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17.09.2013

11:00 Uhr

ZEW-Index auf Drei-Jahres-Hoch

Finanzexperten sehen deutsche Wirtschaft im Aufwind

Der ZEW-Index über die Konjunkturerwartungen von Finanzexperten legt im September deutlich zu. Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft sind so gut wie lange nicht mehr. Das liegt vor allem an der Euro-Zone.

Mitarbeiter des Stahlkonzerns Salzgitter AG am Hochofen: Die Lage der heimischen Wirtschaft hat sich gegenüber dem Vormonat verbessert. dpa

Mitarbeiter des Stahlkonzerns Salzgitter AG am Hochofen: Die Lage der heimischen Wirtschaft hat sich gegenüber dem Vormonat verbessert.

Berlin/MannheimKurz vor der Bundestagswahl steigt der Konjunkturoptimismus der Börsenprofis überraschend deutlich. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturentwicklung in den kommenden sechs Monaten kletterte im September um 7,6 auf 49,6 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit April 2010, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter 260 Anlegern und Analysten mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Wert von 46 Zählern gerechnet.

Die Finanzmarktexperten sehen die deutsche Konjunktur weiter im Aufwind, sagte ZEW-Präsident Clemens Fuest. Insbesondere die verbesserten Aussichten für die Euro-Zone sorgen dafür, dass der Konjunkturoptimismus der Experten zunimmt, obwohl die Wirtschaftszahlen für Deutschland zuletzt hinter den Erwartungen zurückblieben.

Krisenländer im Check

Portugal

- LICHT: Das Land steckt in der tiefsten Rezession seit den 1970er-Jahren. Doch der Abwärtsstrudel verliert an Stärke: Die Arbeitslosenquote sank im Mai und im Juni, das Geschäftsklima hellte sich sieben Monate in Folge auf. Die gesamte Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal überraschend um 1,1 Prozent, es war das erste Plus seit rund zweieinhalb Jahren.

- SCHATTEN: Die jüngste Regierungskrise hat Investoren verunsichert und Zweifel geschürt, dass sich Portugal ab Mitte 2014 wieder vollständig über den Finanzmarkt finanzieren kann. Nur ein Rettungspaket über 78 Milliarden Euro bewahrte das Land vor der Staatspleite.

Zypern

- LICHT: Die Troika aus Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds hat dem Euro-Land jüngst Fortschritte bei der Sanierung seines Staatshaushalts bescheinigt. Die internationalen Geldgeber müssen Zypern mit insgesamt rund zehn Milliarden Euro vor der Staatspleite retten.

- SCHATTEN: Wegen des harten Sparkurses als Gegenleistung für das Rettungspaket steht Zypern konjunkturell noch ein tiefes Tal bevor. Die Arbeitslosenquote stieg zuletzt stetig auf gut 17 Prozent – dies ist hinter Griechenland, Spanien, und Portugal der höchste Wert in der EU. Im zweiten Quartal schrumpfte die Wirtschaft um 1,4 Prozent. Für das Gesamtjahr 2013 sagt die EU-Kommission ein Minus von 8,7 Prozent voraus.

Irland

- LICHT: Die Immobilienkrise, die das Land in den Abgrund getrieben hat, nähert sich ihrem Ende. Die Hauspreise stiegen im Juni erstmals seit Ausbruch der Misere wieder, und zwar um durchschnittlich 1,2 Prozent zum Vorjahresmonat. Sie waren seit 2008 um rund 50 Prozent eingebrochen. Dadurch erlitten die Banken des Landes milliardenschwere Verluste. Sie mussten mit Steuergeldern gerettet werden, was wiederum den Staat an den Rand der Pleite trieb. Da die Regierung zahlreiche Reformen umgesetzt hat, hob die Rating-Agentur S&P ihren Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Landes von „stabil“ auf „positiv“ an.

- SCHATTEN: Die Konjunktur läuft schlechter als erwartet, die Wirtschaft schrumpfte zuletzt drei Quartale in Folge. Die Notenbank senkte deshalb ihre Wachstumsprognose für 2013 von 1,2 auf 0,7 Prozent. Damit wird es auch schwerer, das Defizit wie geplant auf 7,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu drücken.


