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15.03.2011

11:36 Uhr

ZEW-Barometer

Japan-GAU dämpft Konjunkturoptimismus

Der Optimismus professioneller Anleger und Analysten für die deutsche Wirtschaft hat eingetrübt. Auch unter Eindruck des Jahrhunderterdbebens in Japan fielen die ZEW-Konjunkturerwartungen.

MannheimDas Barometer für die Konjunkturerwartungen fiel überraschend auf von 15,7 auf 14,1 Punkte, teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter 270 Experten mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem stabilen Wert gerechnet. Die Lage wurde dagegen etwas besser bewertet: Dieses Barometer kletterte um 0,2 auf 85,4 Punkte.

„Die deutsche Wirtschaft befindet sich an sich in einer robusten Verfassung“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

„Allerdings könnten die tragischen Ereignisse in Japan zumindest kurzfristig eine Eintrübung der Konjunkturdynamik in Deutschland zur Folge haben.“ Auch die Ankündigung der Europäischen Zentralbank, ihre Zinsen womöglich schon im April anzuheben, dämpfte den Optimismus der Börsianer etwas.

Analysten rechnen vor allem mit Blick auf die Japan-Folgen mit Dellen für die Weltkonjunktur. Der Tsunami und das Erdbeben wären noch beherrschbar, aber die nukleare Gefahr verändere die Lage völlig, sagte Christian Melzer von der Dekabank. "Die Finanzmärkte reagieren ja jetzt schon heftig.“

Gerd Hassel von der BHF-Bank analysiert: "Die Rohölpreise haben angezogen, der Euro hat aufgewertet. Jetzt kommen die geopolitischen Krisen dazu, die Revolten und die Revolutionsbewegungen in Nahost und Nordafrika, seit neuestem Japan mit Erdbeben, Tsunami und den Problemen mit den Kernkraftwerken." Das werde für Japan eine Katastrophe und möglicherweise auch in weiten Teilen der Region zu "gravierenden" Schwierigkeiten führen. "Die Wirtschaftsentwicklung wird davon hart getroffen werden - und das weltweit", ist sich Hassel sicher. "Allerdings", schränkte er ein, "dürfte es sich um kurzfristige Auswirkungen handeln und nicht derart langfristige und gravierende Folgen haben wie bei der Finanzmarktkrise nach der Lehman-Pleite." Spätestens in einem halben Jahr werde es wohl wieder besser aussehen.

Arnd Schäfer von der WestLB warnte vor immer mehr Belastungen, die auf uns zukämen: steigende Ölpreise wegen der Unruhen in Nordafrika, die Aussicht auf eine EZB-Zinserhöhung und nun die Folgen der Japan-Katastrophe. "Das dürfte die Stimmung trüben", sagte der Ökonom. Beim ZEW sei die Lage immer noch sehr, sehr hoch. "Dass das weiter hochgeht, kann man sich kaum vorstellen", sagte Schäfer. "Die ZEW-Erwartungen dürften in den nächsten Monaten weiter nach unten gehen."

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

16.03.2011, 07:00 Uhr

Das wird wohl erst mal eine Delle für den Aufschwung geben. Den Todesstoß wird die Zinserhöhung der EZB setzen. Herzlichen Dank an die kompetente Planung und Handlungsweise der EZB-Bänker. Total die Bodenhaftung verloren und in die Parallelwelt abgedriftet.

Account gelöscht!

16.03.2011, 08:11 Uhr

Nein, das glaube ich nicht, dass das ausschliesslich an der Japan Krise liegt. Ich denke sogar, die aktuelle Umfrage ist gar nicht NAXH dem GAU erhoben worden, sondern grösstensteils vorher.

Egal auch, die deutsche Wirtschaft ist asozial und es wäre zu begrüssen, wenn sie etwas einbrechen würde,
Unrecht Gut gedeiet nämlich nicht.

Account gelöscht!

16.03.2011, 08:14 Uhr

Ich glaube nicht, dass der Einbruch beim ZEW nur mit der Japankrise zu tun hat, die Daten wurden doch bestimmt schon zum grössten Teil vorher erhoben.

Abgesehen davon würde ich der BRD Wirtschaft, die sich so asozial wie sonst nichts zu den Arbeitnehmern verhält, endlich einen Absturz gönnen.

Unrecht Gut gedeiet nämlich nicht.

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