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11.07.2014

10:24 Uhr

Zahlen für Juni

Inflation steigt leicht

Die Inflationsrate im Juni ist gegenüber dem Vormonat leicht gestiegen. Sie liegt aber weiter deutlich unter zwei Prozent. Dafür gibt es vor allem einen wichtigen Grund.

Ein gut gefüllter Einkaufswagen: Der in den vergangenen Monaten teilweise sehr starke Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln wurde gestoppt. dapd

Ein gut gefüllter Einkaufswagen: Der in den vergangenen Monaten teilweise sehr starke Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln wurde gestoppt.

WiesbadenTeurere Pauschalreisen und steigende Nettokaltmieten haben die Verbraucherpreise in Deutschland im Juni etwas nach oben getrieben. Insgesamt bleibt die Inflation aber niedrig. Die jährliche Teuerungsrate stieg leicht auf 1,0 Prozent nach 0,9 Prozent im Mai, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Die Behörde bestätigte damit erste Schätzungen.

Im Mai war die Rate auf den niedrigsten Wert seit fast vier Jahren gefallen. Von Mai auf Juni stiegen die Verbraucherpreise um 0,3 Prozent.

Niedrige Inflation: Wie reagiert die EZB?

Was spricht für ein Eingreifen der EZB?

Die Inflation im Euro-Raum lag im Mai bei 0,5 Prozent – und damit weit entfernt von der Zielmarke der EZB von nahe zwei Prozent. Die Entwicklung erhöht den Druck auf die EZB, die Zinsen niedrig zu halten oder noch unter das Rekordtief von 0,25 Prozent zu senken. EZB-Präsident Mario Draghi hatte betont, die Notenbank werde sich notfalls entschieden gegen einen Preisverfall stemmen.

Warum sind sinkende Preise schlecht?

Für Verbraucher sind sinkende Preise zunächst erfreulich, schließlich bekommt man mehr für sein Geld. Die Gefahr ist, dass eine Abwärtsspirale in Gang kommt, wenn die Preise auf breiter Front fallen. Ökonomen nennen das Deflation. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen hinauszögern - in der Erwartung, dass es in den nächsten Monaten noch günstiger für sie wird. Das könnte die ohnehin noch fragile Erholung der Konjunktur in Europa abwürgen.

Wie real ist die Deflations-Gefahr?

„Eine handfeste Deflation ist in der Eurozone eine sehr weit entfernte Gefahr“, meint Berenberg-Volkswirt Christian Schulz. Das betont auch regelmäßig das EZB-Spitzenpersonal. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte Mitte März erklärt, er halte die Risiken von Preis- und Lohnrückgängen auf breiter Front im Euroraum für sehr begrenzt.

Was kann die EZB tun?

Bei den Zinsen hat die EZB den Boden fast erreicht. Mit einem Leitzins von 0,25 Prozent ist Zentralbankgeld für die Banken im Euroraum bereits extrem günstig. Ob eine weitere Zinssenkung die Geldinstitute dazu bewegen würde, mehr Kredite zu vergeben und so die Wirtschaft anzukurbeln, ist umstritten. Denkbar wäre, dass die EZB den Zins für Geld, das Geschäftsbanken bei der Notenbank parken, unter Null senkt. Theoretisch möglich wäre auch, dass die EZB in großem Stil Staatsanleihen aufkauft.

Bringen noch niedrigere Zinsen überhaupt etwas?

Theoretisch animiert das billige Geld Unternehmen zum Investieren und Verbraucher zum Konsumieren - beides kurbelt die Konjunktur an und erhöht so den Preisauftrieb. Doch gerade in den kriselnden Eurostaaten in Südeuropa blieb die Kreditvergabe zuletzt schwach. Nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) kann die EZB mit noch billigerem Geld dagegen so gut wie nichts ausrichten.

Gegenüber dem Vorjahresmonat mussten die Verbraucher nach Angaben der Statistiker für Nettokaltmieten 1,5 Prozent mehr zahlen. Sie machen etwa ein Fünftel der Konsumausgaben der Privathaushalte aus.

Teurer wurden zu Beginn der Sommerreisezeit auch Pauschalreisen (plus 2,6 Prozent). Für den Friseurbesuch mussten die Verbraucher ebenfalls tiefer in die Tasche greifen. Insgesamt erhöhten sich die Dienstleistungspreise den Angaben zufolge mit 1,6 Prozent überdurchschnittlich.

Sprit und Heizöl wurden binnen Jahresfrist billiger, allerdings schwächte sich der Preisrückgang erneut ab. Insgesamt sanken die Energiepreise um 0,3 Prozent. Auf Monatssicht wurde Energie dagegen teurer. Autofahrer mussten an den Zapfsäulen 1,3 Prozent mehr zahlen als im Mai, leichtes Heizöl kostete 0,4 Prozent mehr.

Der in den vergangenen Monaten teilweise sehr starke Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln wurde gestoppt: Im Juni kostete Nahrung genauso viel wie vor einem Jahr. Ohne Nahrungsmittel und Energie wäre die Teuerungsrate im Juni mit 1,4 Prozent deutlich höher ausgefallen, erklärten die Statistiker. Binnen Monatsfrist sanken die Preise für Nahrungsmittel sogar leicht um 0,1 Prozent. Besonders Obstsorten der neuen Saison wie Pfirsiche oder Kirschen wurden billiger.

Trotz des leichten Gesamtanstiegs im Juni liegt die Inflationsrate nach wie vor weit entfernt vom Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB), die stabile Preise mit einer Inflation von knapp unter 2,0 Prozent anstrebt. Wegen der anhaltend deutlich niedrigeren Werte hatten die Währungshüter Anfang Juni ein umfangreiches Anti-Krisen-Paket beschlossen. Unter anderem senkte die EZB den Leitzins auf das Rekordtief von 0,15 Prozent. Im Euroraum hatte die Teuerungsrate im Juni - wie schon im Mai - nur 0,5 Prozent betragen.

Von

dpa

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