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23.02.2012

00:00 Uhr

Wie Wirtschaft funktioniert

Bricht ohne Bankenrettung die Welt zusammen?

VonNorbert Häring

Eine Bank-Insolvenz vernichtet eigentlich kein Vermögen, wenn keines mehr vorhanden ist. Warum also Banken retten? Ein Zahlungsausfall würde zig andere Institute und Unternehmen mit sich reißen.

Bankentürme der Frankfurter Skyline. Reuters

Bankentürme der Frankfurter Skyline.

FrankfurtEs ist eine Grundannahme der Verantwortlichen in dieser Finanzkrise, dass die Banken zu retten sind, von der kleinen IKB über die Commerzbank bis hin zu den griechischen Banken. Begründung: sonst kommt es erst zu einem Zusammenbruch des Finanzsystems, der die Wirtschaft schwer schädigt. Leser Peter Kümmel mag das nicht einsehen. Eine Insolvenz vernichte kein Vermögen, wenn keines mehr vorhanden sei. Er fragt, warum nicht einfach die Aktionäre ihr Geld verlieren und die Ansprüche der Gläubiger, einschließlich derer, die ihr Geld bei der Bank deponiert haben, in Aktienkapital umgewandelt werden.

Was die Aktionäre angeht, so hat Herr Kümmel recht, dass deren Schonung mit marktwirtschaftlichen Prinzipien wenig gemein hat. Viele Bankeigentümer mussten zwar teils herbe Verluste hinnehmen, aber es gibt kaum einen Zweifel, dass der Wert der meisten Banken ohne staatliche Unterstützung und Sondermaßnahmen der Zentralbanken bei null läge. Besonders in den USA, wo der politische Einfluss der Banken sehr ausgeprägt ist, kamen die Eigentümer gut davon.

Bei uns mussten nur die Commerzbank-Aktionäre trotz staatlicher Rettung annähernd Totalverlust hinnehmen. Dafür kamen die Aktionäre der politisch bestens vernetzten Allianz umso besser weg. Sie durfte ihre notleidende Dresdner Bank mit indirekter staatlicher Hilfe bei der Commerzbank abladen.

Wo der Vorschlag aber hakt, ist bei der Heranziehung der Einleger. Diese können ihr Geld jederzeit abziehen. Das Problem in unserem Geldsystem ist, dass die Banken ein Vielfaches des Geldes, das sie bar (oder in gleichwertigen Zentralbankguthaben) vorrätig haben, als Kredite ausgeben können. Im Gegenwert dieser Kredite schaffen sie neue Giroguthaben, die Kunden in Bargeld umwandeln dürfen. Normalerweise tun diese das nicht, aber wenn klar ist, dass sie im Krisenfall zu Aktionären kriselnder Banken gemacht werden, würden sie ihr Geld beim ersten Krisenzeichen abziehen. Dann bräche sofort das ganze Schuldengebäude zusammen, weil alle wissen, dass keine Bank das Geld hat, das sie braucht, um alle Guthaben auszuzahlen. Banken müssten die Schalter schließen und einräumen, dass sie ihre Schulden (nichts anderes sind Kundeneinlagen) nicht begleichen können. Sie beglichen auch ihre Schulden bei anderen Finanzinstituten und Unternehmen nicht mehr. Der Forderungsausfall triebe auch diese in den Bankrott, was zu weiteren Forderungsausfällen andernorts und weiteren Insolvenzen führen würde. Das kann der Staat nicht zulassen. Die Banken wissen das. Wer die Vollkaskomentalität der Banken abstellen will, muss dafür sorgen, dass sie in guten Zeiten kein so großes Schuldengebäude errichten können.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

26.02.2012, 16:39 Uhr

Die Phrase “die Banken retten” bedeutet stets: die (noch) bestehende, seit jeher fehlerhafte Geldordnung retten – um das Elend des Kapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz) zu verlängern, damit so genannte “Spitzenpolitiker” weiterhin ihre tatsächlich sinnfreie Existenz rechtfertigen können.

Für die Geschäftsbanken macht es keinen Unterschied, ob sie, wie in Deutschland im Jahr 2007, von verschuldeten Unternehmern 420 Milliarden Euro an Kreditzinsen eintreiben (die diese auf die Produktpreise umlegen), weil sie davon den Sparern (vor allem den Großsparern) 330 Milliarden Euro Guthabenzinsen bieten müssen (kapitalistisch pervertierte Marktwirtschaft), oder ob sie die gleiche Bankmarge von 90 Milliarden Euro dadurch erzielen, indem die Sparer ihre Geldersparnisse im eigenen Interesse auch bei einem Kapitalmarktzins um Null mittel- bis langfristig verleihen, damit sie in neue Sachkapitalien (und damit in Arbeitsplätze) investiert werden können (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus = echte Soziale Marktwirtschaft):

http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/07/was-passiert-wenn-nichts-passiert.html

F.D.

15.04.2013, 11:04 Uhr

Eine Bankenrettung ist möglich ohne Kosten für den Staat, ohne Verluste für den Sparer und ohne Inflation. Was das geht steht hier.

Prof. Richard Werner - Interview
http://www.youtube.com/watch?v=Gvbo7xJ-lvU

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