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09.10.2012

03:55 Uhr

World Economic Outlook

IWF warnt vor globaler Konjunkturflaute

VonHans Christian Müller-Dröge, Martin Kölling

Europa und die USA haben die Welt in ihrer Hand. Lösen sie ihre Probleme, geht es aufwärts. Versagen sie, droht der Welt eine erneute tiefe Krise.

Die weltweite Industrieproduktion im ersten Halbjahr 2012 war enttäuschend. dpa

Die weltweite Industrieproduktion im ersten Halbjahr 2012 war enttäuschend.

Tokio/BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die Welt vor einer historischen Wahl zwischen Rezession und Erholung. Zum einen hat der IWF die Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft gesenkt und vor einer globalen Rezession gewarnt. „Das Risiko einer gravierenden Verlangsamung der Weltkonjunktur ist alarmierend hoch“, schrieb der IWF in seinem „World Economic Outlook“.

Zum anderen zeigte sich IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard am Dienstagmorgen in Tokio bei der Vorstellung des Berichts „vorsichtig optimistisch“, falls die Länder der Euro-Zone ihre Versprechen umsetzen und die USA ihre „fiskalpolitische Kliff“, ein hartes, durch politische Blockade verursachtes Sparprogramm, vermeiden. „Das Argument für ein verbessertes Szenario ist ein bisschen stärker als für einige Zeit war“, so Blanchard.

In seinem halbjährlichen „World Economic Outlook“ senkte der IWF seine Prognose von 3,9 auf 3,3 Prozent. Für 2013 sagt die IWF-Ökonomen zwar 3,6 Prozent Wachstum voraus. Jedoch erhöhten sie auch die Wahrscheinlichkeit, dass das das globale Wachstum unter zwei Prozent sinken könnte, von vier auf 17 Prozent. Zwei Prozent gilt als Schwelle für eine globale Rezession.

Der Grund für die Revision ist das unerwartet maue erste Halbjahr 2012, die weltweit auf die Industrieproduktion und den Handel drückten. Auch die Sparrunden, die praktisch alle westlichen Regierungen gleichzeitig umsetzten, hätten die globale Nachfrage stärker belastet als zuvor angenommen, erklärte Blanchard. Tatsächlich haben die Industrieländer ihre Haushalte zuletzt um Werte in Höhe von einem Dreiviertelprozent der Wirtschaftsleistung zusammengestrichen. 2013 dürfte es sogar ein Prozent sein.

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Die Schwäche der Industrieländer schlägt derweil voll auf die Schwellenländer durch. Das Abflauen von Chinas Hochwachstum ginge zu einem Großteil auf schwächere Auslandsnachfrage zurück, sagten die IWF-Ökonomen. Daher haben die Fonds-Forscher in fast allen Ländern ihre Prognosen gesenkt. Besonders groß ist die Korrektur für Deutschland: Die Prognose für 2013 senkten die IWF-Forscher gleich um einen halben Prozentpunkt.

Allerdings erwarten die IWF-Volkswirte, dass es ab der zweiten Jahreshälfte 2013 mit der Weltkonjunktur wieder aufwärts gehen wird. Doch sicher ist das längst nicht. Denn die IWF-Vorhersage für das kommende Jahr basiert auf ungewöhnlich optimistischen Annahmen.

So gingen sie bei ihren Berechnungen einerseits davon aus, dass es Europas Politikern gelingt, die Krise in der Währungsunion weiter einzudämmen und mit institutionellen Reformen für neues Vertrauen in der Wirtschaft zu sorgen, erklärte Jörg Decressin vom IWF in Tokio. Andererseits müssten die Amerikaner das sogenannte fiskalische Kliff „entschärfen“, so Decressin. Sonst drohe weltweit eine Rezession.


Wachstum Bruttioinlandsprodukt

Deutschland (in %)

20122013
Prognose Juli 20121,01,4
Prognose Oktober 20120,90,9
Quelle: World Economic Outlook (IWF), Oktober 2012

Kommentare (14)

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Beobachter

09.10.2012, 00:29 Uhr

...Sensation! Schreibt die Bild-- Handelsbild--äh der Handelsspiegel-- Mist: Handelsblatt.
Richtig: Handelsblatt.
"Substanz entscheidet" - direkt von dpa übernommen, kräftig aufgemacht, stimulierendes Bild darunter, Meinungssauce mit hoher Kriechfähigkeit darübergegossen - Substanz entscheidet, was ist denn schon "Substanz":
ein alter aristotelischer Begriff, verstaubt, "Substanz" -
vergesst Substanz: das ist lange her.
Hauptsache laut und grell und aufwiegelnd -
eben wie früher der Spiegel oder die Bild -
nur dass die Originale besser sind als die Kopie

Mac-Harry.de

09.10.2012, 00:45 Uhr

Wie waren doch gleich die Fakten? Ach ja: Wachstum. Nun, nicht mehr so brachial viel, aber immer noch Wachstum. Hm, was bitte ist daran so düster? Kann mir das mal einer erklären? Ich verstehe bis heute nicht, warum Wachstum so "düster" ist. Danke.

steuerhilfe.net

09.10.2012, 06:47 Uhr

Ja, mit neuem gedruckten, Papiergeld aus dem nichts die Wirtschaft ankurbeln und das funktioniert sogar für eine Weile. Solange bis die oberen 10.000 ihr Schäfchen im trocknen haben. Der normalsterbliche Pöbel wird der Verlierer einer solchen Politik sein & die wenigsten werden es merken bzw. interessiert es auch garnicht.

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