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16.04.2013

16:28 Uhr

World Economic Outlook

IWF sorgt sich um Frankreich

Die größten Risiken für die Weltwirtschaft gehen aus Sicht des IWF von der Eurozone aus. Eine Rezession in Frankreich, könnte die Fähigkeit der Kernländer einschränken, den Randstaaten zu helfen.

Das Logo des Internationale Währungsfonds an dessen Hauptsitz in Washington. dpa

Das Logo des Internationale Währungsfonds an dessen Hauptsitz in Washington.

Washington/BerlinDie Schuldenkrise im Euro-Raum bereitet dem Internationalen Währungsfonds große Sorgen. Ein Grund dafür ist das drohende Abgleiten Frankreichs in die Rezession, wie der IWF am Dienstag im Weltwirtschaftsausblick betonte. Dem Eurozonen-Schwergewicht sagt der Fonds 2013 eine um 0,1 Prozent schrumpfenden Wirtschaftsleistung voraus: "Dies könnte Fragen aufwerfen hinsichtlich der Fähigkeit der Kernländer, den Randstaaten bei Bedarf zu helfen." Mittelfristig drohe der Euro-Zone eine andauernde Stagnationsphase. Beunruhigt sind auch Börsenprofis in Deutschland, das laut IWF auf Wachstumskurs bleibt. Das ZEW-Barometer für die Entwicklung der Wirtschaft in den nächsten sechs Monaten sackte ab.

"Die Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich erneut verbessert, doch bleibt die Erholung in den Industrieländern holprig", lautet der Gesamtfazit des IWF. Kurzfristig bleibe Europa mit den zusätzlichen Unsicherheiten der Zypern-Entwicklung für die Finanzstabilität der Haupt-Risikofaktor. Der Europäischen Zentralbank legt der IWF eine geldpolitische Lockerung nahe, da in etlichen Krisenländern am Rande der Euro-Zone die Zinsen noch zu hoch seien. Ansonsten könnten Staaten wie Deutschland, denen es finanzpolitisch relativ gut gehe, ihre Spielräume nutzen und mehr für das Wachstum tun, empfiehlt der Fonds. Er schraubte seine Wachstumsprognose für Deutschland für das laufende Jahr leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 0,6 Prozent nach oben und rechnet für 2014 mit plus 1,5 Prozent.

Warum der IWF so wichtig ist

Was ist der IWF?

Der Internationale Währungsfonds (IWF), der zusammen mit den EU-Staaten zur Rettung der Staatsfinanzen der Euro-Wackelkandidaten einspringen soll, ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Er wurde zusammen mit der Weltbank im Juli 1944 bei der Währungskonferenz in Bretton Woods im US-Staat New Hampshire gegründet.

Wer sind die Mitglieder im IWF?

Dem IWF mit Hauptsitz in Washington (englisch: IMF für International Monetary Fund) gehören heute 186 Staaten an. Das Stimmrecht der Mitgliedsländer richtet sich nach ihrem Kapitalanteil. Dementsprechend zählen die USA (mit 16,77 Prozent), Japan (6,02 Prozent) oder auch Deutschland (5,88 Prozent) zu den Schwergewichten des IWF. Gambia hingegen kommt auf nur 0,03 Prozent und Haiti auf 0,05 Prozent.

Welche Aufgabe hat der IWF?

Hauptaufgabe ist die Wahrung einer stabilen Währungsordnung. Dazu zählt vor allem auch die Verhinderung von Finanzkrisen - wie etwa 1994/1995 in Mexiko oder 1997/1998 in Asien

Welchen Staaten hat der IWF in den letzten Jahren geholfen?

In der jüngeren Vergangenheit griff der IWF auf Ersuchen der jeweiligen Regierungen beispielsweise in der Ukraine, Island, Ungarn, Pakistan und eben auch im Euro-Staat Griechenland ein. Für die betroffenen Staaten ist das mit strengen Auflagen für die Sanierung ihrer Finanzen verbunden.

Wer leitet den IWF?

An der Spitze des Internationalen Währungsfonds steht traditionell ein Europäer. Dagegen wird die Weltbank von einem Amerikaner geführt. Bislang einziger deutscher IWF-Direktor war Horst Köhler. Er hatte das Amt inne, bevor er 2004 zum Bundespräsidenten gewählt wurde.

Die vom IWF erwartete Rezession im Euro-Raum von 0,3 Prozent in diesem Jahr spiegelt dem Fonds zufolge nicht nur Schwächen am Rande des Währungsraumes wider. Mit Blick auf Frankreich hieß es, inzwischen habe "eine gewisse Schwäche" auch den Kern der Euro-Zone erreicht. Frankreich macht derzeit die hohe Arbeitslosigkeit zu schaffen, die Wirtschaft steht bereits mit einem Bein in der Rezession.

Kommentare (14)

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pendler

16.04.2013, 16:34 Uhr

So, wie Frankreich gewählt hat, MUSS es ja wirtschaftlich zusammen brechen.

die Mittelmeer Länder saugen sich gerade mit neuen Schulden voll, aber wenn am Mitte des Jahres auch die (ehemals) so stolzen Franzosen isn Straucheln geraten, dann ist das Unglück direkt an unserer Haustür angekommen.

Also nur ein kleiner Tipp an die Sparer, seht Euch um, ob man nicht besser in SING oder generell in Asia sein Geld anlegt. Denn wenn Frankreich ins Straucheln kommt, dass bekommen wir wahrscheinlich auch etwas ab.

Account gelöscht!

16.04.2013, 16:55 Uhr

könnte die Fähigkeit der Kernländer einschränken, den Randstaaten zu helfen.
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Na so eine Überraschung. Das hat die Lagarde vorher wohl gar nicht bedacht. Ja so ist das hal, wenn man den guten Ländern alles Geld weg nimmt, dann haben die selbst irgendwann keines mehr
Tja, so wiet allerdings reichte der Verstand von Frau Lagarde aber wohl nicht

DEUFRA2011

16.04.2013, 16:57 Uhr

"Dieses Ungleichgewicht bei Löhnen und Gehältern sei auf Dauer ökonomisch unhaltbar und gefährlich. Frankreich dringe daher darauf, dass es hier zu einer Angleichung zwischen den Ländern kommt".
Diese Einsicht ist vollkommen richtig, nur geht das leider in die falsche Richtung. Die französischen Lohnkosten sind zu stark gestiegen, sind zu hoch und müssen jetzt sinken. Nicht die Wettbewerbsfähigkeit zwischen Deutschland und Frankreich ist ausschalggebend sonder der Vergleich mit den Verhältnissen auf dem Weltmarkt. Die Franzosen wollen sich nicht antun was die Deutschen nach Schöder gemacht und nun sollen wir die Lücke über Inflation schließen. Man kann nur hoffen dass Merkel und Schäuble noch die Macht haben dies Francois klarzumachen. Wenn er das nicht will, dann liefert er ein weiteres Argument für den Ausstieg aus dem EURO, siehe AfD. Wir können Deutschland nicht runterwirtschaften damit die Franzosen endlich mithalten können.

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