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19.01.2010

18:12 Uhr

Zentralbank

Wettbewerb um die EZB-Spitze inoffiziell eröffnet

VonMarietta Kurm-Engels, Andreas Rinke

ExklusivDer Kampf um das Amt an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) verspricht, spannend zu werden, auch wenn sich bisher nur unberufene Stimmen zu einer möglichen Kandidatur geäußert haben. Die Ernennung des Präsidenten und seines Vizes sind miteinander verknüpft. Wenn Yves Mersch auf Lucas Papademos folgt, sinken die Chancen von Axel Weber.

Bundesbankpräsident Axel Weber ist informell im Rennen um die EZB-Spitze. ap

Bundesbankpräsident Axel Weber ist informell im Rennen um die EZB-Spitze.

FRANKFURT/BERLIN. Informell im Rennen sind Bundesbankpräsident Axel Weber und der Gouverneur der Banca d'Italia, Mario Draghi. Die Amtszeit von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet endet am 31. Oktober 2011.

"Wenn es auf einen Italiener hinausläuft, werden wir ihn natürlich unterstützen", erklärte Italiens Außenminister Franco Frattini am Dienstag im Senat. Frattini hatte bereits im September Draghi als geeigneten Trichet-Nachfolger ins Gespräch gebracht. Er hatte jedoch umgehend Berichte dementiert, er habe Draghi auch als Kandidaten vorgeschlagen.

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer, ruderte am Dienstag zurück. Er war am Montag von der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos" als Kronzeuge für den deutschen Anspruch auf den EZB-Spitzenposten genannt worden. "Gegenwärtig steht bei diesem Thema überhaupt keine Entscheidung an", sagte Hoyer dem Handelsblatt. "Deshalb hat die Bundesregierung hierüber auch keinerlei Entscheidung gefällt." Er habe lediglich auf die theoretische Frage des Journalisten geantwortet, ob denn auch Weber zu den geeigneten Kandidaten gehöre.

In der Bundesregierung hatte der Bericht erhebliche Verärgerung ausgelöst. Denn der Eindruck, Berlin habe sich bereits auf die Personalie Weber festgelegt, stört die Absprache mit anderen EU-Regierungen. So galt bisher als sicher, dass die Bundesregierung zunächst die Wahl des luxemburgischen Governeurs, Yves Mersch, zum EZB-Vizepräsidenten unterstützen wollte.

Die Entscheidung über die Nachfolge von EZB-Vize Lucas Papademos ist bisher noch nicht gefallen. Papademos verlässt Ende Mai die EZB. Die EU-Staats- und Regierungschefs sollen den Nachfolger bei ihrem Gipfel im März ernennen.

Im Gespräch sind neben Mersch der portugiesische Zentralbankpräsident Vitor Constancio und Peter Praet, Mitglied des Direktoriums der belgischen Nationalbank. Einige Diplomaten gehen davon aus, dass die beiden EZB-Spitzenpositionen zwischen den Ländern im Norden und Süden der Euro-Zone aufgeteilt werden: Sollte Mersch EZB-Vize werden, wäre Draghi Favorit für die Nachfolge von Trichet. Würde dagegen Constancio die Nummer zwei in der EZB, hätte Weber bessere Chancen. Auch aus Berlin verlautet, dass Webers Kandidatur schwieriger werden könnte, wenn klar werde, dass ein zweiter westlicher Mitteleuropäer ins EZB-Direktorium aufrücken könnte.

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