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18.03.2014

10:05 Uhr

ZEW-Index fällt

Krim-Krise drückt Konjunktur-Erwartungen

Der ZEW-Index über die Konjunkturerwartungen von Finanzexperten ist im März deutlich gesunken. Ursache ist die Krim-Krise. Sie sorgt in der Wirtschaft für große Ungewissheit.

Kraftwerkstechniker bei der Arbeit: Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich duch die Krim-Krise eingetrübt. dpa

Kraftwerkstechniker bei der Arbeit: Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich duch die Krim-Krise eingetrübt.

Berlin/MannheimDie Krim-Krise drückt auf den Konjunktur-Optimismus der Börsenprofis. Das Barometer für die ZEW-Konjunkturerwartungen sank im März das dritte Mal in Folge und fiel auf den tiefsten Stand seit August 2013, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag unter Berufung auf seine monatliche Umfrage unter 241 Anlegern und Analysten mitteilte. Das Barometer rutschte stärker als erwartet um 9,1 auf 46,6 Punkte und damit so kräftig wie seit fast einem Jahr nicht mehr. "Die Krim-Krise belastet die Konjunkturaussichten für Deutschland", sagte ZEW-Präsident Clemens Fuest. "Dennoch deutet der Indikatorstand darauf hin, dass der wirtschaftliche Aufwärtstrend derzeit nicht gefährdet ist."

Trotz des Konflikts warnen viele Fachleute vor Schwarzmalerei. Der Rückgang des ZEW-Barometers spiegele zwar die steigende Unsicherheit im Sog des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine wider, sagte Carsten Brzeski von der ING-Bank. "Die Investoren zeigen sich davon beeindruckt, aber nicht verschreckt." Die kurzfristigen Folgen des Krim-Konflikts auf die deutsche Wirtschaft seien eher begrenzt. Die aktuelle konjunkturelle Lage beurteilten die vom ZEW-befragten Experten besser als zuletzt: Das Barometer kletterte um 1,3 auf 51,3 Punkte und stieg damit auf den höchsten Stand seit August 2011.

So stehen die Euro-Krisenländer da

Frankreich

Lage: Mit 0,3 Prozent wuchs die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone im vierten Quartal 2013 etwas schneller als erwartet. Sie befreite sich damit aus der Stagnation. Dennoch reichte es im Gesamtjahr 2013 nur zu einem Plus von 0,3 Prozent.
Aussichten: Für 2014 rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Frankreich leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet deshalb die EU-Kommission. Das bremse den Konsum.

Italien

Lage: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember 2013 um 0,1 Prozent zu. Das war das erste Wachstum seit Mitte 2011. Dennoch schrumpfte das BIP im Gesamtjahr 2013 um 1,9 Prozent.

Aussichten: Zwei Rezessionsjahren folgt eine kraftlose Erholung. 2014 wird von der EU-Kommission ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, 2015 von 1,2 Prozent. Steigende Exporte dürften die Unternehmen zu mehr Investitionen ermutigen. Die Arbeitslosenquote soll 2014 noch einmal leicht steigen, was den Konsum dämpft.


Spanien

Lage: Der Notenbank zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2013 um 0,3 Prozent gewachsen. Trotzdem dürfte die Wirtschaft 2013 das zweite Jahr in Folge geschrumpft sein - voraussichtlich um 1,2 Prozent.

Aussichten: 2014 soll es ein mageres Wachstum von 0,5 Prozent geben, erwartet die EU-Kommission. Das Plus soll sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen. Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher dürften durch den Umbau des Bankensektors nach wie vor schwer an Kredite kommen. Die Exporte sollen dagegen gut laufen und stetig zulegen.

Griechenland

Lage: Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging es Ende 2013 noch einmal um 2,6 Prozent nach unten. Immerhin: Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung noch um mehr als das Doppelte eingebrochen.

Aussichten: Das BIP soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission. Schwachpunkt bleibt die Rekordarbeitslosigkeit von aktuell 28 Prozent, die den Konsum bremst.


Portugal

Lage: Das Wachstum beschleunigt sich im vierten Quartal auf 0,5 Prozent. Dadurch schrumpfte die Wirtschaft 2013 nur noch um 1,4 Prozent, nach 3,2 Prozent 2012.

Aussichten: 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen. Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,8 Prozent erhöhen soll, erwartet die Regierung. Wachstumstreiber sind vor allem die Exporte, aber auch die Binnennachfrage soll 2014 wieder anziehen.

Zypern

Lage: Um voraussichtlich 5,5 Prozent ist die Wirtschaftsleistung 2013 eingebrochen. Ursprünglich war sogar ein Minus von 8,7 Prozent erwartet worden, doch lief der private Konsum besser als angenommen.

Aussichten: 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die EU-Kommission. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen.

Trotz Sanktionen der EU, der USA und Japans treibt Russland den Anschluss der ukrainischen Krim-Halbinsel voran. Präsident Wladimir Putin billigte einen Vertragsentwurf, der die Krim zum Teil der Russischen Föderation macht. Die Sanktionen gegen Russland schüren bei deutschen Unternehmen die Furcht vor einer weiteren Verschärfung des Konfliktes. "Wirtschaftlicher Schaden zeichnet sich auch ohne Wirtschaftssanktionen längst ab", hatte der Chef des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, am Montag gesagt.

Kommentare (1)

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18.03.2014, 12:03 Uhr

Die "EU in Brüssel" ist eine schleichende Besatzung Europas - und wenn das so weitergeht, muss Russland Europoa noch einmal Befreien, wie 1945 schon einmal geschehen.

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