Frankreich

- LICHT: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone galt zuletzt als Sorgenkind. Nun verließ das Land aber die Rezession – und das mit deutlich mehr Schwung als erwartet. Im zweiten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent und damit mehr als doppelt so schnell wie erwartet.

- SCHATTEN: Die Lage bleibt fragil. Die Regierung in Paris hatte zuletzt nicht mehr ausgeschlossen, dass das Bruttoinlandsprodukt 2013 leicht schrumpft. Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen. Zudem hat die Regierung Mühe, den Haushalt in den Griff zu bekommen. Präsident François Hollande, dessen Popularität auf Tiefstwerte gerutscht ist, räumte kürzlich ein, Frankreich könnte sein Defizitziel von 3,7 Prozent der Wirtschaftskraft 2013 verfehlen. Der Internationale Währungsfonds legte Frankreich bereits nahe, aus Rücksicht auf die Konjunktur die Haushaltskonsolidierung abzubremsen.


Italien

- LICHT: Auch Italien hat ein Ende der Rezession vor Augen. Von April bis Juni schrumpfte die Wirtschaft zwar das achte Quartal in Folge, mit 0,2 Prozent aber nur halb so stark wie befürchtet. Zuletzt mehrten sich die Hinweise darauf, dass Italien der Dauer-Rezession in den Sommermonaten entkommen kann: Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe wuchs im Juni mit 0,3 Prozent den zweiten Monat in Folge, der Einkaufsmanager-Index für die Industrie stieg im Juli auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren, der Einzelhandelsumsatz legte nach 14-monatiger Pause zuletzt wieder zu. Und auch die Kauflaune der Verbraucher besserte sich.

- SCHATTEN: Die schwache Konjunktur gefährdet die Sanierung des Haushalts. Im Juli lag das Defizit bei fast neun Milliarden Euro. Italien ist damit weit davon entfernt, die Neuverschuldung unter die EU-Obergrenze von drei Prozent der Wirtschaftskraft zu drücken. Gefährdet wird die Erholung auch von politischer Instabilität. Die Koalition von Silvio Berlusconis Partei Volk der Freiheit und der linken Demokratischen Partei hing zuletzt am seidenen Faden. Mit Warnungen vor einem Bürgerkrieg und Rücktrittsforderungen von Ministern und Abgeordneten machte das rechte Lager gegen die Verurteilung Berlusconis Front, der vom Obersten Gerichtshof zu vier Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung verdonnert worden war.

Spanien

- LICHT: Das Land nähert sich dem Ende der Dauer-Rezession. Im zweiten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt mit 0,1 Prozent nur noch minimal. Für die zweite Jahreshälfte wird wieder ein leichtes Wachstum erwartet. Die Zahl der Arbeitslosen fiel im Juli den fünften Monat in Folge – um knapp 65.000 auf 4,7 Millionen. Hauptgrund dafür ist der Aufwind der Tourismusindustrie, die in der Ferienzeit viele zusätzliche Mitarbeiter benötigt. Die Branche macht etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Auch einige Banken lassen die Krise nach der geplatzten Immobilienblase allmählich hinter sich. Branchenprimus Santander steigerte seinen Überschuss im ersten Halbjahr um 29 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro.

- SCHATTEN: Die Industrie kommt nicht auf die Beine. Die Unternehmen drosselten ihre Produktion im Juni bereits den 22. Monat in Folge. Der Rückgang zum Vorjahresmonat fiel mit 1,9 Prozent sogar deutlicher aus als erwartet. Sorgen bereitet zudem das hohe Defizit. Der Staat musste bereits mehrfach den Reservefonds der Sozialversicherung anzapfen, um Pensionszahlungen leisten zu können. Spanien leidet immer noch unter den Folgen des 2008 geplatzten Immobilienbooms. Offiziellen Angaben zufolge sind die Grundstückpreise seit ihrem Höhepunkt 2007 um 43 Prozent eingebrochen. Immobilienexperten gehen sogar von einem Minus von mindestens 70 Prozent aus. Banken mussten deshalb milliardenschwere Abschreibungen vornehmen. Das Geld fehlt nun, um es in Form von Krediten an Unternehmen zu vergeben.

