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02.01.2009

08:27 Uhr

Wirtschaftselite

Chinas Wettbewerbsfähigkeit verliert an Glanz

VonDorit Marschall

ExklusivIm Ranking der wettbewerbsfähigsten Länder wählen die Top-Manager aus fünf europäischen Staaten zwar immer noch China auf den ersten Platz. Dennoch zählt das Reich der Mitte zu den großen Verlierern des aktuellen Handelsblatt-Business-Monitors, den die Unternehmensberatung Droege & Comp. in einer Umfrage unter der Wirtschaftselite Europas erstellt hat

Vor allem die starke Exportabhängigkeit bremst China. Foto: dpa Quelle: dpa

Vor allem die starke Exportabhängigkeit bremst China. Foto: dpa

FRANKFURT. Grund für die nachlassende Konkurrenzfähigkeit des chinesischen Standorts ist in den Augen der befragten Manager die hohe Exportabhängigkeit des Landes. Diese werde sich in der aktuellen Krise besonders negativ bemerkbar machen. Während China in der letzten Umfrage Ende 2007 noch mit 1,8 benotet wurde, beurteilten die Manager das wachstumsstarke Land jetzt auf einer Skala von eins ("sehr gut") bis fünf ("sehr schlecht") nur noch mit 2,4.

"Die starke Exportabhängigkeit bremst China", sagt Sven Mandewirth von Droge & Comp. Zwar sei auch Deutschland in hohem Maße auf seine Ausfuhren angewiesen, habe aber gegenüber China ein großes Plus: "Die Unternehmen hierzulande sind deutlich diversifizierter und verkaufen ihre Waren in weitaus mehr Länder". Sobald einige Nationen oder Kundensegmente sich wieder erholen, profitieren nach Ansicht von Mandewirth zumindest einzelne der hiesigen Exporteure.

Zu den Verlieren im aktuellen Standort-Ranking zählen vor allem die USA. Von den befragten Managern als Ursprungsland der Krise ausgemacht, rangiert die größte Volkswirtschaft der Welt beim Kriterium Wettbewerbsfähigkeit nur noch auf den hinteren Plätzen. Mit der Note 3,3 werden die USA mit am schlechtesten bewertet. Sie rutschten vom achten Platz auf den neunten und damit vorletzten Rang. Nur noch Italien liegt mit einer Bewertung von 3,6 dahinter.

Erfreulich ist die gute Platzierung des Standorts Deutschlands. Gemeinam mit der Schweiz belegt die Bundesrepublik den zweiten Platz. Damit wird von den befragten Wirtschaftsführern vor allem das ständige Ringen der Unternehmen um Effizienzsteigerungen und Verbesserungen gewürdigt. Erstmals seit vier Jahren stufen die deutschen Führungskräfte die Wirtschaftskraft ihres Heimatstandorts günstiger ein als es ihre europäischen Kollegen taten. Bisher war deren Urteil stets besser ausgefallen als das eigene.

"Die Unternehmen unterscheiden sehr genau zwischen konjunkturellen und strukturellen Entwicklungen", sagt der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise. Die Weltwirtschaft erlebe zwar eine gewaltige Abkühlung. Das treffe die sehr stark auf Exporte ausgerichtete deutsche Wirtschaft vor allem deshalb, weil sie insbesondere zyklische Exportgüter herstelle. Die Unternehmen wüssten aber sehr genau, dass sie ihren Lohnkostennachteil, der über viele Jahre angewachsen sei, vermindert hätten.

"Sobald die Weltwirtschaft sich wieder fängt, wird es in Deutschland rasant nach oben gehen", prognostiziert Elga Bartsch von Morgan Stanley. Sie hält den hiesigen Unternehmen nicht nur die in den vergangenen Jahren erzielten strukturellen Fortschritte zu Gute, sondern auch das Krisenmanagement. "Die Unternehmen haben schnell und aggressiv reagiert." Mit einer Erholung der Weltwirtschaft, von der die deutsche Wirtschaft profitieren dürfte, rechnet Bartsch wie die meisten Volkswirte allerdings erst ab dem Jahr 2010. Eine schwere Last tragen die Länder der Euro-Zone derzeit allerdings alle: die Aufwertung des Euro. Das sei "in der Rezession der größte Risikofaktor für Europa", sagt Heise.

Derweil lässt sich innerhalb der breiten Bevölkerung in Deutschland eine zweigeteilte Stimmungslage hinsichtlich der Erwartungen für 2009 erkennen: Nach einer "Forsa"-Umfrage blicken gut dreiviertel der Deutschen persönlich optimistisch in das neue Jahr, während 62 Prozent der Befragten glauben, dass 2009 für das Land insgesamt ein eher schlechtes Jahr werde. Besonders zuversichtlich sind mit 88 Prozent die Jüngeren unter den Befragten. Gefragt, wie 2009 für die Welt verlaufen werde, meinten 58 Prozent, es werde schlecht, wohingegen 35 Prozent ein insgesamt gutes Jahr voraussehen.

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