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16.07.2013

11:41 Uhr

ZEW-Geschäftsklima-Index

Ökonomen treten auf die Euphorie-Bremse

Gegen alle Erwartungen fällt das ZEW-Barometer für die Konjunkturentwicklung im Juli. Zwar bleibe der Grundoptimismus, sagen Analysten. Doch die Erklärungsansätze für die getrübte Stimmung sind ganz unterschiedlich.

Container im Hamburger Hafen: China bereitet den Analysten Kopfzerbrechen. Denn sie glauben, dass dies negative Auswirkungen auf die deutschen Exporte haben wird. dpa

Container im Hamburger Hafen: China bereitet den Analysten Kopfzerbrechen. Denn sie glauben, dass dies negative Auswirkungen auf die deutschen Exporte haben wird.

FrankfurtBörsianer blicken mit wachsender Skepsis auf die deutsche Wirtschaft. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturentwicklung in den kommenden sechs Monaten fiel im Juli überraschend auf 36,3 Punkte von 38,5 Zählern im Vormonat. Das teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter Anlegern und Analysten mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen Anstieg auf 39,6 Punkte erwartet.

„Auffällig ist, dass die Analysten etwas auf die Euphorie-Bremse treten. Insgesamt bleibt aber ein gewisser Grundoptimismus für die deutsche Wirtschaft. Allerdings bereitet vielen die Entwicklung in China Kopfzerbrechen. Schließlich bedeutet das, dass es für den deutschen Export von dort keine positiven Impulse geben wird. Das dämpft die Stimmung etwas. Zugleich gehen wir aber davon aus, dass die chinesische Wirtschaft keine harte Landung hinlegen wird“, sagte Ökonom Rainer Satoris, von HSBC Trinkaus.

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

Auch Ulrich Wortberg von Helaba ist überrascht von den Werten. „Gleichwohl bleibt das insgesamt positive Konjunkturbild in Deutschland erhalten, denn das Niveau der Erwartungskomponente ist weiterhin hoch. Die Vorgaben für den Ifo-Geschäftsklimaindex sind uneinheitlich.“

„Der ZEW-Index ist überraschend schlecht ausgefallen. Das ist kein gutes Zeichen für die Euro-Zone und zeigt, dass auch in Deutschland nicht alles so rosig läuft wie viele vielleicht denken“, sagt Sebastian Sachs von der Metzler Bank.

Die derzeitige Lage bewerteten Finanzprofis allerdings besser als im Vormonat. Das Barometer stieg um zwei auf 10,6 Zähler. Hier hatten Ökonomen lediglich einen Anstieg auf 9,0 Punkte erwartet. Die Bundesbank wie auch der Internationale Währungsfonds (IWF) sagen Deutschland in diesem Jahr nur ein mageres Wachstum von 0,3 Prozent voraus.

Kommentare (9)

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Gast

16.07.2013, 11:55 Uhr

"Gegen aller Erwartungen..."

Ja ja, diese komischen Typen die das schon öfter mal angedeutet haben sind ja alles nur Verschwörugsfanatiker.

whisky

16.07.2013, 12:29 Uhr

Bundesministerium für Wirtschaft: "Die wichtigsten Handelspartner waren 2012 unverändert die Länder Europas, in die 69 % der deutschen Exporte gingen ...Wichtigste Absatzmärkte deutscher Exporteure außerhalb der EU waren 2012 die USA (7,9 %), China (6,1 %) und die Schweiz (4,4 %)."
Da die europäischen Verbraucher aufgrund des "Sparens" immer weniger zum Verbrauchen haben, werden auch wir in Deutschland das merken - siehe z. B. Neuwagenverkäufe.
Und da die deutschen Einzelhandelsumsätze - einschließlich Internethandel, ohne Kraftfahrzeughandel - immer noch ca 2% unter den Umsätzen des Jahres 1994 bzw. 2000 liegen, wird der Binnenmarkt uns wohl auch nicht rausreißen.

zieger

16.07.2013, 12:31 Uhr

Keine gute Nachrichten für Merkel und Co. so kurz vor den wichtigen Wahlen! Das Scheitern bedingt der Einheitseuro. Die Flexibilität der Länder fehlt und zeigt sich im Stau der Investitionen und des dringend nötigen Wachstums. Der Euro-Raum ist bitter gescheitert. Alle Altparteien haben gemeinsam versagt. Nur die AfD hat es deutlich gemacht. Darum brauchen wir einen Neuanfang mit der AfD. Was kommt, wissen wir nicht, aber was uns die Altparteien gebracht haben, spüren wir immer stärker wie Entwertungen der Sparrücklagen, der privaten Rentenvorsorgen die gescheitert sind, die Lebensversicherungen, die horrend steigenden Strompreise, die steigenden Mieten und kommunalen Abgaben, die steigenden Lebensmittelpreise. Und nicht zuletzt muss man das mehrmalige Rechtsbrechen der Altparteien anprangern bis zur Ausspionierung aller Bürger. Der Neuanfang kann nur AfD heißen!

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