Griechenland

- LICHT: Der Tourismus brummt wieder. In diesem Jahr werden 17 Millionen Urlauber erwartet und damit so viele wie noch nie. Die Branche rechnet mit einem Umsatzplus von zehn Prozent auf elf Milliarden Euro. Der Tourismus macht etwa 17 Prozent der Wirtschaftsleistung aus; jeder fünfte Grieche arbeitet in dieser Branche. Auch bei der Sanierung der Staatsfinanzen kommt das Land langsam voran. Der Primärhaushalt – bei dem die Zinskosten nicht berücksichtigt werden – wies in den ersten sieben Monaten völlig unerwartet einen Überschuss von 2,6 Milliarden Euro aus.

- SCHATTEN: Die Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal mit 4,6 Prozent so langsam wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Doch das reicht längst nicht aus, um neue Jobs zu schaffen. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit mit 27,4 Prozent sehr hoch. Die Zentralbank geht davon aus, dass sie noch bis auf 28 Prozent steigen wird. Erst 2015 soll sie zurückgehen.

Auch Analysten werteten die Zahlen positiv. „Das waren schon ausgesprochen gute Zahlen“, sagte Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus. „Die Erwartungen sind auf dem höchsten Stand seit April 2010. Das ist ein klares Signal, dass von der Stabilisierung der Euro-Zone auch die deutsche Wirtschaft profitiert.“ Sein Kollege Thilo Heidrich von der Postbank sieht ebenfalls Grund zum Optimismus. Die Zahlen sind besser ausgefallen als erwartet. Die Stimmungsaufhellung der Börsianer vor der Bundestagswahl ist deutlich.“

Auch die Lage der heimischen Wirtschaft bewerteten die Finanzprofis besser als im Vormonat. Dieses Barometer kletterte überraschend deutlich um 12,3 auf 30,6 Zähler. Hier hatten Experten nur einen Anstieg auf 20,8 Punkte erwartet.

Die deutsche Wirtschaft war nach einer Stagnation zu Jahresanfang im Frühjahr mit 0,7 Prozent kräftig gewachsen. Für das zweite Halbjahr rechnet das Bundeswirtschaftsministerium damit, dass sich das Wachstumstempo normalisiert.

Von

rtr

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

17.09.2013, 11:31 Uhr

Aja, die EXperten mal wieder! EX bedeutet ja so viel wie "Aus" oder auch "außerhalb stehend".
Komisch nur daß gerade der Autoabsatz zurückgeht, wo 14% der Beschäftigten in Lohn sind. DER Indikator.
Das Konsumverhalten könnte auf den Umstand zurückzuführen sein, daß die Menschen ihre unverzinsten falsch-, äh sorry, Giralguthaben in Sachwerte umsetzen solange es noch was gibt dafür! Crack-Up-Boom. Endgame!

Account gelöscht!

17.09.2013, 11:32 Uhr

Aja, die EXperten mal wieder! EX bedeutet ja so viel wie "Aus" oder auch "außerhalb stehend".
Komisch nur daß gerade der Autoabsatz zurückgeht, wo 14% der Beschäftigten in Lohn sind. DER Indikator.
Das Konsumverhalten könnte auf den Umstand zurückzuführen sein, daß die Menschen ihre unverzinsten Falschgeld-, äh sorry, Giralgeldguthaben in Sachwerte umsetzen solange es noch was gibt dafür! Crack-Up-Boom. Endgame!

Rechner

17.09.2013, 11:39 Uhr

'dyndre53' sagt
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Das Konsumverhalten könnte auf den Umstand zurückzuführen sein, daß die Menschen ihre unverzinsten falsch-, äh sorry, Giralguthaben in Sachwerte umsetzen solange es noch was gibt dafür!
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Selten so gelacht.

Im August lag die Geldentwertungsrate im Euroraum bei 1,3%.

Auch der Außenwert des Euro ist äußerst stabil.

+++

'dyndre53' sagt
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Crack-Up-Boom. Endgame!
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Allenfalls in Ihrer Parallelwelt.

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