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26.12.2011

18:49 Uhr

Wirtschaftsweiser

Franz sieht keine Rezessionsgefahr

VonDorit Marschall

ExklusivDer Chef des Sachverständigenrates, Wolfgang Franz, sieht die deutsche Wirtschaft auch 2012 auf Wachstumskurs. Mit den alarmierenden Aussagen von IWF-Chefin Christine Lagarde geht er hart ins Gericht.

Wolfgang Franz. dapd

Wolfgang Franz.

FrankfurtDer Chef des Sachverständigenrates, Wolfgang Franz, blickt trotz der Euro-Schuldenkrise und des weltweiten Konjunkturabschwungs zuversichtlich in das neue Jahr. Die deutsche Wirtschaft werde 2012 zwar wohl nur um 0,5 Prozent wachsen, sagte Franz dem Handelsblatt. In dem im November vorgelegten Jahresgutachten gingen die Wirtschaftsweisen noch von einer fast doppelt so hohen Zuwachsrate aus. „Aber eine Rezession befürchte ich nicht - erst recht nicht eine so starke wie 2009, als das Bruttoinlandsprodukt um rund fünf Prozent absackte“, sagte er.

Die Zahl der Beschäftigten sei so hoch wie nie, die Kapazitäten der Industrie seien besser ausgelastet als im langjährigen Durchschnitt, die Unternehmen seien gesund und zuversichtlich. „Deutschland geht es gut, noch jedenfalls“, sagte der Chef der fünf Wirtschaftsweisen

Franz übte scharfe Kritik an der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, die kürzlich vor einer Weltwirtschaftskrise wie in den 30er-Jahren gewarnt hatte: Es sei zwar richtig, auf Risiken hinzuweisen, sagte Franz. „Aber Rezessionen lassen sich auch herbeireden. Frau Lagarde wäre wirklich gut beraten, bei ihrer Wortwahl zurückhaltender zu sein“, warnte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Wenn die öffentliche Debatte anhalte, fürchteten viele Unternehmen, „dass irgendwann eine Kette von Bremsmanövern in Gang gesetzt wird“. Investitionen würden zurückgestellt, die Personalpolitik würde vorsichtiger gestaltet – „und dann hätten wir möglicherweise eine Rezession“, warnte Franz

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Franz übte auch Kritik an der eigenen Zunft. In der Euro-Schuldenkrise hätten viele Ökonomen „entweder ein Achselzucken parat oder sie hoffen, dass es so nicht kommt“, kritisierte er. „Selbst die Bundesbank wird in der Öffentlichkeit eher durch rote Linien wahrgenommen, die nicht überschritten werden dürfen.“ Auch den neuen Bundesbankchef verschonte der Wirtschaftsweise nicht mit seiner Kritik: „Jens Weidmann müsste Vorschläge für einen Plan B machen“, forderte der Chef des Sachverständigenrates. Es sei nicht geklärt, was passieren solle, falls sich die Finanzmärkte selbst von sinnvollen und hinreichenden Maßnahmen in den Problemländern nicht überzeugen ließen

Franz kritisierte im Gespräch mit dem Handelsblatt zudem, dass Weidmanns Vorgänger Axel Weber und Noch-EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark im Streit über den Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank ihre Posten aufgegeben haben. Er könne das zwar nachvollziehen. „Gleichwohl hätte ich mir gewünscht, dass sie für ihre Positionen in der EZB weiter gekämpft hätten“, sagte Franz. „Das ist anstrengend, aber lohnend. Sie haben doch gute Argumente.“

Kommentare (21)

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Harakirri

26.12.2011, 19:37 Uhr

Oh Gott, er schon wieder! Ökonomen sind oft große Einfaltspinsel. Ich würde mich nicht so weit aus den Fenster lehnen. Warten wirs ab bei einer guten Tasse Tee. Es kommt mir oft vor, dass diese "Experten" für ihre Kommentaren voll geschmiert werden.

Uvanegra

26.12.2011, 19:52 Uhr

Bravo Herr Franz, endlich einer, der die Realität sieht und sich nicht von dem allgemeinen pessimistischen Gerede beeinflussen läßt. In meinem Umfeld sehe ich viele zufriedene Menschen. In dieser Anhäufung habe ich das lange nicht erlebt.
Die Unternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht und für schlechte Zeiten vorgesorgt. Und 0,5 % Wachstum auf diesem hohen Niveau, da können viele andere Länder nur davon träumen. Alles wird gut.

Kronecker

26.12.2011, 19:59 Uhr

Faktenbasiertes Rätselraten.

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