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15.07.2014

11:11 Uhr

ZEW-Index

Dämpfer für die deutsche Wirtschaft

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich im Juli eingetrübt. Zum siebten Mal in Folge blicken Finanzexperten pessimistischer in die Zukunft. Für die Stimmungsflaute gibt es mehrere Gründe.

ZEW-Index verdirbt den Anlegern die Laune

Video: ZEW-Index verdirbt den Anlegern die Laune

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Berlin/MannheimBörsianer haben die Aussichten für die deutsche Wirtschaft im Juli den siebten Monat in Folge skeptischer beurteilt. Das Barometer für die ZEW-Konjunkturerwartungen sank um 2,7 auf 27,1 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter Anlegern und Analysten mitteilte. Das ist der niedrigste Stand seit Dezember 2012. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Rückgang auf 28,0 Zähler erwartet. Die Lage der Wirtschaft bewerten die Experten ebenfalls schlechter: Dieses Barometer fiel um 5,9 auf 61,8 Punkte. Hier waren 67,0 Zähler erwartet worden.

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

"Die deutsche Konjunktur hat sich zuletzt eine kleine Delle eingefangen", sagte ZEW-Präsident Clemens Fuest. "Im Einzelhandel wurde weniger umgesetzt, zudem produzierte die deutsche Industrie weniger und verzeichnete geringere Auftragseingänge." Der Rückgang der Konjunkturerwartungen spiegele die Ernüchterung darüber wider. "Dennoch bleibt der mittelfristige wirtschaftliche Ausblick in der Grundtendenz positiv", so Fuest.

Die Industrieproduktion in Deutschland ist im Mai den dritten Monat in Folge gesunken, zudem gab der Auftragseingang stärker nach als von Ökonomen erwartet. Damit mehren sich die Anzeichen, dass sich das Wachstum in den drei Monaten bis Ende Juni verlangsamt hat. Die Bundesbank rechnet für das aktuelle Quartal zwar mit einem wieder anziehenden Wachstum, aber die politischen Spannungen im Nahen Osten und in der Ukraine sind Abwärtsrisiken für die weltweite Konjunktur, von der Deutschland als Exportnation abhängig ist.

“Es ist sogar möglich, dass die Wirtschaft im zweiten Quartal stagnierte, und eine Eskalation im Nahen Osten würde Deutschland natürlich betreffen”, sagte Stefan Schneider, Chefvolkswirt Deutschland bei der Deutsche Bank AG in Frankfurt. “Eine solche Eskalation ist allerdings ein unwahrscheinliches Szenario und generell gesprochen ist die deutsche Wirtschaft immer noch solide.”

Mit 0,8 Prozent war das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Markit Economics rechnet für das zweite Quartal mit einem Plus von 0,7 Prozent, basierend auf den von dem Analyseunternehmen erhobenen Daten zu Dienstleistungssektor und verarbeitendem Gewerbe.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

15.07.2014, 11:35 Uhr

Der Auftragseingang wird sich unter der wirtschaftsbelastenden Subventionsorgie einer Energiewende/EEG (Stromkosten, Lebenshaltungskosten) und den grünen Klima- und Umweltschutz Vorschriften (Mietpreissteigerung,grüner Abgaben-Zwangswahn usw.) mehr und mehr vom deutschen Inland in das Ausland verschieben.
Die Wertschöpfungskette für Wohlstand und Fortschritt verschiebt sich langsam aber sich von EU-Deutschland weg. Übrig bleibt eine von Grünen Sozialisten regierte und kontrolliert Vorschriften-Gesellschaft ala DDR 2.0. Mangela und Armut ist das Ziel solch einer Ökos-Sozialisten Politik. Merkel hat die Marktwirtschaftlichen Werte und damit die Freiheit einer Gesellschaft mit wohlstandschancen einer Plansystem Gesellschaft ala DDR-Staatssystem geopfert. Und die inländische deutsche Wirtschaft bekommt dies langsam aber sicher immer mehr zu spüren.

Herr Ossi NB

15.07.2014, 12:39 Uhr

Na sowas. Bisher hatten wir doch beste Wachstumsprognosen?
Da reibe ich mir verwundert die Äuglein.
Na ja - bis zu den Landtagswahlen wird es zeitungsgemäß schon wieder besser werden. Und zum Jahresende wir das BIP eh nach neuen Kriterien berechnet. Da kann Frau Merkel beruhigt unsere Milliarden weiter verschenken!

Herr Andreas Glöckner

15.07.2014, 13:38 Uhr

Ich denke die wirtschaftliche Entwicklung sollte kritischer betrachtet werden.

Natürlich ist die Weltwirtschaftskrise noch nicht überwunden. Allerdings müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass diese nicht mehr in den Eliten wahrgenommen wird. Die Wirtschaft wächst, an den Börsen wird wieder Geld verdient. Selbst Arbeitslose dürften in diesen Tagen kein Gefühl der Hoffnungslosigkeit entwickeln, der Arbeitsmarkt entwickelt sich tendentiell positiv, die Jugend hier in Deutschland verdient ihr erstes Geld.

Doch wenn man sich die Situation genau anschaut, dann kann die wirtschaftliche und damit zwangsläufig auch die gesellschaftliche Entwicklung in den folgenden Monaten nur eine Entwicklung entlang von Statistiken sein, denn der durch die Krise verursachte wirtschaftliche Auftrieb findet keine in der Bevölkerung spürbare Begründung mehr. Wenn die gesellschaftlichen Kräfte, die gegen die Krise gewirkt haben auf keine Widerstände oder Gefahren stoßen, wofür brauchen sie ihre Kräfte dann?

Dass das ZEW tendentiell schlechter ausgefallen ist, als die Analysten prognostizierten ist ein Indikator für die Annahme,dass der gesellschaftsimmanente bzw. krisenbedingte Druck abschwächt.

Selbst der Wohnungsbau wurde inhaltlich nur wenig ernst genommen, ich nehme an, dass auch der Abbau des Staatsdefizits in den Hintergrund rücken wird.

Alles in allem sehe ich zwar auch das Wirtschaftswachstum kommen. Doch der bereits bestehende Wohlstand und die immer noch positiv erscheinenden Trends laden zu Nachlässigkeiten ein. Das ZEW bildet meiner Auffassung nach auch den gesellschaftlichen Druckabfall ab, der sich erwartungsgemäß nach der Krise einstellen musste.

Warum sollten die oberen Gesellschaftsschichten über den bestehenden status quo hinaus wachsen wollen?

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