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17.09.2013

12:36 Uhr

Wirtschaftsforschung

Ostdeutsche Wirtschaft wächst wieder

Die ostdeutsche Wirtschaft konnte trotz der Jahrhundert-Flut wachsen. Allerdings deutlich langsamer als die Wirtschaft im Westen. Grund für die Kluft sei aber nicht die Flut, sondern unterschiedliche Absatzmärkte.

„Die Produktionsausfälle durch die Flut hielten sich in engen Grenzen“, sagte IWH-Experte Udo Ludwig zu den Schäden, die vor allem entlang der Elbe zu beklagen waren. ap

„Die Produktionsausfälle durch die Flut hielten sich in engen Grenzen“, sagte IWH-Experte Udo Ludwig zu den Schäden, die vor allem entlang der Elbe zu beklagen waren.

BerlinTrotz großer Belastungen durch die Jahrhundert-Flut ist die ostdeutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2013 wieder gewachsen - allerdings deutlich langsamer als im Westen. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am Dienstag mitteilte. Zuvor war es vier Quartale in Folge geschrumpft. Nun sorgte die positive Entwicklung in Industrie und der Baubranche für die Trendwende. Zum Vergleich: Die westdeutsche Wirtschaft schaffte ein Plus von knapp 0,8 Prozent.

„Die Produktionsausfälle durch die Flut hielten sich in engen Grenzen“, sagte IWH-Experte Udo Ludwig zu den Schäden, die vor allem entlang der Elbe zu beklagen waren. „Sie behinderten jedoch ein stärkeres Produktionsplus.“ Der große Wachstumskluft zwischen Ost und West führt der Forscher vor allem darauf zurück, dass ostdeutsche Unternehmen weniger in den boomenden Absatzmärkten wie Brasilien und Indien präsent, sondern stärker auf das kriselnde Europa konzentriert sind.

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

Für das laufende Sommerquartal sagt das Institut ein etwas größeres Plus von 0,3 Prozent voraus. „Viele private Haushalte werden mehr Geld ausgeben müssen, um zum Beispiel Waschmaschinen oder Kühlschränke zu ersetzen“, sagte Ludwig. „Und die Baubranche wird vom Wiederaufbau profitieren.“ Die Mittel aus den Zahlungen der Versicherer und aus den staatlichen Hilfsfonds dürften bei vielen Industrie-, Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben ankommen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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HofmannM

17.09.2013, 14:25 Uhr

Das einzige was in Ostdeutschland wächst, das sind die Arbeitslosenzahlen!
Die Solarbranche geht zusammen mit Windkraftbranche und den Werften in die Insolvenz.
Fracking wird verboten, obwohl es für Ostdeutschland eine wirklich gute wirtschaftliche und arbeitsplatzschaffende Branche wäre. Aber die Politik setzt ja lieber auf das Dauersubventionsspiel der sog. Erneuerbaren Energie Erzeuger (Pleitiers)!
Absurde Energie-Wirtschaft-Finanzpolitik in Deutschland. Darum wähle ich eine Alternative zu diesen Volksverräter Politikhaufen der etablierten Bundestagsparteien. Am 22.09.2013 AfD wählen. Zum Wohle des deutschen und europäischen Volk! Danke!

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