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01.08.2011

10:35 Uhr

Weniger Industrieaufträge

Deutschlands Aufschwung geht die Puste aus

Der Höhenflug der Industrie scheint vorerst beendet. Der Juli brachte das erste Auftragsminus seit 2009. Auch die deutsche Musterbranche - der Maschinenbau - muss Federn lassen.

Hochofen von Thyssen-Krupp: Die deutsche Industrie zeigte im Juli leichte Schwächen. Quelle: dpa

Hochofen von Thyssen-Krupp: Die deutsche Industrie zeigte im Juli leichte Schwächen.

BerlinDer deutschen Industrie zeigt im Aufschwung deutliche Ermüdungserscheinungen. Erstmals seit rund zwei Jahren verbuchte sie im Juli einen Auftragsrückgang, wie am Montag aus einer Umfrage unter rund 500 Unternehmen hervorging. Der Markit/BME Einkaufsmanager-Index fiel nach endgültigen Berechnungen um 2,6 auf 52 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Oktober 2009. Das Barometer liegt zwar noch über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, aber mehr als zehn Zähler unter seinem Rekordhoch von Februar 2011. „Der fast zweijährige Boom bei den Exportorders endete und drückte den Gesamtauftragseingang ebenfalls in die Verlustzone“, sagte Markit-Experte Tim Moore.

Während die Vorleistungsgüterindustrie ihre Produktion weiter hochfuhr, schrumpfte die Leistung im Investitions- und Konsumgüterbereich leicht. Das nachlassende Neugeschäft sorgte dafür, dass die Auftragsbestände erstmals seit 21 Monaten nicht mehr wuchsen, sondern stagnierten. Dennoch setzte die Industrie die geplanten Neueinstellungen um, der Jobaufbau hält damit seit 16 Monaten an. Wegen der sinkenden Nachfrage fuhren die Unternehmen auch erstmals seit knapp zwei Jahren ihre Einkaufsmengen zurück. „Die positive Nachricht ist, dass sich der Kostenauftrieb verminderte“, sagte Moore. Die Einkaufspreise stiegen so wenig wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. In der Folge stiegen auch die Verkaufspreise weniger, und zwar mit der schwächsten Rate seit acht Monaten.

Das Ende des Booms verdeutlicht der Blick auf eine besonders wichtige Branche: Nach zweistelligen Zuwachsraten in den vergangenen Monaten hat der deutsche Maschinenbau an Schwung verloren. Bei der Schlüsselindustrie gingen im Juni real nur noch 1 Prozent mehr Aufträge ein als vor einem Jahr, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Montag in Frankfurt am Main mit. Die Schuldenkrise im Euroraum belaste das Vertrauen und die Zuversicht der Unternehmen, erklärte VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann.

Das Inlandsgeschäft sank im Vergleich zu dem extrem guten Vorjahreswert um 14 Prozent, die Orders aus dem Ausland stiegen dagegen um zehn Prozent. „Der Rückgang der Inlandsorders liegt vor allem an dem außergewöhnlich hohen Vorjahreswert. Es gibt aber auch erste Zeichen dafür, dass die Investitionsgüterkonjunktur in Deutschland sowie in den Euro-Partnerländern weniger schwungvoll verläuft“, sagte Wortmann. Im ersten Halbjahr gingen bei den mehr als 3000 vor allem mittelständischen Unternehmen insgesamt 23 Prozent mehr Aufträge ein.

Stillstand in der Euro-Zone

Das Wachstum der Industrie in der Eurozone kommt sogar fast zum Stillstand. Dafür wertete Markit die Stimmung in insgesamt 3000 europäischen Firmen aus. „Seit dem fulminanten Jahresauftakt hat die Eurozonen-Industrie kontinuierlich an Schwung verloren, im Juli verzeichnete sie sogar kaum noch Wachstum“, sagte Markit-Ökonom Rob Dobson. Wegen des zweiten Auftragsrückgangs in Folge sei die Produktion fast zum Erliegen gekommen. Der Markit-Einkaufsmanagerindex sank um 1,6 auf 50,4 Zähler und lag damit nur noch minimal über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Die Abkühlung betraf neben Deutschland auch Frankreich, die Niederlande und Österreich. Beschleunigt abwärts ging es in Griechenland, Irland und Spanien. Und auch Italien verzeichnete trotz einer leichten Verbesserung lediglich Stagnation. „Besonders fatal daran ist, dass der Nachfragerückgang nach den Peripherie-Ländern jetzt auch die Schwergewichtsländer Frankreich und Deutschland erfasst und auch hier für eine drastische Wachstumsabkühlung gesorgt hat“, betonte Dobson.

Gute Nachrichten kämen hingegen vom Arbeitsmarkt und von der Preisfront. „So hält sich der Jobaufbau ungeachtet der Abkühlung auf beachtlich hohem Niveau, und der verlangsamte Kostenauftrieb verschafft den Betrieben
eine willkommene Atempause.“ Deshalb hätten die Firmen ihre Verkaufspreise mit der niedrigsten Rate seit vorigem Oktober erhöht. „Zieht die Nachfrage jedoch nicht bald wieder an, dürfte es mit den Neueinstellungen und den Preiserhöhungen wohl vorbei sein“, warnte Dobson.

Kommentare (3)

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01.08.2011, 13:24 Uhr

unsinn! nachlassende dynamik. beruhigung aber auf sehr hohem niveau.
nur euch dauernörglern kann es wohl niemals recht machen.

Account gelöscht!

01.08.2011, 13:25 Uhr

...man...sry!

Account gelöscht!

01.08.2011, 14:40 Uhr

Schön zu lesen.
Dann wird es in Zukunft vielleicht weniger Menschen geben, die ihr Leben in 6 Euro-ZA-Jobs fristen müssen, wegen der Grossmannssucht der Arbeitgeber von ihren Familien quasi getrennt werden, da sie ständig verfügbar sein müssen sowie weniger in miese Jobs zu "vermittelnde" Arbeitslose, denen damit noch die letzte Würde genommen wird.

Hoffentlich kackt die Wirtschaft ganz ab, mal gepfeffert ausgedrückt.
Dann bekommen Unternehmer endlich das Gift zu fressen, was sie jetzt ihren Angestellten zumuten.

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