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28.05.2014

13:26 Uhr

Yves Mersch

EZB-Direktor deutet mehrere Maßnahmen für Anfang Juni an

Senkt die EZB den Leitzins noch weiter, kommt der Strafzins auf Geld, das die Banken bloß bei der EZB parken? Nächsten Donnerstag könnte es so weit sein. Schon jetzt äußert ein EZB-Direktor sich vielsagend.

Wirkt entschlossen: Die Zentralbank bereitet sich vor, notfalls gegen eine drohende Deflation vorzugehen. AFP

Wirkt entschlossen: Die Zentralbank bereitet sich vor, notfalls gegen eine drohende Deflation vorzugehen.

TokioEZB-Direktor Yves Mersch hat die Bereitschaft der Europäischen Zentralbank (EZB) bekräftigt, zur Abwehr einer Deflation weitere Mittel einzusetzen. Beim Treffen des EZB-Rats in der nächsten Woche könne ein ganzes Maßnahmenbündel beschlossen werden, sagte Mersch am Mittwoch in Tokio. Es sei allerdings nicht sicher, dass diese Instrumente alle gleichzeitig eingesetzt würden. Die EZB könne derzeit keine konkrete Gefahr erkennen, dass die Wirtschaft in eine Spirale fallender Preise und sinkender Nachfrage und Investitionen abgleitet. Allerdings bereite sich die Zentralbank vor, notfalls gegenzusteuern.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters arbeitet der EZB-Rat aktuell an einem Maßnahmenbündel: Dieses besteht aus einer weiteren Senkung des ohnehin rekordniedrigen Leitzinses und sieht erstmals in der Geschichte der Währungsunion auch einen Strafzins für Banken vor, die Geld bei der EZB parken. Zudem wird intensiv über eine weitere Geldspritze für das Finanzsystem nachgedacht, um mehr Mittel in die Wirtschaft zu pumpen und die Kreditvergabe anzukurbeln.

Welche Waffen die EZB noch in ihrem Arsenal hat

Ein noch niedrigerer Leitzins

Der Spielraum der EZB beim Leitzins ist inzwischen sehr eng. Er liegt bei 0,15 Prozent. Damit ist das Ende der Fahnenstange praktisch erreicht.

Negativer Einlagezins

Banken können Geld bei der EZB parken, wofür sie in normalen Zeiten Zinsen bekommen. Damit sie das nicht tun, sondern das Geld als Kredite an die Wirtschaft weiterreichen, hat die Zentralbank diese Anlageform unattraktiv gemacht, indem sie den Zinssatz auf null gedrückt hat. Jetzt könnte die EZB noch einen Schritt weitergehen und negative Zinsen einführen.

Ende der Neutralisierung früherer Wertpapierkäufe

Zwischen 2010 und 2012 kaufte die EZB zur Stützung von Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien für mehr als 200 Milliarden Euro deren Staatsanleihen. Derzeit schöpft die EZB die Liquidität wieder ab, indem sie den Banken anbietet, in gleicher Höhe Geld bei ihr anzulegen. Die EZB könnte dieses Prozedere abschaffen - was entsprechend dem Restwert der Anleihen etwa 170 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln bringen würde.

Geringere Mindestreserve

Die Banken müssen zur Sicherheit Geld bei der EZB hinterlegen. Diese sogenannten Mindestreserven summieren sich auf etwa 100 Milliarden Euro. Würde die EZB die Anforderungen lockern und beispielsweise nur noch die Hälfte als Sicherheit verlangen, hätten die Banken zusätzlich 50 Milliarden Euro zur Verfügung. Dieses Geld könnten sie als Kredite ausreichen.

Kreditvergabe fördern auf britische Art

Der niedrigste Leitzins nützt nichts, wenn die Banken keine Kredite vergeben. Nach der jüngsten EZB-Umfrage klagt jedes neunte kleine und mittelgroße Unternehmen der Euro-Zone darüber, keinen Zugang zu Bank-Krediten zu haben. Mit einem Trick nach britischem Vorbild könnte die EZB das ändern. Dort können sich Banken für jedes Pfund, das sie kleinen und mittleren Unternehmen zur Verfügung stellen, zehn Pfund zu Vorzugskonditionen bei der Bank of England leihen.

Geringere Sicherheiten

Wenn Banken Geld von der EZB haben wollten, mussten sie bis 2007 Wertpapiere mit Top-Bonität als Sicherheit hinterlegen. Die Anforderungen hat sie seither mehrfach gesenkt - und könnte es weiter tun, um die Institute bei Kasse zu halten. Denn das ist die Voraussetzung für neue Kredite. Die Währungshüter könnten beispielsweise Aktien oder US-Staatsanleihen akzeptieren.

Liquidität für Förderbanken

Die Europäische Investitionsbank (EIB) kann am ehesten die kleineren und mittleren Unternehmen mit Geld versorgen. Seit 2009 kann sich die EIB bei der EZB Geld leihen, um es anschließend weiterzureichen. Die Währungshüter könnten solche Förderbanken mit zusätzlicher Liquidität ausstatten.

Langfristiger Ausblick

Die Kreditzinsen in vielen Krisenstaaten sind noch immer recht hoch. Um sie zu drücken, könnte die EZB nach amerikanischem Vorbild eine lange Niedrigzinsphase ankündigen. Die Federal Reserve hat erklärt, ihren Leitzins bis mindestens Mitte 2015 auf extrem niedrigem Niveau zu halten. Ringt sich die EZB zu einer ähnlichen Aussage durch, könnte dies die Zinsen im längeren Laufzeitbereich drücken.

