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20.09.2011

16:38 Uhr

World Economic Outlook

IWF sieht Wachstum in Deutschland in Gefahr

Der Internationale Währungsfonds schlägt Alarm: Wegen der Schuldenkrise wird das weltweite Wachstum bald einbrechen. Vor allem für die Euro-Zone und Italien sieht es düster aus - und auch Deutschland dürfte es erwischen.

Der IWF hat seine Wachstumsprognose für 2012 deutlich nach unten korrigiert. Reuters

Der IWF hat seine Wachstumsprognose für 2012 deutlich nach unten korrigiert.

WashingtonDie Euro-Schuldenkrise und der drohende globale Abschwung lassen beim Internationalen Währungsfonds die Alarmsirenen schrillen. „Die Weltwirtschaft ist in einer gefährlichen neuen Phase“, warnte IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard in dem am Dienstag vorgelegten Konjunkturausblick. Auch Deutschland droht in den Abwärtsstrudel zu geraten. Börsenprofis blicken so skeptisch auf die Wirtschaftsentwicklung hierzulande wie seit den Nachwehen der Lehman-Pleite Ende 2008 nicht mehr.  

Rund um den Globus wird die Wirtschaft nach Einschätzung des IWF sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr nur noch um vier Prozent wachsen. Im Juni hatte der Fonds noch mit 4,3 und 4,5 Prozent gerechnet. 2010 waren es 5,1 Prozent. Hauptgrund für die Abkühlung: das schleppende Wachstumstempo in den Industriestaaten. Mit Sorge blickt der IWF insbesondere auf die Euro-Zone: „Sollte die Schuldenkrise vom Rand auf die Kernstaaten übergreifen, könnte die globale Finanzstabilität ernsthaft ins Wanken geraten.“   

Die Rating-Agentur S&P hat zuvor Italien eine schlechtere Bonitätsnote verpasst und damit neue Sorgen genährt, das Mittelmeerland könne vollends in den Strudel der Euro-Schuldenkrise gerissen werden. Die Bonitätsprüfer begründeten ihren Schritt mit den schwachen Wachstumsaussichten des EU-Gründungsmitglieds. Auch der IWF sieht keine rosigen Perspektiven für das klamme Land. Für nächstes Jahr traut er Italien nur noch ein mageres Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 0,3 Prozent zu.

Die Chefs sind Franzosen (oder Deutsche)

IWF

Beim Internationalen Währungsfond (IWF) besetzt die französische Rechtsanwältin und Politikerin Christine Lagarde die Chefposition als geschäftsführende Direktorin. Deutschland geht bei den Chefposten leer aus, obwohl der deutsche Anteil am Budget bei 6,1 Prozent liegt. Der Anteil deutscher Mitarbeiter insgesamt beim IWF liegt bei 4,6 Prozent - der im Top-Management bei 3,1 Prozent.

WTO

Seit 2005 ist Pascal Lamy der Boss bei der World Trade Organisation (WTO). Nachdem er zuvor das Amt des EU-Kommissars für Außenhandel bekleidete, ist er vor sechs Jahren zum Generaldirektor der WTO aufgestiegen. Deutschland besetzt in dieser Organisation weder eine Chefposition, noch irgendeine Stelle im Top-Management. Der Anteil deutscher Mitarbeiter insgesamt bei der WTO liegt bei 5,5 Prozent, Deutschlands Anteil am Budget beträgt hingegen 8,9 Prozent.

EU-Kommission

In der Europäischen Kommission sitzt seit 2004 der Spanier José Manuel Barroso auf dem Chefsessel. Jeweils ein Deutscher und ein Franzose sitzen als Kommissare in der Kommission. Günther Oettinger kümmert sich um Energie, der Franzose Michel Barnier um Binnenmarkt und Dienstleistungen. Im Top-Management der Kommission sind 14,6 Prozent der Stellen mit Deutschen besetzt - auf alle Mitarbeiter bezogen liegt der deutsche Anteil bei 10,6 Prozent. Deutschlands Anteil am Budget beträgt beachtliche 20 Prozent.

EZB

Noch ist der Franzose Jean-Claude Trichet Präsident der Europäischen Zentralbank, doch seine Tage sind gezählt - am 31. Oktober endet seine Amtszeit. Als heißer Kandidat für die Nachfolge gilt Jörg Asmussen, der derzeit noch Staatssekretär im Finanzministerium ist. Mehr als ein Viertel aller Mitarbeiter in der EZB sind Deutsche (28,1 Prozent) und der Anteil im Top-Management liegt bei 16,7 Prozent. Deutschlands Anteil am Kapital der EZB beträgt 18,9 Prozent.

