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17.11.2014

09:16 Uhr

Wirtschaft schrumpft

Japan rutscht in Rezession

Die Wirtschaftspolitik von Japans Regierungschef Shinzo Abe verläuft nicht wie gewünscht. Im nunmehr zweiten Quartal in Folge ist die Wirtschaft des Landes geschrumpft. Damit werden Neuwahlen wahrscheinlicher.

Es wird erwartet, dass Shinzo Abe eine für das kommende Jahr geplante weitere Anhebung der Verbrauchssteuer verschieben wird. AFP

Es wird erwartet, dass Shinzo Abe eine für das kommende Jahr geplante weitere Anhebung der Verbrauchssteuer verschieben wird.

TokioJapan ist überraschend in die Rezession gerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt sank von Juli bis September um 0,4 Prozent zum Vorquartal, teilte die Regierung am Montag in Tokio mit. Ökonomen hatten dagegen ein Wachstum von 0,5 Prozent vorausgesagt.

Im Frühjahr war die nach den USA und China drittgrößte Volkswirtschaft der Welt um 1,9 Prozent geschrumpft, da sich die Verbraucher nach der Mehrwertsteuer-Erhöhung von fünf auf acht Prozent mit Käufen zurückhielten. Schrumpft eine Wirtschaft wie nun im Falle Japans in zwei Quartalen in Folge, sprechen Volkswirte von einer Rezession.

Damit gilt es nun als wahrscheinlich, dass Regierungschef Shinzo Abe eine ursprünglich für das kommende Jahr geplante weitere Anhebung der Verbrauchssteuer auf zehn Prozent verschieben wird. Abe dürfte auch Neuwahlen ausrufen, um mehr Rückhalt für seine Politik zu bekommen. Eine Entscheidung soll noch in dieser Woche fallen. Abe kommt erst am Montag von einer Auslandsreise zurück.

Die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

Platz 10

Norwegen (Vorjahr: 6.)

Platz 9

Dänemark (Vorjahr: 12.)

Platz 8

Vereinigte Arabische Emirate (Vorjahr: 8.)

Platz 7

Kanada (Vorjahr: 7.)

Platz 6

Deutschland (Vorjahr: 9.)

Platz 5

Schweden (Vorjahr: 4.)

Platz 4

Hong Kong (Vorjahr: 3.)

Platz 3

Singapur (Vorjahr: 5.)

Platz 2

Schweiz (Vorjahr: 2.)

Platz 1

USA (Vorjahr: 1.)

Quelle

IMD World Competitiveness Ranking 2014

Wirtschaftsminister Akira Amari kündigte an, die Konjunktur mit neuen Maßnahmen zu stützen. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei „sehr hoch“. Eine Möglichkeit sei, Geringverdienern zu helfen. Der japanische Yen fiel wegen der enttäuschenden Daten auf ein Sieben-Jahres-Tief zum Dollar. Die schlechten Nachrichten drückten auch die asiatischen Börsen ins Minus. Vor allem die Anleger in Tokio reagierten enttäuscht: Der Nikkei-Index verbuchte den stärksten Rückgang an einem Handelstag seit August.

„Das ist absolut nicht die Situation, in der wir über eine Anhebung der Mehrwertsteuer debattieren sollten“, sagte Experte Etsuro Honda von der Universität von Shizuoka. Auch in Abes Partei LDP wird laut über eine Verschiebung nachgedacht. „Ich denke, der Ministerpräsident wird die für kommenden Oktober geplante Erhöhung abblasen“, sagte ein LDP-Abgeordneter.

Abe hatte die Regierung im Dezember 2012 übernommen mit dem Versprechen, durch die nach ihm benannte Politik (Abenomics) die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen – und zwar mit einem Mix aus einer extrem lockeren Geldpolitik, Reformen und Mehrausgaben. Damit sollte die seit Jahren anhaltende Deflation – ein für die Wirtschaft schädlicher Preisverfall auf breiter Front – beendet werden.

Die privaten Konsumausgaben – die für etwa 60 Prozent der Wirtschaft stehen – legten im dritten Quartal mit 0,4 Prozent nur halb so stark zu wie erwartet. Ein Grund dafür ist, dass die Preise schneller steigen als die Löhne und damit die Kaufkraft der Japaner verringern. Einige Experten sagen aber für das laufende vierte Quartal eine Verbesserung voraus.

Kommentare (13)

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Herr Ludwig von Mises

17.11.2014, 09:44 Uhr

Aber, aber, aber ... Krugman, Stiglitz und die ganzen Keynesianer haben doch gesagt, daß Abenomics funktioniert.
Vermutlich wurde nur noch nicht genug Geld gedruckt und Schulden gemacht.

Herr Manfred Carter

17.11.2014, 10:04 Uhr

Japan zeigt, was auf uns zukommt in den nächsten Jahren. Bestenfalls Stagnation mit immer höherer geradezu aberwitziger Verschuldung. Auch die Zahlen-Spielereien machen Angst: Japan hat also minus 0,4 statt von Experten erwarteter 2,0 % Zuwachs. Wie können sich angebliche Fachleute so verschätzen ? Wir haben offiziell 0,1, in Wahrheit .......

Herr Thomas Behrends

17.11.2014, 10:29 Uhr

Tja, wenn man sich der Abwertung und dem "Printing money" verschrieben hat, muss man sich nicht wundern, wenn die Wirtschaft in die Rezession schlittert ...

Es gibt keine Rettung mehr für Japan; der Abwärtstrend wird anhalten!

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