (Platz fünf).

Indien

2014: 7,277 ; 2030: 17,138 ; 2050: 42,205 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Schon heute ist Indien als drittstärkste Volkswirtschaft etwa 50 Prozent leistungsstärker als das viertplatzierte Japan. Mit dauerhaft hohen Wachstumsraten und einer jungen Bevölkerung wird Indien bis 2050 zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen. Die Wirtschaftsleistung soll dann fast zweieinhalbmal so stark sein wie die Indonesiens.

Ob das tatsächlich erreicht werde, sei unsicher. Grund dafür seien Unwägbarkeiten wie die Schwäche Chinas, die Brexit-Debatte oder die Flüchtlingskrise mit den Problemen in Syrien. „Der globale Aufschwung setzt sich fort, aber mit einer immer weiter nachlassenden Tempo und immer fragiler“, sagte IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld.

Auch für Deutschland senkte der IWF seine noch im Januar erhöhten Erwartungen wieder. Er rechnet mit einer Steigerung der Wirtschaftsleistung um 1,5 Prozent in diesem und um 1,6 Prozent im nächsten Jahr – genauso viel wie für die Euro-Zone. Damit wurden die bisherigen Prognosen um jeweils 0,2 und 0,1 Punkte gesenkt.

Schaden könne auch die politische Diskussion im US-Wahlkampf. Bewerber wie Donald Trump stellen globale und regionale Handelsabkommen in Frage. Der Blick richte sich zunehmend nach innen und drohe in Protektionismus zu münden, sagte Obstfeld.

Im Januar hatte der IWF noch ein weltweites Wachstum von 3,4 Prozent für 2016 und von 3,6 Prozent für 2017 vorhergesagt. Grund für die nun abgesenkte Prognose seien neben politischen Unsicherheiten und wachsenden Risiken auf den Finanzmärkten vor allem Probleme in Schwellen- und Entwicklungsländern.

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