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03.04.2015

16:30 Uhr

Wenige Jobs geschaffen

Starker Dollar bremst den US-Arbeitsmarkt

An den Börsen wurden die US-Arbeitsmarktdaten schon vor ihrer Veröffentlichung heiß diskutiert. Nun ist klar: Es wurden nur halb so viele neue Stellen geschaffen wie erwartet – das liegt vor allem am starken Dollar.

Die unerwartet schlechten Arbeitsmarktdaten nähren Spekulationen, wonach sich die US-Notenbank mit ihrer Zinswende Zeit lassen wird. Im Moment liegt der Leitzins bei 0,25 Prozent. AFP

USA Jobs

Die unerwartet schlechten Arbeitsmarktdaten nähren Spekulationen, wonach sich die US-Notenbank mit ihrer Zinswende Zeit lassen wird. Im Moment liegt der Leitzins bei 0,25 Prozent.

WashingtonDie US-Wirtschaft hält sich wegen des starken Dollar mit Neueinstellungen zurück. Sie schuf im März nur noch 126.000 Jobs – halb so viele wie erwartet und so wenige wie seit über einem Jahr nicht mehr. Das teilte das Arbeitsministerium am Freitag mit. Zuvor hatte es zwölf Monate in Folge jeweils mehr als 200.000 neue Arbeitsplätze gegeben, die längste Boomphase seit mehr als zwei Jahrzehnten. Obwohl die Arbeitslosenquote auf dem Sechseinhalb-Jahrestief von 5,5 Prozent verharrte, könnte die Notenbank (Fed) ihre Zinswende angesichts der sich häufenden schwachen Konjunkturdaten verschieben.

„Keine Frage, die Wirtschaft leidet unter den negativen Folgen des starken Dollar“, sagte Analyst Jim Baird vom Finanzhaus Plante Moran Financial Advisors. "Die Unternehmensgewinne stehen unter Druck, die geringeren Neueinstellungen sind eine Reaktion darauf." Experten gehen davon aus, dass die weltgrößte Volkswirtschaft im gerade abgelaufenen ersten Quartal nur noch mit einer Jahresrate von 0,6 Prozent gewachsen ist.

Ende 2014 war das Wachstum noch viermal so hoch ausgefallen. Der strenge Winter und Hafenstreiks dürften die Konjunktur zu Jahresbeginn ebenso gebremst haben wie der starke Dollar, der US-Waren in Übersee verteuert und ausländische Konkurrenzprodukte auf dem Heimatmarkt verbilligt.

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Der Euro stieg nach Bekanntgabe der Arbeitsmarktdaten um einen Cent auf rund 1,10 Dollar. Bislang rechnen die meisten Experten damit, dass die Fed den Leitzins frühestens ab Jahresmitte anheben wird. Er liegt seit Ende 2008 nahe null Prozent. Steigt der Zins, werden Dollar-Anlagen für Investoren attraktiver. In Erwartung der Zinswende hat der Euro binnen eines Jahres um mehr als ein Fünftel an Wert verloren. "Eine Zinserhöhung im Juni bleibt auf der Tagesordnung, doch bedarf es dazu einer raschen Erholung", sagte ING-Ökonom James Knightley.

Private Unternehmen schufen im vergangenen Monat nur noch 129.000 neue Jobs, nachdem es im Februar noch 264.000 waren. Die Industrie, die besonders unter dem starken Dollar leidet, baute 1000 Stellen ab. Im Bergbau fielen sogar 11.000 Arbeitsplätze weg. Grund dafür ist der gesunkene Ölpreis. Viele Unternehmen haben deshalb die Öl- und Gasgewinnung gedrosselt oder aufgegeben, da sie nicht mehr rentabel genug ist.

Für die Beschäftigten hält der Regierungsbericht aber auch eine positive Nachricht bereit. Die Stundenlöhne stiegen um 2,1 Prozent im Vergleich zum März 2014. Höhere Verdienste signalisieren einen stabileren Arbeitsmarkt. Die Fed verfolgt deren Entwicklung daher genau. Der Einzelhändler Wal-Mart und die Restaurantkette McDonald's hatten zuletzt nach einer Protestwelle angekündigt, ihren Mitarbeitern mehr zu bezahlen. Andere Unternehmen könnten nun nachziehen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Ingo Ulrich

07.04.2015, 10:11 Uhr

Wer an dieses US-Märchen geglaubt hat ist selber schuld !
Genauso werden die Ergebnisse im Freihandel.... aussehen, alles gelogen und gesponnen !

ABER für die wenigen Ausbeuter bleibt es profitabel !

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