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13.01.2010

19:13 Uhr

Wirtschaftsflaute

In Osteuropa ist kein Aufschwung in Sicht

VonStefan Menzel

Vor der Wirtschaftskrise war Osteuropa eine der stärksten Wachstumsregionen der Welt. Nach der Krise erholt sich die Wirtschaft hier aber wesentlich langsamer als im Westen. Echtes Wachstum erwarten Experten erst wieder für 2011. Für Skepsis sorgt währenddessen die hohe Arbeitslosigkeit.

Das Wirtschaftswunder legt in Osteuropa eine Pause ein. ap

Das Wirtschaftswunder legt in Osteuropa eine Pause ein.

WIEN. Im neuen Jahr wird sich der wirtschaftliche Abstand zwischen Ost- und Westeuropa vergrößern. Während es in den meisten westlichen Ländern des Kontinents 2010 wieder positive Wachstumsraten geben wird, werden die Folgen der Krise in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas erst mit Verspätung spürbar sein. In vielen Ländern ist bestenfalls mit einer stagnierenden Wirtschaft zu rechnen, in einigen Staaten wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach 2009 auch 2010 wieder schrumpfen. Besonders gut ablesbar sind die Unterschiede zu Westeuropa beim stärkeren Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Ausreißer nach oben und unten

Bis zum Ausbruch der Wirtschaftskrise galt Osteuropa als eine der wichtigsten Wachstumsregionen der Welt. In einigen Ländern der Region wie etwa im Baltikum waren jahrelang zweistellige Wachstumsraten die Regel. Diese haben sich 2009 in ihr Gegenteil verkehrt: Schon im zurückliegenden Jahr ist das BIP in einigen Ländern stärker geschrumpft als in Westeuropa. Negativ-Spitzenreiter sind Slowenien mit minus acht und Ungarn mit fast minus sieben Prozent. Immer deutlicher wird heute sichtbar, dass das Wachstum während der Boomjahre vor allem mit billigem Kredit aus dem Westen befeuert wurde. Jetzt sind diese Kapitalströme ausgetrocknet, die Region muss sich nach neuen Wachstumsmöglichkeiten umsehen.

"Die Erholung in Zentral- und Osteuropa wird länger als in der Euro-Zone brauchen", bestätigt Ewald Nowotny, Chef der Österreichischen Nationalbank in Wien. Nowotny ist einer der besten Kenner der Szene in Osteuropa: Er verantwortet die Bankenaufsicht der österreichischen Kreditinstitute - der am stärksten in Osteuropa vertretenen Banken. Aus Sicht der Nationalbank ist mit echtem Wachstum in Osteuropa erst wieder im Jahr 2011 zu rechnen.

Vor allem die Länder, die in den Boomjahren die größten Leistungsbilanzdefizite hatten, leiden unter den Folgen des mit billigem Geld finanzierten Aufschwungs. Rainer Singer, Osteuropa-Spezialist der Ersten Bank in Wien, zählt zu den Problemländern Kroatien, Rumänien, Serbien und Ungarn. Bestätigung bekommt er vom Internationalen Währungsfonds (IWF), der für Ungarn 2010 ein BIP-Minus von 0,6 Prozent erwartet. Die Volkswirte der Deutschen Bank sehen auch Bulgarien und die baltischen Staaten im Minus. Merkliche Wachstumsraten werden allenfalls in Polen, Tschechien und der Slowakei zu sehen sein.

"Die Erholung wird im Osten langsam und brüchig vor sich gehen", sagt auch Thomas Mirow, Präsident der europäischen Entwicklungsbank EBRD, die sich auf die Osteuropa-Hilfe spezialisiert hat. Er empfiehlt den Ländern der Region, sich nicht wieder auf die billigen Kredite aus dem Ausland zu verlassen. Osteuropa brauche ein neues Wachstumsmodell: "mehr aus sich selbst heraus und geführt von der Realwirtschaft."

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