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17.04.2012

11:21 Uhr

ZEW-Index

Deutsche Wirtschaft hält der Krise stand

Die Unsicherheit um Spanien trübt die Stimmung der deutschen Finanzmarktexperten bisher nicht. Im April blicken sie erneut optimistischer in die Zukunft. Das Wachstum in Deutschland könnte bald Fahrt aufnehmen.

ZEW-Index: Deutsche Wirtschaft ist auf Wachstumskurs

Video: ZEW-Index: Deutsche Wirtschaft ist auf Wachstumskurs

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MannheimDie Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten für Deutschland haben sich auf einem hohen Niveau stabilisiert. Im April stieg der Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu den Konjunkturerwartungen marginal um 1,1 Punkte auf jetzt 23,4 Punkte, wie das ZEW am Dienstag in Mannheim mitteilte. Dies war der fünfte Anstieg in Folge. Der nahezu unveränderte Stand zeige, dass sich die Erwartungen stabilisieren, erklärte das Institut. Für den Index befragte das ZEW vom 2. April bis 16. April insgesamt 275 Analysten und institutionelle Anleger.

Laut ZEW gehen die Finanzmarktexperten insgesamt von einer weiter positiven Entwicklung der deutschen Wirtschaft im kommenden Halbjahr aus. ZEW-Präsident Wolfgang Franz verwies aber auf die bestehenden Risiken. „Dass der Indikator im April auf der Stelle tritt, zeigt allerdings, dass der realwirtschaftliche Optimismus durch erhebliche Risiken gebremst wird, wie beispielsweise die Konjunkturschwäche wichtiger Handelspartner, die Entwicklung der Rohstoffpreise und die Staatsschuldenkrise in der Eurozone“ , erklärte Franz.

Viola Storck von der Helaba sieht den Anstieg als Anzeichen dafür, dass sich die wirtschaftliche Erholung in Deutschland fortsetzt. „Die Stimmung der Finanzmarktteilnehmer hat sich weiter verbessert. Die Erwartungen liegen weiterhin auf hohem Niveau, sodass eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung wahrscheinlich ist. Für den Ifo-Index, der am Freitag zur Veröffentlichung ansteht, ergibt sich durch die Zahlen eine freundliche Vorgabe.“

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

Ihr Kollege Heinrich Bayer von der Postbank hob die zunehmende Bedeutung der Binnenkonjunktur hervor. „Deutschland befindet sich in einer recht guten Lage. Im Frühjahr wird die Konjunktur wieder an Schwung gewinnen. Auch in der zweiten Jahreshälfte dürften wir solide Wachstumsraten sehen - vor allem aufgrund der guten binnenwirtschlichen Lage,“ sagte er. Für bemerkenswert hält er außerdem, dass die Konjunkturerwartungen nicht nur für Deutschland gestiegen seien, sondern allem Krisengerede zum Trotz auch in der Euro-Zone, Japan und Großbritannien.

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Die aktuelle konjunkturelle Lage bewerteten die Experten im April ebenfalls leicht besser, der entsprechende Indikator stieg um 3,1 Punkte auf 40,7 Punkte. Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone stiegen im April um 2,1 Punkte im Vergleich zum März und liegen nun bei 13,1 Punkten. Die aktuelle Konjunkturlage des Euroraums bewerteten die Experten aber zurückhaltender, der Indikator fiel um 0,6 Punkte auf minus 49 Punkte.

Noch wichtiger als der ZEW-Index ist für die kurzfristigen Konjunkturaussichten der Ifo-Index, in den die Erwartungen der Unternehmen einfließen. Die Zahlen hierfür veröffentlicht das Münchner Ifo-Institut am Freitag. Die Vorgaben hierfür sind nach den heutigen Zahlen aber gut.

Von

rtr

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