Eine weitere "Dicke Bertha"

Die EZB hat Ende 2011 und Anfang 2012 die Banken mit zwei dicken Geldsalven von jeweils gut 500 Milliarden Euro geflutet. Draghi hatte diese in Anlehnung an ein deutsches Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg als "Dicke Bertha" bezeichnet. Sie wirkten: Inzwischen zahlen viele Banken bereits wieder schrittweise das Geld zurück, das sie sich damals bei der EZB geliehen haben. Eine Kreditklemme in vielen Südländern gibt es trotzdem, weil dort die Nachfrage der Unternehmen wegen der Krise sehr gering ist und die Banken Geld horten - zum Teil aus Angst, zum Teil wegen der steigenden Kapitalanforderungen der Regulierer. Ob sich die EZB eines Tages dazu durchringt, wie die Bank von England den Banken Geld nur unter der Bedingung zu geben, dass sie es als Kredit an Firmen weiterreicht, bleibt abzuwarten. Das Experiment auf der Insel war nur mäßig erfolgreich. Denn die Notenbank kann Unternehmen nicht befehlen, Kredite zu nehmen und zu investieren.

Wertpapierkäufe

Sollte die Krise wieder eskalieren, bliebe der EZB noch der massenhafte Ankauf von Wertpapieren - beispielsweise von Staatsanleihen oder Bankanleihen. Im Sommer 2012 - auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise - hatte Draghi versprochen, die EZB werde bei Bedarf und unter klar definierten Bedingungen Staatsanleihen von Problemländern kaufen - notfalls in unbegrenzter Höhe. Vor allem hierzulande hat dieses Versprechen der EZB Ärger eingehandelt. Sogar das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich damit, weil die EZB im Fall der Fälle das Verbot der Staatsfinanzierung aus Sicht ihrer Kritiker wohl brechen würde. Bis dato musste Draghi jedoch nicht eine Staatsanleihe kaufen.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte erst kürzlich auf einer Konferenz der Notenbank im portugiesischen Sintra die Bereitschaft zum Handeln betont. Am Finanzmarkt wird inzwischen fest damit gerechnet, dass die EZB bei ihrer Sitzung am 5. Juni weitere Pfeile aus dem Köcher holt.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

28.05.2014, 13:52 Uhr

Zum BlaBla der EZB ist folgendes zu sagen:

1. Die Inflationsraten sind kleingerechnet und geschönt

2. die Angabe mittlerer Inflationsraten für einen so heterogenen Währungsraum, wie die Eurozone sind in etwa so sinnvoll wie die Weltdurchschnittstemperatur als Wetterbericht

3. Die EZB hatte die Aufgabe für Geldwertstabilität also 0% Inflation zu sorgen. 2% Inflation sind gemäß Mandat keine Zielmarke sondern, die maximal zu tolerierende Inflation

4. Wieso werden statt Kreditverschlechterung und Falschgelddrucken nicht die Ursachen angegangen? Die Wirtschaft ist in vielen Bereichen gesättigt, neue finanzielle Gewinnmöglichkeiten können nur mit unverhältnismäßigen Risiken erschlossen werden, weshalb die Investitionen und der Geldumlauf sinken. Auf diese Herausforderungen, dass Wachstum & Gewinn nur noch in Bereichen möglich ist, für die es keinen sinnvollen finanziellen Maßstab gibt, müssen grundsätzliche Antworten gefunden werden. Das beginnt damit die richtigen Fragen zu stellen statt Quacksalberei an Symptomen zu betreiben und so die eigentlichen Fragen zu vertuschen.

-> Kann nicht mal jemand den EZB-Wichtigtuern/Finanzindustriemarionetten eine Aufgabe geben, von der sie etwas verstehen?

Account gelöscht!

28.05.2014, 14:57 Uhr

noch zur Ergänzung: Die EZB baut durch ihre Politik der Kreditverschlechterung/Falschgeldproduktion den deflationären Druck selber auf, den sie angeblich bekämpft. Einerseits müssen die faulen Kredite, die sie mit ihrer Politik der Stimulation eigentlich unwirtschaftlicher Investitionen (letztlich Kreditbetrug) fördert, irgendwann abgeschrieben werden und deflationäre Schuldenschnitte unausweichlich. Andererseits muss bei gleichbleibendem Investitions-/Konsumangebot aber steigender Geldmenge die Geldumlaufgeschwindigkeit pro Geldeinheit zwangsläufig weiter sinken.

Account gelöscht!

28.05.2014, 14:57 Uhr

Wede eine Deflation noch eine Inflation sind die Gründe. Auch nicht die Zurückhaltung der Banken mit Firmenkrediten und schon gar nicht das Motiv irgendeine Wirtschaft ankurbeln zu wollen.
Es geht schlicht und ergreifend um den schleichenden Schuldenschnitt aller Staaten. Die Haushalte der Eurostaaten werden saniert zu Lasten der Sparer. Würde ein Schuldenschnitt in ehrlicher Form durchgeführt werden, bräche alles zusammen. So aber gehts ganz einfach. Die Leute meckern zwar, aber es passiert nichts weiter.

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