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21.08.2011

16:45 Uhr

Wirtschaftsaufschwung

Experten reden gegen Rezession an

Alle deutschen Konjunkturforscher und Unternehmer sind sich einig: Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland wird weitergehen. Nichts deute auf eine Rezession hin, ist sich auch die Kanzlerin sicher.

Frauen beim Einkaufsbummel in Hamburg dpa

Frauen beim Einkaufsbummel in Hamburg

BerlinDas an den Märkten befürchtete Ende des Wirtschaftsaufschwungs ist nach Ansicht von Unternehmern und Konjunkturforschern zumindest in Deutschland nicht zu erwarten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte am Sonntag im ZDF, sie sehe nichts, was auf eine Rezession in Deutschland hindeute. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt erwartet trotz der Flaute im zweiten Quartal, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr ähnlich stark wachsen wird wie 2010. Die Börsen sind in den vergangenen Tagen heftig abgestürzt, weil ein Rückfall in die Rezession in Europa und den USA befürchtet wird.

Nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts geht die BIP-Schwäche zwischen April und Ende Juni auf das Atom-Moratorium zurück. Das Abschalten von sieben Kernkraftwerken habe das Wirtschaftswachstum ausgebremst, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen der „Bild“-Zeitung (Samstagausgabe). Ohne die Stilllegung wäre das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Vierteljahr um 0,2 Prozentpunkte höher ausgefallen. Der Anstieg um 0,1 Prozent sei also keine Stagnation, sondern hervorgerufen durch das Herunterfahren der Meiler, erklärte Carstensen. Die Aktion habe die Energieerzeugung um 50 Prozent und auf den tiefsten Wert seit 1991 fallen lassen.

Hundt sagte dem „Hamburger Abendblatt“ (Samstagausgabe), er rechne für das Gesamtjahr mit einem Wachstum von mehr als drei Prozent. Das schwache zweite Quartal mit 0,1 Prozent sei im Lichte des unerwartet guten ersten Quartals mit 1,3 Prozent Wachstum zu bewerten. „Unsere Konjunkturdaten zeigen, dass wichtige Wirtschaftszweige - die Automobil- und Zulieferindustrie, der Maschinenbau und die chemische Industrie - stark bleiben“, sagte der Präsident der Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeberverbände.

Commerzbank-Privatkundenchef Martin Zielke sagte dem „Focus“: „Wir haben ein schwächeres Quartal gesehen, dennoch steht Deutschland relativ gesehen robust da.“ Von Schwarzmalerei hält auch SAP-Chef Jim Hagemann Snabe nichts. „Es ist viel Schwung in den Unternehmen“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Wenn ich von Gesprächen mit Unternehmen komme, in denen wir über Wachstum und Investition in Innovationen reden, und schalte danach das Radio an, dann wundere ich mich häufig: Das passt so gar nicht zusammen mit unseren realen Erfahrungen.“

An einen weltweiten Stimmungsumbruch glaubt der Konzernchef nicht. Es komme darauf an, die längerfristigen Trends zu sehen. Das Wachstumstempo von Schwellenländern wie Brasilien, Russland, Indien und China werde weiterhin hoch bleiben. „Wir in Europa dürfen nur nicht die Zuversicht verlieren und durch unsere inneren Probleme den Bedeutungsverlust in der globalen Ökonomie beschleunigen.“ SAP selbst habe mit einem Umsatzplus von 35 Prozent ein extrem starkes Quartal abgeliefert, sagte Hagemann Snabe.

„Wir wollen am oberen Ende unserer Prognose landen, darauf deuten alle Zahlen hin.“ Unterdessen profitiert der Online-Broker Comdirect von den aktuellen Turbulenzen an den Börsen. Die Commerzbank-Tochter rechnet mit einem Spitzenergebnis für das laufende Jahr. „Der bisherige Rekord liegt bei 90,5 Millionen Euro aus dem Jahre 2007. Wir sind zuversichtlich, dass wir das übertreffen“, sagte Finanzvorstand Christian Diekmann der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Die Panik an den internationalen Börsen belastet das Unternehmen nicht - im Gegenteil: „Die vergangenen Wochen waren einige der besten seit der Gründung unseres Unternehmens“, sagte Diekmann. „An manchen Tagen wurde dreimal so viel gehandelt wie an durchschnittlichen Handelstagen.“

Von

dapd

Kommentare (12)

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Arminius

21.08.2011, 17:03 Uhr

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen.
Manchmal hilft's.
Aber diesmal sieht es so aus als ob die ganze Welt das Wort braucht!

Account gelöscht!

21.08.2011, 17:37 Uhr

Im Artikel steht: "Die Börsen sind in den vergangenen Tagen heftig abgestürzt, weil ein Rückfall in die Rezession in Europa und den USA befürchtet wird." Zum Teil mag es stimmen, der einzige Grund war es wohl nicht. Teilweise waren es auch Gewinnmitnahmen, weil der DAX zuvor zu schnell angestiegen war. Vielleicht haben auch Spekulanten mit Leerverkäufen eine Lawine ins Rollen gebracht, die dann ihre Eigendynamik entwickelt hat. Gibt es evtl. sogar einen Fehler in einem Computerprogramm, welches automatische Verkäufe tätigt? (Wenn nicht, irgendwann früher oder später wird es einen Wirtschaftskollaps geben, weil niemand mehr die Computerprogramme überblickt, die automatisch Milliardensummen bewegen.)
Und wer überblickt noch die Computerprogramme, die das Wirtschaftswachstum berechnen?

Account gelöscht!

21.08.2011, 18:09 Uhr

Sie müssen ja auch gegenan reden, denn sonst würden die Leute ihre Gelder von den Banken holen.
Die immer gleichen Schwätzer.
Hundt scheint auch schon ein wenig senil zu sein.
Und der Neue da vom Ifo-Institut, der in letzter Zeit verstärkt in en Medien präsent ist, ist der typish junge Schwätzer, der noch nie richtig im Leben gearbeitet hat, sondern nur in Instituten, also von er Praxis nicht die leiseste Ahnung
Jung, dynamisch und von nichts Ahnung.
Im übrigen haben all diese Leute ihre Schäfchen ganz sicher im Trockenen
Und die dämliche FDJ-Kanzlerin? Die hat offenbar ganz viele Ahnung von Wirtschaft. Hat sie ja bei Honecker gelernt

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