EBRD

An der Spitze der Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) steht ein Deutscher: Der SPD-Politiker Thomas Mirow leitet seit 2008 die Geschicke des Hauses. Bei der Osteuropabank sitzt kein Franzose auf einem hohen Posten. Die Zahlen über deutsche Mitarbeiter insgesamt und der Anteil an deutschen Kapital liegen nicht vor.

EFSF

Im Juni 2010 wurde die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) gegründet. Sie ist eher unter dem Namen Europäischer Rettungsschirm bekannt. Chef der Aktiengesellschaft ist der Deutsche Klaus Regling. Im Finanzvorstand sitzt der Franzose Christophe Frankel. Die Zahlen über deutsche Mitarbeiter insgesamt und der Anteil an deutschen Kapital liegen nicht vor.

Auch Deutschland, die bisherige Wachstumslokomotive der Euro-Zone, muss sich der Prognose zufolge 2012 weiter hinten in der Rangfolge der wirtschaftsstarken Länder einordnen: Mit einem mittelprächtigen Plus von 1,3 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt würde die größte Volkswirtschaft Europas knapp vom Nachbarn Frankreich überholt.   

Falls sich die Konjunkturschwäche in den Staaten der Währungsunion fortsetzt, sollte die Europäische Zentralbank den Leitzins senken, rät der IWF. Zugleich sollten die Währungshüter ihre Staatsanleihenkäufe am Sekundärmarkt zumindest solange weiterführen, bis die europäischen Gipfelbeschlüsse zum Euro-Rettungsschirm umgesetzt seien.     

Schwellenländer wie China müssen sich dem IWF zufolge vor einer Überhitzung in Acht nehmen und zugleich den Binnenmarkt stärken. Die USA sieht der IWF auf einer Gratwanderung zwischen Konjunkturstützung und Haushaltskonsolidierung. Mit 1,8 Prozent dürfte die Wirtschaftsleistung dort laut IWF-Prognose 2012 weit stärker anziehen als in der Euro-Zone, die demnach nur ein mageres Plus von 1,1 Prozent erreichen wird. Als Grundproblem der schleppenden Erholung betrachtet der Fonds die schwache Konsumneigung in vielen Staaten.

Zwar seien die überschuldeten Länder nun auf den Sparkurs eingeschwenkt, die private Nachfrage würde die sinkenden Staatsausgaben aber nicht kompensieren. Die Gründe: Die hohe Verschuldung der Haushalte und die restriktive Kreditvergabe vieler Banken. „All das hat sich als größere Konjunkturbremse erwiesen, als wir erwartet hatten.“   

Die Schuldenkrise in Europa sowie die Angst vor einem weiteren Abschwung der Weltkonjunktur verunsichern auch die Anleger und Analysten in Deutschland. In der Umfrage des Mannheimer ZEW-Instituts sanken die Konjunkturerwartungen im September um 5,7 auf minus 43,3 Punkte. Größer war die Skepsis zuletzt im Dezember 2008. Das Barometer fällt nunmehr bereits den siebten Monat in Folge und nährt damit Sorgen vor einem Rückfall in die Rezession.

„Die künftige Konjunkturentwicklung ist von hoher Unsicherheit geprägt, die die Stimmung von Investoren und Konsumenten nach Ansicht der Finanzmarktexperten eintrübt“, sagte ZEW-Chef Wolfgang Franz, der als Vorsitzender der Wirtschaftsweisen auch die Bundesregierung berät. Im zu Ende gehenden Sommerquartal halten die meisten Experten ein kräftiges Wachstum in Deutschland von einem halben Prozent und mehr für möglich, nachdem es im Frühjahr wegen sinkender Konsumausgaben nur zu einem mageren Plus von 0,1 Prozent reichte. Nach Prognose der Industrieländer-Organisation OECD könnte das Bruttoinlandsprodukt am Jahresende dann aber erstmals seit Anfang 2009 wieder schrumpfen.

Von

rtr

Kommentare (10)

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mitleser

20.09.2011, 15:28 Uhr

Häh? Was soll der Schwachsinn? Kann mir das mal bitte jemand erklären, warum die Chefin den Daumen senkt (vor ein paar Tagen) und heute von Problemen kaum noch was zu sehen ist?

-> http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2011-09/21363005-iwf-lagarde-weltwirtschaft-tritt-in-neue-krisenphase-ein-015.htm

no.7

20.09.2011, 15:36 Uhr

"Kräftiges wachstum der weltwirtschaft" - ein Propaganda-witz. weshalb gehen denn die erwartungen seit mehreren monaten beständig herunter ? vielleicht wächst china ja um 15 oder 20 Prozent... mindestens !

Account gelöscht!

20.09.2011, 16:07 Uhr

"Keine Schwäche"? Hallo?! Wachstum der Weltwirtschaft wird schwächer prognostiziert als vorher angenommen.

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