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24.07.2012

18:38 Uhr

Westdeutschland

Kaufkraft seit 20 Jahren unverändert

Arbeitnehmer in Westdeutschland können sich heute im Schnitt nicht mehr leisten als vor 20 Jahren. Aber auch die Kritik, dass durch den Euro alles teurer geworden sei, stimmt so nicht, so ein Institut.

Damals wie heute soll eine Flasche Bier den Gegenwert von drei Arbeitsminuten erfordern. dpa

Damals wie heute soll eine Flasche Bier den Gegenwert von drei Arbeitsminuten erfordern.

KölnDrei Minuten Arbeiten für eine Flasche Bier: Für westdeutsche Arbeitnehmer gilt das heute genauso wie vor 20 Jahren. Nach Angaben des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sind Nettolöhne und Warenpreise seit 1991 im gleichen Verhältnis zueinander gestiegen.

Wie das Institut am Dienstag mitteilte, bekam 2011 ein Arbeitnehmer für die geleistete Arbeitsstunde netto 45 Prozent mehr Lohn als vor 20 Jahren. Die Warenpreise seien im selben Zeitraum um 43 Prozent geklettert. Arbeitnehmer müssen dementsprechend für einen identischen Warenkorb heute genauso lange arbeiten wie zu Beginn der 1990er Jahre.

Anders verhält es sich für ostdeutsche Arbeitnehmer. Bei ihnen sei die Kaufkraft in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 21 Prozent gestiegen, sagte ein Institutssprecher. Seit der Wiedervereinigung hätten sich die Entgelte in Ostdeutschland fast verdoppelt, die Preise für Waren und Dienste seien um knapp 70 Prozent gestiegen - und damit weniger stark. Die Löhne und Gehälter seien im Osten aber immer noch deutlich niedriger als im Westen.

Lebensmittel hat der teils als „Teuro“ verschriene Euro laut der Studie nicht teurer gemacht. Eine Flasche Kölsch erfordere damals wie heute den Gegenwert von drei Arbeitsminuten an der Werkbank oder im Büro. Je nach Konsumverhalten seien Produkte auch günstiger geworden: Für ein Schweinekotelett reichten pro Kilo Fleisch statt 36 Minuten bereits 30 Minuten Arbeit.

Auch Alltagsgüter wie Kleidung seien durch einen vergleichsweise geringeren Preisanstieg schneller verdient als im Jahr 1991. Allein mit dem Benzinpreis konnten die Löhne und Gehälter nicht mithalten, wie das IW einräumt: Für eine Tankfüllung musste 2011 fast zwei Stunden länger gearbeitet werden als zwanzig Jahre zuvor.

Von

dpa

Kommentare (14)

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HansWurst

24.07.2012, 18:55 Uhr

Faszinierender Artikel !!! Ich lach' mich echt tot !! Das Lohnniveau stagniert (angeblich) auf einem Wert von vor 20 Jahren. Und auch der Teuro war gar keiner...;-) Dieses Pro-Euro-Gewäsch haben wir auch schon vor 10 Jahren gehört...
Nun meine Frage: In welchem Umfang sind den die Gewinne der Spotzenverdiener, der Unternehmer und der Großkonzerne in den letzten 20 Jahren gestiegen? Ist das Niveau (relativ zum Preisniveau) auch das Gleiche wie vor 20 Jahren? Ja, liebes HB - wie wäre es den Artikel diesbezüglich zu ergänzen um endlich mal klarzustellen, dass es NUR die Löhne der Beschäftigten sind, die auf der Stelle treten, ja sogar gesunken sind (den Quatsch von wegen der Euro sei kein Teuro glaub ich sowieso nicht - schließlich kenne ich das Preisniveau vor und unmittelbar nach der Euro-Umstellung noch sehr genau, da wurden die Preise nämlich z.T. 1:1 die Löhne aber im Verhältnis 1:2 umgestellt). Aber so etwas macht ihr ja absichtlich nicht - es könnte ja sein, dass dann noch mehr Menschen unbequeme Fragen stellen könnten.....

RDA

24.07.2012, 19:08 Uhr

Und da wundert sich einer über die schwache Binnennachfrage und den Leistungsbilanzüberschuss, der uns etliche Targetmilliarden beschwert hat. Armes neoliberales Deutschland!

greenmelon

24.07.2012, 19:10 Uhr

Natürlich ist das Hähnchen oder mancher Käse, sicher auch die Lebensmittel in Dosen heute genauso teuer. Aber wie ist das mit dem Benzin (30 % teurer), den Energien (ca.30 % teurer)und nicht zuletzt dem Automobil (100 % teurer). Letzteres kostet heute genausoviel in Euro wie vor 20 Jahren in DM !!

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