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13.05.2011

14:49 Uhr

Zahl des Tages

Griechenlands Offenbarungseid

VonDavid Selbach

Trotz Milliardenhilfen von der EU werden die Staatsschulden Griechenlands 2012 auf 166 Prozent des Bruttoinlandsprodukts klettern. Das werden die Griechen niemals zurückzahlen können.

...Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts werden die Griechen bald an Schulden angehäuft haben.

...Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts werden die Griechen bald an Schulden angehäuft haben.

Die neuesten Zahlen aus Griechenland dürften selbst hartgesottene Finanzer schockieren: Die EU-Kommission hat die Prognose zur Gesamtverschuldung gerade noch mal korrigiert. 2012, so die Beamten, werden die Staatsschulden der Griechen bei sagenhaften 166,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen. Das entspräche bei einem Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent, von dem die griechische Regierung ausgeht, einem Schuldenstand von fast 356 Mrd. Euro.

Wofür die Griechen das alles ausgegeben haben, wissen wir nicht. Sie hätten damit 160.000 Schuldnerberater à la RTL-Star Peter Zwegat für 100 Jahre engagieren können. Wäre vielleicht nicht die schlechteste Idee gewesen.

Jeder der 11,3 Millionen Griechen schiebt rechnerisch ein Minus von 31.566 Euro vor sich her. Das klingt zunächst gar nicht mal dramatisch: In Deutschland kommen auf jeden Einwohner ebenfalls an die 25.000 Euro Staatsverschuldung - das ist nur ein Fünftel weniger. Nur: Die Griechen nehmen im Vergleich so gut wie nichts ein. Während der deutsche Fiskus für 2011 ein Steueraufkommen von fast 250 Mrd. Euro verplanen kann, wird der hellenische Finanzminister gerade mal 56 Mrd. Euro einnehmen. Und knapp 50 Mrd. Euro gleich wieder ausgeben.

Das heißt: Er erwirtschaftet einen mickrigen Überschuss von gerade mal 6 Mrd. Euro, und würde fast 60 Jahre brauchen, um den Schuldenberg abzutragen - wenn man ihm sämtliche Zinszahlungen erließe. Das wird aber nicht passieren. Im Gegenteil: Griechenland zahlt für seine Kredite immer höhere Zinsen. Inzwischen bekommen die Griechen am Kapitalmarkt frisches Geld nur noch für rekordverdächtige 25 Prozent Zinsen. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble zahlt für denselben Kredit gerade einmal 1,76 Prozent - 14 Mal weniger.

Bleibt es bei solchen Konditionen am Kapitalmarkt, so hat die Großbank Uni Credit ausgerechnet, dann würde der Schuldenstand der Griechen nicht sinken - wie in den optimistischen Modellkalkulationen des Internationalen Währungsfonds IWF vorgesehen. Sondern geradezu explodieren: 2030 läge er bereits bei 330 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Griechenland wird also wohl umschulden müssen. Sprich: In die Insolvenz gehen. Dann werden die Gläubiger zwar einen Großteil des geliehenen Geldes verlieren. Inzwischen kommen aber schon 37 Prozent der griechischen Schulden von anderen Staaten, 2013 könnten es - den neuen Milliardenhilfen sei Dank - bereits 51 Prozent sein. Und Regierungen sind es ja gewohnt, Löcher einfach mit neuen Schulden zu stopfen.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

13.05.2011, 15:11 Uhr

Da fragt man sich doch, welcher Volldepp da überhaupt noch über neue "Hilfen" nachdenkt. Grotesk.

tilli

13.05.2011, 15:25 Uhr

Ja, was jetzt das beste wäre... ich kann darüber nur spekulieren. Ich habe die ganzen Zusammenhänge noch lange nicht verstanden! Allerdings habe ich mir bereits vor dem ersten Rettungsschirm die Frage gestellt:
Wozu eigentlich Wirtschaftweise, wenn eh keiner auf sie hört?

Account gelöscht!

13.05.2011, 17:22 Uhr

Womit wollen die 56 Mrd für den Haushalt erwirtschaften ?
Der Dummichel würde beim Hütchenspiel auch keinen Stein finden, wenn es größer wäre wie das Hütchen.

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