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23.08.2011

11:03 Uhr

ZEW-Index

Erwartungen der Finanzexperten brechen ein

Das wichtige ZEW-Konjunkturbarometer ist auf den tiefsten Stand seit Dezember 2008 gefallen. Der Rückgang war damit noch deutlich stärker als von Analysten erwartet.

Bauarbeiter auf einer Baustelle in Berlin-Mitte. dapd

Bauarbeiter auf einer Baustelle in Berlin-Mitte.

MannheimDie mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren sind im August massiv gefallen. Der entsprechende Index sank von minus 15,1 Punkten im Juli auf minus 37,6 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mitteilte. Experten hatten mit einem Rückgang auf minus 26,0 Punkte gerechnet. Auch die Lage schätzten die Börsenexperten nicht mehr so rosig ein. Dieser Index fiel unerwartet deutlich um 37,1 Punkte auf 53,5 Zähler. Für die Euro-Zone sanken die Erwartungen um 33,0 Punkte auf minus 40,0 Punkte. Der Indikator für die aktuelle Lage verschlechterte sich um 21,4 Punkte auf minus 19,1 Punkte.

Der ZEW-Konjunkturindex gilt als ein wichtiger Stimmungsindikator der deutschen Wirtschaft. Befragt werden monatlich rund 300 Analysten und institutionelle Anleger.

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

„Die bisher schon geäußerte Skepsis der Finanzmarktexperten bezüglich der künftigen konjunkturellen Entwicklung hat sich dramatisch verstärkt“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Die Angst vor einer Rezession in den USA habe die Unsicherheit ebenso erhöht wie die Herabstufung der Kreditwürdigkeit amerikanischer Staatsanleihen. Hinzu kämen die Schuldenkrise in Europa und der Wachstumseinbruch der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal. Das Bruttoinlandsprodukt hatte nur um 0,1 Prozent zugelegt, nachdem es zu Jahresbeginn noch 1,3 Prozent waren.

Die meisten Experten befürchten derzeit aber keine Rezession „Dem weniger günstigen außenwirtschaftlichen Umfeld steht die noch immer sehr gefestigte Binnenkonjunktur gegenüber“, schrieb etwa die Bundesbank in ihrem Monatsbericht. Diese speise sich insbesondere aus der hohen Investitionsbereitschaft der Unternehmen, der kräftigen Nachfrage im Wohnungsbau und der sinkenden Arbeitslosigkeit. Die Bundesbank erwartet deshalb in diesem Jahr nach wie vor ein Wachstum von drei Prozent. 2010 waren es 3,7 Prozent.

Der Markit-Einkaufsmanagerindex für Deutschland, dessen Daten am Dienstagmorgen veröffentlicht worden waren, hatte ein vorläufiges Ende des Abwärtstrends für die Industrie signalisiert. Dagegen trübte sich der Ausblick für die Dienstleister weiter ein.

Kommentare (21)

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Kalle

23.08.2011, 11:28 Uhr

Es sind die internationalen Banken, nicht die deutsche (Rest-) Wirtschaft, der beste Teil ist dazu in fremden Händen, die das Unglück gebracht haben.
Jetzt haben die Jubelorgien wohl ein Ende gefunden, gut so!

insider

23.08.2011, 11:30 Uhr

Die Experten....sososo

Ich vergleiche mal fonds von den experten.DWS Top dividende,Vermoegensbildungsfonds,Fondak,fidelity european growth,BWI Dividendenstrategie.....das sind die experten?analysten?alle haben sie bei ihren fonds einen knick im august,mit riesigen analysten teams etc.,dieser knick bedeutet:NICHT VERKAUFT....der einzige der den Index schlägt im August ist Carmignac!!!!!vielleicht ist das der Experte?

keeper

23.08.2011, 11:40 Uhr

... es gibt eben doch noch Leute, welche bis auf drei zählen können..

... Sobald die Nationalstaaten im Zuge der Sparmaßnahmen weniger ausgeben als heute, wird eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt.
es sei denn, der private Konsum oder die privaten Investitionen steigen im selben Betrag wie die Kürzungen an.


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