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05.03.2004

15:56 Uhr

Zahlen setzen Bush unter Zugzwang

US-Jobmotor springt nicht an

Im Februar stieg die Zahl der Beschäftigten deutlich geringer als von Volkswirten und an den Finanzmärkten erwartet. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 5,6 Prozent. Wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte, wurden 21 000 neue Jobs geschaffen - weit weniger als erwartet. Im Januar waren es noch 75 000.

HB WASHINGTON. Analysten bezeichneten die neuen Daten als Besorgnis erregendes Vorzeichen für die weitere Entwicklung der Konsumausgaben. Die Aktienkurse und der Dollar reagierten mit kräftigen Kursverlusten auf den Bericht, der auch US-Präsident George W. Bush im Wahljahr zunehmend unter Zugzwang setzen dürfte. An den Märkten verstärkten die Daten die Erwartung, dass die US-Notenbank wohl erst deutlich später als angenommen die Zinsen anheben wird.

Die Zahl der Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft kletterte im Februar um lediglich 21 000, während Analysten im Schnitt mit einem erheblich stärkeren Plus von 125 000 Stellen gerechnet hatten. Der Zuwachs ging dabei vollständig auf Neueinstellungen im öffentlichen Dienst zurück, die Beschäftigung in der Privatwirtschaft stagnierte dagegen. Die Arbeitslosenquote verharrte wie von Analysten vorausgesagt bei 5,6 Prozent.

„Das ist ein fürchterlich enttäuschender Bericht“, sagte Joel Naroff von Naroff Economic Advisers. „Die Wirtschaft braucht eindeutig ein besseres Stellenwachstum, um die Verbraucherausgaben zu stützen.“ Der Arbeitsmarkt gilt bisher als die Achillesferse der US-Konjunkturerholung. Das Wachstum der weltgrößten Volkswirtschaft hatte sich im Schlussquartal 2003 zwar stark verlangsamt, wies aber mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 4,1 (Vorquartal: 8,2) Prozent immer noch auf eine kräftige Belebung hin. Die Beschäftigungsentwicklung hinkt dieser Expansion noch deutlich hinterher. Experten zufolge ist ohne einen stark anziehenden Stellenzuwachs nicht mit einem nachhaltigen Aufschwung zu rechnen.

Zugleich gehen Analysten aber davon aus, dass die US-Notenbank die Konjunkturbelebung weiter mit unverändert niedrigen Leitzinsen unterstützen und erst bei einer deutlichen Erholung des Arbeitsmarktes ihre Geldpolitik straffen wird. Im Jahr der Präsidentenwahl hat die Jobentwicklung zudem höchste politische Brisanz. Amtsinhaber Bush sieht sich großem Druck ausgesetzt, in diesem Bereich spürbare Erfolge vorzuweisen. In seiner bisherigen Amtszeit gingen weit mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze in der US-Wirtschaft verloren. Bushs demokratischer Herausforderer John Kerry hat bereits angekündigt, im Falle seiner Wahl in den ersten anderthalb Jahren seiner Amtszeit rund drei Millionen neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Die Terminkontrakte auf die US-Aktienindizes weiteten unmittelbar nach Vorlage der Daten ihre Kursverluste aus, der Dax in Frankfurt rutschte ins Minus. Der Euro schnellte zum Dollar rund zwei US-Cent in die Höhe.

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