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26.01.2005

07:44 Uhr

Wirtschaft im Reich der Mitte ist 2004 stärker gewachsen als erwartet

China-Boom beflügelt die Weltwirtschaft

VonAndreas Hoffbauer und Olaf Storbeck (Handelsblatt)

Chinas Konjunkturboom ist nicht zu bändigen. Die mit 1,36 Billionen Euro Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Japan zweitgrößte Volkswirtschaft Asiens ist 2004 erneut stärker gewachsen als erwartet – im Jahresvergleich um satte 9,5 Prozent, teilte die Statistikbehörde in Peking mit.

PEKING/DÜSSELDORF. So kräftig hatte das reale BIP im Reich der Mitte zuletzt vor acht Jahren zugelegt. Für 2005 ist keine deutliche Abkühlung in Sicht: Die chinesische Notenbank rechnet mit einem Wachstum von 8,5 Prozent – im Herbst hatte der Internationale Währungsfonds für 2005 noch eine Wachstumsabschwächung auf 7,5 Prozent prognostiziert. „Das chinesische Wirtschaftswachstum ist äußerst beeindruckend“, staunt Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft bei der Deka-Bank.

Damit dürfte sich China auch 2005 als einer der zentralen Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft erweisen. Die Bedeutung des Landes für die globale Konjunktur ist in den letzten Jahren massiv gewachsen. „2004 war Chinas Beitrag zum weltweiten Wachstum genauso hoch wie der der Vereinigten Staaten“, sagt Stefan Schneider, Chief International Economist bei der Deutschen Bank. „China wird auch 2005 der Garant dafür sein, dass ganz Asien kräftig expandiert – davon wird auch die deutsche Exportwirtschaft profitieren“, unterstreicht Deka-Volkswirt Bahr. „Für die Weltwirtschaft ist China ein stabilisierender Faktor.“

Allerdings hat der China-Boom auch seine negativen Seiten – diese zeigen sich vor allem auf den Rohstoffmärkten. China hat als einer der größten Abnehmer von Kupfer, Öl und Gas die Rohstoffpreise in den vergangenen Jahren stark nach oben getrieben. „Das Land wird auch 2005 Staubsauger für Rohstoffe aller Art bleiben“, prognostiziert Bahr. Daher sollte man sich auf weiter hohe Rohölpreise einrichten. Ein Barrel Brentöl werde im Jahresmittel 47 Dollar kosten.

Das rasante Wachstum hatte im vergangenen Jahr zudem Sorgen vor einer Überhitzung der chinesischen Volkswirtschaft genährt. Als Reaktion darauf versuchte die Regierung, den Investitionsboom zu bremsen – vor allem mit administrativen Maßnahmen. So wurde die Erschließung neuer Gewerbegebiete und die Erteilung von Baugenehmigungen restriktiver gehandhabt. Zudem straffte die Notenbank die Geldpolitik. Die Regierung in Peking hatte im vergangenen Oktober den Leitzins erstmals nach neun Jahren leicht auf 5,58 Prozent erhöht.

Nach Angaben der Statistikbehörde ist es damit gelungen, den Investitionsboom abzukühlen – Wachstumsmotoren waren zuletzt vor allem die Exporte und der private Verbrauch. „Das starke Wachstum war den richtigen Faktoren zu verdanken“, kommentierte Agnes Deng, Fondsmanagerin in Hongkong. Li Deshui, Chef der Statistikbehörde Peking, betonte: Die „instabilen und ungesunden Faktoren“ der chinesischen Wirtschaft seien unter Kontrolle. Im laufenden Jahr würden die Bremsmanöver bei den Investitionen noch stärkere Wirkung zeigen. Um ein Überschäumen der Konjunktur zu verhindern, solle die begonnene Verschärfung der Kredit- und Landvergabe für neue Projekte verschärft werden.

Investmentbanken wie JP Morgan oder Lehman Brothers erwarten außerdem weitere Leitzinserhöhungen. Notenbankgouverneur Zhou Xiaochuan hatte bereits Anfang Januar angekündigt, man werde „die Funktion von Zinserhöhungen zur Regulierung der Wirtschaft“ voll ausnutzen. Chris Leun, Ökonom bei der DBS Bank in Hongkong, hält eine weitere Anhebung sogar noch vor dem chinesischen Frühjahrsfest am 9. Februar für denkbar.

Stur stellt sich der Wirtschaftsriese China dagegen weiter zur Forderung, seine Währungspolitik zu ändern. Die Bedingungen „den Renmimbi anzupassen, sind momentan nicht gegeben“, so Statistikchef Deshui. Solche Pläne benötigten vor allem Zeit, ließ er in Richtung der G7-Staaten wissen, die schon lange von China fordern, die Bindung der Währung an den Dollar zu lockern.

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