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19.04.2012

12:31 Uhr

Wirtschaftsforscher warnen

Geldpolitik der EZB gefährdet Preisstabilität

Die führenden Forschungsinstitute schlagen Alarm: Die EZB dürfe ihre Geldpolitik nicht am schwächsten Land ausrichten, warnen die Ökonomen in ihrem Frühjahrsgutachten. Für Portugal und Griechenland sehen sie schwarz.

EZB-Zentrale in Frankfurt: Forscher sehen Geldwertstabilität in Gefahr. dpa

EZB-Zentrale in Frankfurt: Forscher sehen Geldwertstabilität in Gefahr.

BerlinMit dem Öffnen der Geldschleusen gerät die EZB nach Ansicht führender deutscher Forschungsinstitute bei der Inflationsbekämpfung in die Bredouille. Ohne geeignete Mechanismen zur Lösung der Schuldenkrise sei zu befürchten, dass die EZB eine Normalisierung ihrer Geldpolitik zu lange hinausschiebe, warnten sie in ihrem am Donnerstag vorgelegten Frühjahrsgutachten. Die lockere Geldpolitik werde dann solange fortgesetzt, bis „auch vom letzten nationalen Bankensystem im Euroraum“ keine Gefahr mehr ausgehe. „Dies liefe aber darauf hinaus, die Geldpolitik am schwächsten Mitgliedsland auszurichten statt am Euroraum insgesamt“, erklärten die Forscher. Die EZB könne dann bei der Inflationsbekämpfung nicht mehr angemessen reagieren, mit negativen Folgen für die Preisstabilität.

Die EZB hat das Finanzsystem mit zwei großen langfristigen Kreditlinien im Volumen von mehr als einer Billion Euro geflutet. Damit konnte die Zentralbank zumindest vorübergehend für eine Entspannung an den Anleihemärkten sorgen, da Banken das zum Leitzins von einem Prozent geborgte Geld in rentable Bonds von bedrängten Eurostaaten wie Italien und Spanien investierten. Damit wurden die Renditen der Anleihen dieser Staaten de facto gedrückt. Die lange Laufzeit der EZB-Kredite von drei Jahren und die Tatsache, dass die Zentralbank ihre Anforderungen an Sicherheiten für die Kreditvergabe heruntergeschraubt hat, gibt den Instituten jedoch Anlass zur Sorge.

Hilfen der EZB

Staatsanleihekäufe

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat seit Mai 2010 auf dem Sekundärmarkt - also von der Finanzbranche - Staatsanleihen oder Peripherieländer Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien im Wert von 214 Milliarden Euro gekauft und damit die Risikoprämien für Bonds dieser Länder gesenkt.

Dreijahrestender

Im Dezember und Februar haben die Frankfurter Währungshüter den Bankensektor mit mehr als einer Billion Euro geflutet. Der Zins auf die Kredite beträgt ein Prozent bei einer Laufzeit von drei Jahren. Die Banken investierten die Gelder teilweise in höher verzinste Anleihen.

Sicherheiten

Die Anforderungen an die Sicherheiten, die von Banken für EZB-Kredite von der Notenbank zu hinterlegen sind, wurden im Verlauf der Krise sukzessive gesenkt und erhöhten so die Liquidität der Banken im Euro-Raum.

 „Dies hat zu massiven Verwerfungen und damit volkswirtschaftlichen Kosten an anderer Stelle geführt“, mahnten die Forscher und verwiesen dabei insbesondere auf die Ungleichgewichte im sogenannten Target2-Zahlungsverkehrssystem der Euro-Zone. Nach Berechnungen des Ifo-Instituts müssen sich die Notenbanken Spaniens und auch Italiens über diesen Finanzierungskanal immer mehr Geld von Zentralbanken wirtschaftlich starker Länder wie Deutschland leihen. Seit Juli 2011 sind danach allein von den Notenbanken Spaniens und Italiens Target-Kredite im Umfang von 483 Milliarden Euro gezogen worden, um ihre Volkswirtschaften mit billigen Krediten versorgen zu können.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

19.04.2012, 11:45 Uhr

"„Dies liefe aber darauf hinaus, die Geldpolitik am schwächsten Mitgliedsland auszurichten statt am Euroraum insgesamt“, "

Hat es wirklich so lange gedauert, bis dies begriffen wurde?

Und haben die immer noch nicht begriffen, dass durch negative Realverzinsung in manchen Laendern wie Deutschland, die Sparer schon laengst durch Zwangsenteigung Transferleistungen an die Problemlaender leisten?

Und haben die trotz der gewaltigen Euro-Krise immer noch nicht verstanden, dass ein einheitlicher Zinssatz und eine einheitliche Geldpolitik bei so unterschiedlichen Laendern nicht funktionieren koennen?

Account gelöscht!

19.04.2012, 11:50 Uhr

Europas größtes Gut ist die Vielfalt und Eigenständigkeit und auch der Stolz jedes einzelnen Landes in Europa. Jedes europäische Volk will seine Souveränität gewahrt sehen.

Die EU aus Brüssel lähmt das alles und ergiesst sich wie Sirup in alle Länder Europas mit Diktatur, Stillstand, Bedrohung durch Einmischung in die Integrität der einzelnen Länder. Der EURO wird eingestzt allen Widerstand zu brechen, der sich irgendwo gegen Brüssel regt.

Dieser fortschreitende Stillstand ist dafür verantwortlich, dass Europa absteigt, immer weiter.

Wir müssen zurück zu einzelnen Landeswährungen, gesundem Protektionismus. Die Globalisierung und der dann erfolgte Machtaufbau Brüsseln müssen zurück abgewickelt werden. Die besten Aussichten für ein starkes Europa ist die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, wie wir sie in den 70-80er Jahren hatten. Der Zentralismus aus Brüssel macht aus Europa eine langweilige Landschaft ohne Hoffung und ohne Freiheit.

Dringender Aufruf des Bund der Steuerzahler e.V.:
STOPPT den ESM Vertrag. Hier unterzeichnen

http://www.stop-esm.org/unterzeichner

Politikverdrossen

19.04.2012, 12:23 Uhr

Die EZB-Politik gefährdet nicht nur die Preisstabilität. Sie gefährdet den Wohlstand ganzer Länder, vor allem Deutschlands. Target2, Reduzierung der Sicherheitenlevel, mittlerweile zentraler Player in der Bankenrefinanzierung, ohne Sicherheiten vergebene Kredite.

Wer kann glauben dass, das gut geht ?

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