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20.04.2012

10:49 Uhr

Wirtschaftsstimmung hellt sich auf

Ifo-Geschäftsklimaindex leicht verbessert

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im April weiter verbessert. Der wichtige Ifo-Geschäftsklimaindex ist überraschend leicht gestiegen. Und die Aussichten bleiben gut.

Container-Terminal im Hamburger Hafen: Die Stimmung in der Wirtschaft steigt. dpa

Container-Terminal im Hamburger Hafen: Die Stimmung in der Wirtschaft steigt.

BerlinTrotz der wiederaufgeflammten Schuldenkrise in Europa hat sich die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft den sechsten Monat in Folge aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex legte im April überraschend zu - wenn auch nur minimal um 0,1 auf 109,9 Zähler. Damit kletterte das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer auf den höchsten Stand seit Juli 2011, teilte das Münchner Ifo-Institut am Freitag mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen einen Rückgang auf 109,5 Punkte erwartet. „Die deutsche Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähig“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Der Euro legte leicht zu. Auch der Dax legte zu. „Es zeigt sich einmal mehr, in welch guter Verfassung sich die Unternehmen in Deutschland befinden“, sagte Deka-Bank-Experte Andreas Scheuerle. „Deutschland hält in der Schuldenkrise die Fahne hoch“, meint Jana Meier von HSBC Trinkaus.

Besonders in der Industrie gaben sich die Firmenchefs optimistischer. „Der Treiber ist eindeutig die Industrie“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe zu Reuters. „Die Nachfrage kommt vor allem aus dem Inland. Viele Anleger investieren in Deutschland, Deutschland wird als sicherer Hafen betrachtet.“ Trotz steigender Preise beurteilten auch die Einzelhändler sowohl ihre Geschäftslage als auch ihre Aussichten besser. „Die Verbraucher kaufen weiter ein“, sagte Wohlrabe. Die Inflation hemme den Konsum noch nicht. Im Großhandel trübte sich die Stimmung dagegen ebenso wie in der Baubranche ein, während sie bei den Dienstleistern stabil blieb.

Die fünf „Wirtschaftsweisen“

Gründung

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wurde 1963 per Gesetz gegründet, um die Politik zu beraten.

Aufgaben

Die „Wirtschaftsweisen“ analysieren die Situation der deutschen Volkswirtschaft und die zukünftige Entwicklung. Sie legen jeden Herbst im Auftrag der Bundesregierung ihr Jahresgutachten vor. Sie können aber auch in Sondergutachten zu besonderen Problemen Position beziehen. Zudem können sie sich Rat bei weiteren Fachleuten holen.

Zusammensetzung

Dem unabhängigen Sachverständigenrat gehören fünf Professoren an, die für jeweils fünf Jahre vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Regierung berufen werden.

Aktuelle Mitglieder

Vorsitzender ist Christoph Schmidt (Bochum). Außerdem gehören Peter Bofinger (Würzburg), Christoph M. Schmidt (Bochum), Lars P. Feld (Freiburg) und Claudia Buch dem Gremium an.

Die 7000 befragten Manager schätzten die Aussichten für die kommenden sechs Monate genauso gut ein wie zuletzt. Das Barometer verharrte bei 102,7 Punkten. Experten hatten hier einen Rückgang auf 102,5 Zähler vorausgesagt. Die Geschäftslage wurde etwas besser eingeschätzt. Dieser Index kletterte von 117,4 auf 117,5 Punkte. Hier waren 117,0 Punkte erwartet worden.

Sorgen um die kriselnden Euro-Staaten Spanien und Italien haben zuletzt für Unruhe an den Finanzmärkten gesorgt. Ungeachtet der erwarteten Rezession im Euro-Raum sagen die führenden Forschungsinstitute der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 0,9 Prozent vorher. 2013 soll es sich auf zwei Prozent beschleunigen. In diesem Zeitraum sollen rund 800.000 neue Jobs entstehen.

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

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