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14.01.2009

14:19 Uhr

Werpapierankauf

Bernanke fordert neue Bankenhilfen

Die Zinsen sind schon faktisch auf null gesenkt, trotzdem stünden der US-Notenbank noch "starke Werkzeuge" zur Verfügung, meint Fed-Chef Ben Bernanke. Er denkt über den Ankauf krisengeschüttelter Wertpapiere und eine neue "Bad Bank" nach, um dem Finanzsystem einen Neuanfang zu ermöglichen.

US-Notenbankchef Ben Bernanke denkt über den Ankauf krisengeschächter Aktien nach. Foto: Reuters Reuters

US-Notenbankchef Ben Bernanke denkt über den Ankauf krisengeschächter Aktien nach. Foto: Reuters

LONDON. Die US-Notenbank Fed hat ihr Pulver im Kampf gegen die Finanzkrise nach Ansicht ihres Chefs Ben Bernanke noch keineswegs verschossen. Ungeachtet des historisch niedrigen Leitzinsniveaus von faktisch null Prozent stünden noch „starke Werkzeuge“ zur Verfügung, um die taumelnde US-Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, betonte Bernanke bei einem Vortrag an der London School of Economics. Die Fed werde alle Möglichkeiten nutzen, um die Folgen abzumildern, versicherte Bernanke im Anschluss an Beratungen mit dem britischen Premierminister Gordon Brown.

So denke die Fed unter anderem über eine Ausweitung ihrer Programme zum Aufkauf bestimmter Wertpapiere nach, die in der Krise stark unter Druck geraten sind und zu hohen Abschreibungen führten. Die Idee, problematische Papiere und Kredite von Staatsseite aufzukaufen, war bereits 2008 von US-Finanzminister Henry Paulson verfolgt worden, der dann aber direkten Beteiligungen an Banken den Vorzug gegeben hatte.

Bernanke brachte in London erneut die Gründung einer sogenannten „Bad Bank“ ins Spiel, die alle schlechten Wertpapiere aus den Bilanzen der Geschäftsbanken übernehmen könne. Dies könne dem Finanzsystem einen Neuanfang ermöglichen. Über die Gründung einer „Bad Bank“ denken derzeit auch die Regierungen in London und Berlin nach. In den USA gab es bereits während der Bausparkassenkrise in den 80er-Jahren eine „Bad Bank“.

Insgesamt zeichnete Bernanke ein weiter düsteres Bild der US-Konjunktur. Wirtschaft und Märkte stünden trotz aller Bemühungen von Notenbanken und Regierungen unter großem Druck. „Der Schaden, bezogen auf Verluste bei der Wirtschaftsleistung, Verluste an Arbeitsplätzen und verlorengegangenem Wohlstand ist bereits substanziell.“ Aber eine Umkehr des Abwärtstrends sei noch in diesem Jahr möglich. Ende 2009 könnten die von Regierung und Notenbank getroffenen Maßnahmen zur Stützung der Kreditmärkte auch zu einer Stabilisierung der übrigen Wirtschaft führen. Der Arbeitsmarkt, auf dem sich die Lage zuletzt weiter verschlechtert habe, werde dann mit einiger Zeitverzögerung auch wieder anziehen.

Hoffnungen setzt Bernanke zwar auf die milliardenschweren Konjunkturprogramme der Regierungen in aller Welt, insbesondere auf das des künftigen US-Präsidenten Barack Obama. Dieses habe das Potenzial, der Wirtschaft einen „erheblichen Schub“ zu geben. Diese Maßnahmen müssten aber von anderen Aktionen flankiert werden. So seien eventuell weitere Kapitalspritzen für die angeschlagenen Banken nötig.

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